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Eine Lust, ein Trend, ein Boom? Es wird wieder gewandert

Tourismus Eine Lust, ein Trend, ein Boom? Es wird wieder gewandert

Das verstaubte Image ist passé. Wandern - das heißt nicht mehr, dass man mit kariertem Hemd, Stock und Seppl-Hut durch den Wald spaziert. Spätestens seit Manuel Andracks Wandertipps und Hape Kerkelings Pilger-Bestseller "Ich bin dann mal weg" gilt Wandern in Deutschland als trendy.

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Wanderungen im Grünen bieten einen willkommenen Ausgleich zum Alltag.

Quelle: Angelika Warmuth

Paderborn. "Nach jahrzehntelangem Dornröschenschlaf erlebt der Wandermarkt eine neue Gründerzeit", jubelt zum Beispiel das

Deutsche Wanderinstitut. Für Manuel Andrack, Autor ("Das neue Wandern"), Wanderpromi und Eifel-Freak, gibt es keinen Zweifel: "Wandern boomt", sagt er. "War ich vor zehn Jahren unterwegs, habe ich ausschließlich Rotsocken auf den Wanderwegen gesehen. Heute sind es dagegen zahlreiche junge Familien und Paare."

 

Die klassifizierten Premiumwege wie der Eifel- oder der Saar-Hunsrück-Steig sind laut Andrack der absolute Renner. Sie zögen die Wanderer an, sie machten eine Region zudem für diese Zielgruppe populär. "Es sind die neuen Wanderer um die 40 oder 50, die lange verloren waren und nun wieder dabei sind."

Schon 2010 sprach der Deutsche Wanderverband von fast 40 Millionen aktiven Wanderern über 16 Jahren, das waren damals 56 Prozent der Bevölkerung. Vier Jahre später liegt die Zahl in einer weiteren Studie mit Beteiligung des Verbands bereits bei 69 Prozent.

Aber profitieren die Wandervereine tatsächlich von dem verbesserten Image? Wenn, dann nicht direkt, lautet die Antwort vor dem 115. Deutschen Wandertag in dieser Woche in Paderborn. Deutsche Wandervereine hätten zwar noch rund 600 000 Mitglieder. Doch nach Angaben von Ute Dicks, der Geschäftsführerin des Dachverbandes, beklagen die Vereine seit Jahren leicht sinkende Mitgliederzahlen.

"Wandern ist zwar definitiv ein Trend", heißt es auch beim Sauerländischen Gebirgsverein in Arnsberg. "Aber die Vereine partizipieren nicht, die Zahlen sinken oder sie stagnieren."

Passend dazu zeigt eine EU-Studie ("Eurobarometer zu Sport und körperlicher Betätigung"), dass die Menschen in Europa immer seltener Vereine aufsuchen, um Sport zu machen. 2009 gaben noch 67 Prozent an, sich spontan und eben nicht als Mitglied in einem Verein oder Club fit zu halten. 2013 waren das bereits 74 Prozent der Europäer.

Ein weiteres Problem der Wandervereine: Sie kümmern sich vor allem um die Pflege der Wege. Und sie erledigen all das im Ehrenamt. Während andere Vereine wie der Deutsche Alpenverein oder das Jugendherbergswerk an die Mitgliedschaft stets auch eine Leistung knüpfen und so mehr Mitglieder werben können, nutzen Millionen Wanderer die markierten und gepflegten Wege im Grünen - einen Beitrag zahlen sie aber nicht.

Prof. Ulrich Reinhardt von der Hamburger Stiftung für Zukunftsfragen hält den Begriff "Boom" beim Wandern zwar für zu hoch gegriffen. Das Wandern hätten aber gerade junge Menschen für sich entdeckt. "Wandern ist ein Trend. Das ist klar. Jeder Vierte wandert im Urlaub. Bei den Älteren ist es sogar jeder Dritte." 2013 haben nach seinen Zahlen 40 Prozent angegeben, einmal im Jahr zu wandern, 15 Prozent monatlich und 20 Prozent jede Woche. "Vor allem die Seltenwanderer werden mehr, der Anteil der regelmäßigen sowie gelegentlichen Wanderer ist gleich geblieben", heißt es in der Studie

"Der Deutsche Wandermarkt 2014".

 

Auslöser für die steigende Lust am Wandern war nach Reinhardts Meinung das Hape-Kerkeling-Buch "Ich bin dann mal weg". Selbstfindung, Ruhe und Kontrast zum stressigen Alltag zählt er zu den Motiven. "Quasi als Gegenpol zu sozialen Medien wie Facebook", sagt der Professor. Das gelte besonders für Jugendliche und junge Erwachsene.

"Es gibt keinen neuen Wanderboom, erst recht nicht bei jungen Menschen", behauptet dagegen

Rainer Brämer, Ehrenpräsident des Deutschen Wanderinstituts. Im Gegenteil: Brämer sieht seit Mitte des vergangenen Jahrzehnts sogar einen leicht rückläufigen Trend.

 

Brämer bezieht sich auf verschiedene Studien zum Freizeitverhalten, darunter auch die Verbrauchs- und Medienanalyse 2014 (VuMA), die unter anderem von den öffentlich-rechtlichen Fernsehanstalten in Deutschland und anderen Medienanbietern in Auftrag gegeben wird. Wanderfreund Andrack kann das wiederum nicht nachvollziehen - und nennt Brämers Aussage "ausgemachten Blödsinn".

dpa

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