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Mit anderen Augen radeln: Mit Sehbehinderten auf Tandemtour

Tourismus Mit anderen Augen radeln: Mit Sehbehinderten auf Tandemtour

"Eins, zwei, los!" Klingt einfach, doch das erste gemeinsame Anfahren auf dem Tandem ist wackelig. "Kein Problem", sagt Barbara hinter mir, "wir sitzen doch".

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Immer in Funkweite: Rund 30 Tandems finden auf dem Anhänger des Begleitfahrzeugs der Johanniter Platz - falls mal was kaputt geht.

Quelle: Deike Uhtenwoldt

Hamburg. Sitzen und treten, ganz normal. Und doch anders: Das Tandem ist 2,30 Meter lang - zwei Sattel, zwei Lenker - den vorderen halte ich. Zum ersten Mal, was ich gleich in der ersten Kurve belege: Ich wähle den Radius zu eng - das lange Rad vibriert unter uns. Der Anfang einer Zitterpartie?

"Tut mir leid", sage ich und meine es so: Barbara vertraut mir beinahe blind - sie ist sehbehindert. Dabei hat Ulli, der eigentlich Ernst-Ullrich Staniullo heißt, uns erst vor einer Stunde zum Gespann gemacht. Er ist Tourenwart der

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Wiesen und Felder: Auf ruhigen Wegen radelt die Gruppe der Weißen Speiche rund um die Metropole Hamburg.

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Weißen Speiche. "Ich mag die Bewegung an der frischen Luft und die Kommunikation zwischen Sehenden und Sehbehinderten." Ulli hat den Grauen Star und kann nur noch schemenhaft sehen. Das hindert den 69-Jährigen nicht, immer wieder Teams zusammenzustellen, die sich kennenlernen, austauschen und ergänzen sollen.

 

Wir fahren gut 30 Kilometer von Norderstedt nach Pinneberg, zwei Vorstädte in der Metropolregion Hamburg. Allerdings nehmen wir nicht den direkten Weg, wie Tourenleiterin Hella Kurznack erklärt. "Wir wollen ja nicht Straße fahren." Zusammen mit ihrem erblindeten Mann Klaus hat sie die Tour geplant. Zunächst am Rechner, dann mit dem Tandem vor Ort, um die besten Wege auszumachen. "Unsere erste Strecke war zu lang, jetzt sind es nur noch 70 Kilometer", verrät Klaus.

Hella führt uns durch den Norderstedter Stadtpark über eine Heidelandschaft in einen Forst. "Jetzt ist tiefe Dunkelheit, ich sehe nichts mehr", sagt Barbara, als wir im Wald ankommen. Die 59-Jährige leidet an "Retinitis pigmentosa", einer Netzhauterkrankung, die das Sehfeld immer weiter einengt. Wir fahren durchs Moor und an Bauernhöfen vorbei, bis wir Rast auf einem Waldspielplatz machen.

Barbara freut sich über unsere Fortschritte auf dem Tandem. "Jetzt klappt es doch wie am Schnürchen", lobt sie, als wir nach der Pause per "Eins, zwei, los!" aufsatteln. Das proben wir noch ein paar Mal - zum Beispiel nachdem ein Tandem ausgetauscht werden muss. Ein Transportfahrzeug begleitet uns in Funkweite: Auf seinem Anhänger haben gut 30 Tandems Platz, im Wagen auch müde oder verletzte Radler.

Ich habe an diesem Tag neben der neuen Sichtweise auf die Landschaft auch etwas fürs Leben mitgenommen. Von Barbara: "Ich habe mir im Laufe der Jahre angewöhnt, nicht immer nur auf das zu achten, was ich nicht mehr kann, sondern mehr auf das, was ich noch kann - und dafür dankbar zu sein."

dpa

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