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Wie werde ich...? Wasserschutzpolizist/in

Arbeit Wie werde ich...? Wasserschutzpolizist/in

Wasserschutzpolizisten arbeiten zu Land und zu Wasser. Wer den Beruf ausüben möchte, muss zunächst Polizist werden. Unterschiede gibt es dabei von Bundesland zu Bundesland - und die betreffen nicht nur die Ausbildung.

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Schluss für heute: Polizeioberkommissar Stefan Yongsing-Yü (l) und Polizeihauptkommissar Detlef Lemke machen Feierabend.

Quelle: Klaus-Dietmar Gabbert

Berlin. Es ist kein gewöhnlicher Samstagnachmittag auf der Dienststelle der Wasserschutzpolizei in Berlin-Treptow. Das Telefon klingelt unentwegt. Am Vormittag hat ein Spaziergänger am Spreeufer eine Frauenleiche entdeckt.

"Die Kollegen sind schon vor Ort und haben den Uferbereich auf dem Wasser abgesperrt", sagt Polizeioberkommissar Stefan Yongsing-Yü. Die Mordkommission ermittelt, Spuren werden gesichert. Die Polizei geht von einem Gewaltverbrechen aus.

Yongsing-Yü und seine Kollegen sorgen an und auf den Gewässern Berlins für Ordnung: Sie bekämpfen Kriminalität, verfolgen Umweltdelikte oder überwachen den Schiffsverkehr. Ursprünglich hatten sie für heute eine Geschwindigkeitskontrolle geplant - die fällt nun ins Wasser. Yongsing-Yü greift sich die Mütze mit der goldenen Kordel und läuft zum Steg. Kurz darauf gleiten er und sein Kollege Hauptkommissar Detlef Lemke mit ihrem Polizeiboot über die Spree.

Mit Ausnahme von Thüringen unterhält jedes Bundesland eine eigene

Wasserschutzpolizei. Ihre Aufgaben sind unterschiedlich. "Jedes Land hat andere Zuständigkeiten", sagt Frank Riebow. Er ist Vorsitzender des Fachbereichs Wasserschutzpolizei der Deutschen Polizeigewerkschaft (DPolG) in Hamburg. Die Hamburger Wasserschutzpolizei ist beispielsweise auch die Umweltpolizei - und das im gesamten Stadtgebiet.

Die Segler auf der Spree haben gute Laune. Ob Touristen, Sportler oder Hausbootbesitzer: viele winken den Wasserschutzpolizisten zu. Yongsing-Yü grüßt zurück. "Die Leute begegnen uns grundsätzlich freundlich", sagt der 49-Jährige.

Wasserschutzpolizisten arbeiten nicht nur auf dem Wasser. "Wir haben viele Uferwege, die wir mit dem Fahrrad abfahren", sagt der Polizeioberkommissar. Auf dem Wasser passiere im Prinzip das Gleiche wie auf den Straßen. "Wir haben den Freizeitverkehr, Berufsverkehr und Ausflugsdampfer. Vergleichen lässt sich das mit PKW, LKW und Bussen." Falsch parken sei auf dem Wasser das falsche Festmachen eines Bootes, zum Beispiel an einer Rettungsleiter.

Yongsing-Yü hat zunächst eine Ausbildung bei der Polizei absolviert. Das war 1984. Wie viele junge Polizisten leistete er nach der Ausbildung seinen Dienst bei der Bereitschaftspolizei, später dann bei der Einsatzhundertschaft. "1998 war ich für sieben Monate in Bosnien, da hat Berlin Beamte zur Unterstützung einer UN Mission abgestellt", sagt er. Als er zurückkam, suchte er nach Veränderung.

Als Polizist in Berlin musste Yongsing-Yü warten, bis die Polizei eine Stelle ausschreibt. In Hamburg können Bewerber ihre Laufbahn direkt bei der Wasserschutzpolizei beginnen. "Idealerweise bringen sie eine maritime Vorbildung mit", sagt Riebow.

Wer in seinem Bundesland zur Wasserschutzpolizei gehen möchte, muss erst Polizist werden und sich im Anschluss entsprechend weiterbilden. "Fast alle, die zur Wasserschutzpolizei wechseln, waren zuvor Angehörige der Schutzpolizei und sind insofern ausgebildete Polizisten", sagt Hermann Martin. Er ist Leiter der Wasserschutzpolizeischule in Hamburg.

Die Beamten werden in ihren Ländern vorbereitet und dann an die Wasserschutzpolizeischule nach Hamburg geschickt. "Hier werden ihnen in verschiedenen Lehrgängen die Grundlagen vermittelt", erklärt Polizeisprecher Holger Vehren in Hamburg. Der Lehrgang dauert drei Monate und beinhaltet Themen wie Schifffahrtsrecht oder -technik.

Bundesweit gibt es bei der Wasserschutzpolizei rund 2800 Beschäftigte. Dabei ist allein die Ausbildung zum Polizisten schon hart. "Am Ende wird bei der Polizei nur jeder zehnte Bewerber genommen", sagt Riebow von der Polizeigewerkschaft. Ob Hauptschulabschluss, mittlere Reife, Fachhochschulreife oder Abitur - für jeden Schulabschluss gibt es eine Laufbahn.

Unterschiede gibt es bei den Gehältern je nach Bundesland. "Selbst wenn sie den gleichen Dienstgrad haben, bekommt der Polizeioberkommissar in Bayern nicht das gleiche Gehalt wie sein Kollege in Mecklenburg-Vorpommern", erklärt Riebow. Nach dem

Besoldungsreport 2015 des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) erhält ein Polizeikommissar in Bayern rund 39 634 Euro, in Mecklenburg-Vorpommern 38 841 Euro und in Berlin 35 882 Euro. Dabei handelt es sich um die Summe aus dem jährlichem Grundgehalt, Stellenzulage und etwaiger Einmal- und Sonderzahlungen wie dem Weihnachts- und Urlaubsgeld.

Yongsing-Yü und sein Kollege fahren zurück zur Dienststelle, als plötzlich dunkle Gewitterwolken am Himmel aufziehen. Es beginnt zu regnen, der Wind wird stärker. "Wir müssen schauen, dass keiner mehr auf dem Wasser ist", sagt Yongsing-Yü. Er befürchtet, dass einige es nicht ans Ufer schaffen. Nach einiger Zeit entdecken sie zwei Sportler, die versuchen, ans Ufer zu gelangen. Der Polizeioberkommissar und sein Kollege geleiten die beiden sicher an Land. Die Wasserschutzpolizei - dein Freund und Helfer (

www.wasserschutzpolizei.de;

www.dgb.de).

dpa

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