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Der Norden Toms Tod bleibt ein Rätsel
Nachrichten Der Norden Toms Tod bleibt ein Rätsel
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07:45 03.11.2017
Kerzen stehen an der Brücke, an der Tom in einer Nacht im November 2014 starb. Quelle: dpa/Archiv
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Braunschweig

Diese Nacht im November 2014 hat alles verändert. Für die Familie Knorz aus Braunschweig ist seit dem Tod des 17-jährigen Tom nichts mehr wie es war und wird es auch nicht mehr werden. Kurz nach 4 Uhr in der Nacht zum 4. November wurde der schwer verletzte Junge mit nacktem Oberkörper unter der sogenannten Graffiti-Brücke in einem Braunschweiger Gewerbegebiet gefunden. Er starb wenig später in einer Klinik. Was genau passierte, ist bis heute nicht geklärt.

„Man lebt irgendwie weiter, aber das Leben geht nicht weiter“, sagt Toms Mutter Sibylle Knorz kurz vor dem dritten Todestag ihres Sohnes. Der Widerspruch ist für die Familie bittere Realität. In der Wohnung erinnern viele Fotos an den verstorbenen Sohn. Kerzen brennen. Sie müsse später noch arbeiten, aber bis dahin freue sie sich, über ihren Sohn zu reden. Es helfe ihr, offensiv mit ihrer Trauer umzugehen und zu reden. Die Arbeit später gebe dem Tag Struktur. „Da funktioniert man einfach“, sagt sie.

Schlimm sei der Schmerz immer. Aber in den letzten drei Monaten des Jahres noch ein wenig mehr. „Oktober, Geburtstag. November, Todestag. Dezember, Weihnachten“, fasst Knorz zusammen, deren Sohn in diesem Jahr 20 geworden wäre. Gerade erst hat sie mit der Polizei telefoniert. Der Unfall ist und bleibt allgegenwärtig. Und die vielen unbeantworteten Fragen auch. „Es gibt so viele Varianten, was passiert sein könnte. Aber alles ist schwammig und nichts passt zusammen.“

Tatsächlich lässt sich die Unfallnacht bis auf wenige Minuten rekonstruieren. Tom ist mit einem Freund in der Stadt unterwegs. Danach trinken sie in der Nähe von dessen Wohnung noch ein paar Bier. Nach drei Uhr trennen sich die beiden und Tom macht sich mit seinem roten Rennrad auf den Weg Hause, der ihn durch das Gewerbegebiet führt. Um 3.58 Uhr schreibt er noch eine SMS an seinen in Berlin lebenden Bruder. Sieben Minuten später findet ein Autofahrer den bewusstlosen Jungen mit nacktem Oberkörper auf der Fahrbahn liegend. Das Fahrrad steht wenige Meter entfernt mit abgesprungener Kette.

Ein Sturz von der Brücke oder Selbstmord werden früh ausgeschlossen. Aufgrund der Verletzungen am Oberkörper, gehen die Ermittler davon aus, dass der Junge von einen größeren Fahrzeug angefahren wurde. „In meinen fast 48 Dienstjahren ist das der mysteriöseste Fall“, sagt Braunschweigs Polizeisprecher Joachim Grande. In dem Gewerbegebiet sei auch zu der frühen Zeit schon viel los. Radfahrer und Lieferverkehr - fast 2000 Spuren ging die Sonderkommission nach. Antworten, die das Puzzle mit den fehlenden sieben Minuten zusammensetzen, bekamen sie nicht. „Auch wenn die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft seit Ende 2015 vorerst eingestellt sind, lässt der Fall keinen der involvierten Ermittler los“, sagt Grande.

Es gab vielleicht Zeugen, doch die reden nicht

Sieben Monate nach dem Unfall berichtet die ZDF-Sendung „Aktenzeichen XY ... ungelöst“. Im Fokus steht der 3.46 Uhr gemeldete Einbruchsversuch in ein Möbelhaus in Nähe. Vieles spreche aus Sicht der Polizei dafür, dass sich die Täter noch eine Zeit lang im angrenzenden Gebiet aufgehalten haben. Vielleicht haben sie Tom bei ihrer Flucht angefahren. Sibylle Knorz ist live im Fernsehstudio. Sie wendet sich an die Menschen, die an diesem Abend an der Brücke waren. Sie appelliert an deren Gewissen, um zumindest etwas Seelenfrieden für die Familie und vielleicht ja auch für die Verursacher zu bekommen. Die TV-Fahndung bringt zwar vielversprechende Hinweise aber keinen Durchbruch.

Immer wieder ist danach die Rede von einem möglichen Zeugen mit dem Namen „Eugen“. Ein Obdachloser, der an verschiedensten Orten in Deutschland stark alkoholisiert aufgegriffen wurde. „Dabei faselt er oft von einem Unfall in Braunschweig“, erklärt Polizeisprecher Grande. Mit den Ermittlern will er aber nicht sprechen. Müsse er nach deutschem Recht auch nicht. „Dennoch hoffen wir, dass wir irgendwann etwas von ihm erfahren“, sagt Grande. Ganz aktuell geht die Polizei neuen Hinweisen nach. „Es wurden Personen benannt, die eventuell etwas zu dem Fall sagen können“, berichtet Grande. Die Hinweisgeber würden nun zunächst als Zeugen vorgeladen. „Der Fall lässt uns keine Ruhe, wir können ihn jederzeit wieder neu aufrollen.“

Für die Eltern würde die Aufklärung zumindest etwas helfen. „Das Leben ist zwar kaputt, und das bleibt es auch“, sagt die Mutter. Dennoch würde Gewissheit guttun. Gerade am Todestag, dem 4. November, ist den Eltern das Andenken an Tom wichtig. Dann packen sie eine Kleinigkeit zu Essen und Trinken ein und gehen an den Ort des Geschehens. Dort verbringen sie den Tag und sprechen mit Freunden. „Das ist dann auch für mich sehr wichtig“, sagt Vater Torsten Knorz, der ansonsten eher ruhiger und weniger offen als seine Frau trauert. Die beiden haben einen Weg gefunden, mit der unterschiedlichen Art zu Trauern, umzugehen. Das gelte auch für die beiden älteren Brüder von Tom. Ein gemeinsamer Urlaub auf dem Franziskusweg in Italien im Sommer nach dem Unfall habe der Familie gut getan.

„Wenn ich nicht spreche, fühle ich mich wie eine Sektflasche. Der Druck wird immer größer, ich drohe zu platzen“, beschreibt Sibylle Knorz. Seit September leite sie gemeinsam mit einer Freundin eine Selbsthilfegruppe mit unglaublich großer Resonanz. Außerdem nimmt sie Klavierunterricht. „Ich suche mir ein paar Dinge, die etwas Kraft spenden. Mehr nicht. Meinen Sohn bringt mir das nicht wieder.“

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