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Der Norden Abi in Niedersachsen zu leicht? Lehrer widersprechen
Nachrichten Der Norden Abi in Niedersachsen zu leicht? Lehrer widersprechen
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00:15 26.10.2018
Abiprüfungen zu leicht? – Schüler, Lehrer und Kultusminister Grant Hendrik Tonne (SPD) widersprechen. Quelle: dpa
Hannover/Hildesheim

Ist das Abitur in Niedersachsen zu leicht? Werden zu viele gute Noten vergeben? Das findet zumindest der Verband der Elternräte der Gymnasien. Mit Sorge betrachtet Geschäftsführerin Petra Wiedenroth, dass die Ansprüche aus ihrer Sicht immer weiter heruntergeschraubt werden: „Die Zahl der Klausuren in der Oberstufe wird reduziert, eine Präsentationsprüfung kann im Abitur eine schriftliche Arbeit ersetzen.“ Die Noten würden immer besser.

In der Tat haben sich die Abiturdurchschnittsnoten in den vergangenen zehn Jahren verbessert, aber längst nicht so dramatisch, wie der Elternverband es darstellt. Die Durchschnittsnote stieg von 2,71 im Jahr 2006 auf 2,57 in diesem Jahr.

Immer mehr Jugendliche machen Abitur

Die Zahl der Jugendlichen, die Abitur machen, ist in Niedersachsen stark gestiegen Waren es 1960 nur 6 Prozent, sind es 2016 schon 36,7 Prozent gewesen. Allerdings machten die Mehrheit – 45,7 Prozent – einen Realschulabschluss, nur 13,7 Prozent einen Hauptschulabschluss. Erstmals wurde 2010 die 30-Prozent-Marke bei der Abitursquote überschritten. Auch in fast allen anderen Bundesländern hat sich die Durchschnittsnote der Abiturienten seit 2006 verbessert, wobei Niedersachsen beim Abischnitt 2016 sogar Schlusslicht war. Thüringen kam sogar auf einen Schnitt von 2,18.

Der Anteil der Prüflinge, die in Niedersachsen 2016 einen Schnitt von unter 2,0 hatten, lag 2016 bei insgesamt 17,3 Prozent. dö

„Ähnliche Kritik gab es schon in der Antike“

Schulleiter in Hannover können die Kritik der Elternräte nicht nachvollziehen. Martin Thunich von der Wilhelm-Raabe-Schule sagt: „ Zum einen ist die Klage schon 5000 Jahre alt und nicht besonders originell. Eine Tontafel der Sumerer jammert ca. 3000 vor Christus, die Jugend zeige keine Lernbereitschaft. Zum anderen ist die Klage des Elternverbandes zu kurz gesprungen. Die Abiturprüfung steht am Ende eines langen Lernprozesses und ist nur der Ausfluss der Kompetenzorientierung und der Bildungsstandards, mit denen die Bildungspolitiker vor Jahren begonnen haben, die Bedeutung der Inhalte und des Fachwissens zurückzudrängen. Allerdings gilt: Kompetenzorientierung ohne Inhalte ist wie Backen ohne Mehl.“

Auch Peter Kindermann von der Sophienschule findet: Die Abiturprüfungen sind anspruchsvoll. Die Schülerinnen und Schüler müssen angemessene Herausforderungen bewältigen, weil es in die Tiefe und in die Breite geht.“. Auch Katharina Badenhop, Direktorin der tellkampfschule, betont: „Die „Mär vom leichten beziehungsweise schweren Abitur – oft auch in Zusammenhang mit unterschiedlichen Schulformen gebracht – ist spätestens mit Einführung des Zentralabitur hinfällig.“ Die Themen für die Kurshallbjahre und die Prüfungsaufgaben würden von einer zentralen Kommission ausgewählt und vorbereitet.

„Kritik ohne sachliche Grundlage“

Im Kultusministerium gibt es ebenfalls harsche Widerworte gegen den „Abi light-Vorwurf“:„Die Kritik an der Qualität des niedersächsischen Abiturs erfolgt ohne sachliche Grundlage und wohl eher auf Gefühl nach dem Motto: Früher war alles besser. Das wird der Leistung der Schülerinnen und Schüler und auch der Lehrkräfte nicht gerecht. Die Fakten zeigen, dass die Hochschulreife höchsten Ansprüchen genügt und von den Schülerinnen und Schülern nur mit viel Lernaufwand, Disziplin und Durchhaltevermögen erlangt werden kann.“

Innovationen wie die Sprechprüfungen in den fortgeführten Fremdsprachen Englisch, Französisch, Spanisch seien keinesfalls mit einem Qualitätsverlust verbunden. Es mutet erstaunlich an, dass es Kritik daran gebe, dass auch das Sprechen beim Erlernen einer Sprache ein Qualitätsfaktor und Prüfungsgegenstand sei. Ähnliches gelte für die Präsentationsprüfung. „Das Erlernen und Anwenden einer anerkannten Vortragstechnik ist zeitgemäß“, sagt ein Ministeriumssprecher.

„Das war gehobenes Stresslevel“

Einer der rund 32.000 Abiturienten im Land, der gerade selbst erfahren hat, wie so ein Hochschulreife-Prüfung in Niedersachsen derzeit abläuft, ist Maximilian Altenburg-Herfurth aus Nordstemmen. Er hat im April 2018 am Hildesheimer Gymnasium Himmelsthür die Prüfungen bestanden – am Ende mit einem Notendurchschnitt von 2,2. „Das war schon ein gehobenes Stresslevel“, meint der 18-Jährige rückblickend, der die Fächer Deutsch, Chemie und Latein zu seinen Leistungskursen gewählt hatte.

Eine Alternativregelung zu den regulären Prüfungsbestimmungen kam Altenburg-Herfurth bei seinem Abitur sehr entgegen, erzählt er: „Da ich bei Jugend musiziert mitgemacht und als Schlagzeuger die erforderliche Punktzahl erreicht habe, konnte ich dort auch gleich eine Facharbeit einreichen und die dann an meinem Gymnasium als sogenannte besondere Lernleistung in die Abi-Note einbringen.“ Das gelte für alle großen vom niedersächsischen Kultusministerium anerkannten Schülerwettbewerbe, so Altenburg-Herfurth. „Das kann auch die Mathe- oder eine Spracholympiade sein.“

Der 18-Jährige, mittlerweile Auszubildender beim Veranstaltungstechniker Audio Coop, findet die Regelung lebensnah: „Man kann einen Teil der erforderlichen Leistungen mit etwas erbringen, für das man wirklich Interesse hat. Und das einem in der weiteren Ausbildung nach dem Abi auch was bringt.“

„Oberstufe ohne Englisch geht gar nicht“

Gar nicht lebensnah hingegen ist für Altenburg-Herfurth die Option, das Fach Englisch als Pflichtfremdsprache in der Oberstufe abzuwählen. „Wo wird denn heutzutage kein Englisch gesprochen? Das sind doch elementare Kenntnisse, die man täglich braucht, Englisch ist mittlerweile wie Deutsch, das kann man nicht mehr wie jede andere Fremdsprache behandeln, finde ich.“ Als angehender Veranstaltungstechniker brauche er das Gelernte ständig: „Ich muss mich mit Bands abstimmen, mit Musikern allgemein, mit anderen Technikern – oft nur auf Englisch."

Mechthild von Münchhausen, Sprecherin der Uni Hannover, verweist darauf, dass „für unsere naturwissenschaftlich/technischen Studiengänge Intensivkurse in Mathematik als Vorbereitung für das Studium notwendig sind“. Deswegen bietet die Hochschule wie auch andere Unis in Niedersachsen längst entsprechende Vorbereitungskurse an.

Von Saskia Döhner und Kathi Flau

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