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Geduld statt Abenteuer: Uni-Workshop für Hobby-Archäologen

Hochschulen Geduld statt Abenteuer: Uni-Workshop für Hobby-Archäologen

Bei Archäologie denken viele an verwegene Schatzsucher aus Hollywoodfilmen. Der Alltag sieht jedoch viel unspektakulärer aus, wie Hobby-Archäologen bei einem Workshop an der Uni Bamberg lernen.

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Hobby-Archäologen untersuchen eine Ofenkachel, die auf der Burg Lisberg gefunden wurde. Das Wappen ist der Familie Seckendorf zuzuordnen.

Quelle: David Ebener

Bamberg. Auf großen Tischen liegen die wichtigsten Utensilien bereit: Bleistifte, Messschieber, Plastiktütchen. Und natürlich die Untersuchungsgegenstände: Scherben, teils mehrere Jahrhunderte alt. Zwei Wochen lang dürfen Laien an der Universität Bamberg in die Welt der Archäologie eintauchen. Und schnell wird klar: Mit Szenen aus Abenteuerfilmen, in denen verwegene Helden unter etlichen Gefahren versunkene Schätze bergen, hat Archäologie nichts zu tun. "Das ist Legendenbildung", sagt die Grabungsingenieurin und Kursleiterin Britta Ziegler. In der wissenschaftlichen Archäologie gehe es um "Genauigkeit und Geduld".

Im vergangenen Jahr hat der Bamberger Lehrstuhl für Archäologie des Mittelalters und der Neuzeit die

Archäologische Akademie ins Leben gerufen, bei der interessierte Laien und Studenten in Workshops gemeinsam forschen können. Der aktuelle Kurs inventarisiert Funde, die Burgbesitzer Hans Fischer auf der mittelalterlichen

Burg Lisberg im Landkreis Bamberg im Zuge von Sanierungsarbeiten gemacht hat und die Zeugnis geben vom Leben in früheren Jahrhunderten.

 

Die Funde werden gereinigt, mit Nummern versehen, vermessen, aufgezeichnet, fotografiert und genau beschrieben. Wenn Scherben zusammenpassen, werden sie zu Gefäßen geklebt. Die Hobby-Archäologen und Studenten, die in der Akademie zusammenarbeiten, sitzen konzentriert über den Funden, sie messen und zeichnen. "Und alles wird dann penibel in eine Datenbank eingetragen", sagt Ziegler. "Wir vermitteln wissenschaftliche Verfahrenweisen." Ohne Dokumentation sei der einzelne Fund bedeutungslos. "Nicht alleine der Fund zählt, sondern der Zusammenhang."

Sensationsfunde sind bislang nicht dabei gewesen in den Kisten, in denen Burgherr Fischer die Scherben gesammelt hat. "Das ist das übliche Fundrepertoire einer fränkischen Burg", sagt Ziegler. Meist handelt es sich um Koch- und Essgeschirr aus dem 13./14. Jahrhundert bis zum 19. Jahrhundert. Auffällig jedoch ist eine Ofenkachel, die ein Wappen zeigt, das der Familie Seckendorf zuzuordnen ist. Und tatsächlich heiratete eine Anna von Seckendorf im Jahr 1501 auf Burg Lisberg ein. Ob die Kachel schon damals aus Repräsentationsgründen angebracht wurde oder erst später als Erinnerung an eine Vorfahrin, müsse noch geklärt werden, erläutert Ziegler.

Es sind Geschichten wie diese, die Gudrun Schell an der Archäologie interessieren. Die 59 Jahre alte Bambergerin hat viele Bücher zum Thema gelesen. "Dass die Nachbearbeitung und Dokumentation der Funde einen so breiten Raum einnimmt, das stellt man sich jedoch kaum so vor", sagt sie. Dennoch sei es faszinierend, sich vorzustellen, wie aus dem Gefäß im 15. Jahrhundert Menschen gegessen oder getrunken haben. Schell hat auch bereits an einem Seminar teilgenommen, bei dem Knochen eines ehemaligen Friedhofs in Forchheim inventarisiert wurden. Dabei sei ihr aufgefallen, in welch schlechtem Zustand die Zähne der Menschen gewesen waren und welche Schmerzen sie deshalb gehabt haben mussten: "Man bekommt Einblicke in das Leben der Menschen früher."

Mit der Öffnung der Seminare für Laien verspricht sich der Lehrstuhl ein breiteres Interesse an der Archäologie. Und Studenten könnten direkt mit Interessierten in Kontakt kommen, sagt Ziegler.

Auch das Bayerische Landesamt für Denkmalpflege setzt auf die Einbindung von Ehrenamtlichen. Ihr Einsatz habe in der heimischen Archäologie und Bodendenkmalpflege eine lange Tradition, heißt es bei der Behörde. Für Beratung und Betreuung ehrenamtlicher Projekte stehen eigens zwei Referenten zur Verfügung.

Die Uni Bamberg lädt Hobby-Archäologen demnächst zu einer Feldbegehung in den Steigerwald ein, um die Nutzung der dortigen Felder vom Mittelalter bis ins 20. Jahrhundert zu erforschen.

dpa

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