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Lidl will gefährliche Chemikalien aus Textilien verbannen

Mode Lidl will gefährliche Chemikalien aus Textilien verbannen

Als erster Lebensmittel-Discounter folgt Lidl der Aufforderung von Greenpeace. Lidl will T-Shirts, Unterwäsche und Handtücher künftig frei von schädlichen Chemikalien halten.

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Lidl will bis zum Jahr 2020 alle umwelt- und gesundheitsgefährlichen Chemikalien aus der Textilproduktion seiner Eigenmarken verbannen.

Quelle: Jens Kalaene

Neckarsulm. Bis die Textilien giftfrei sind, wird es aber noch einige Jahre dauern.

Lidl will Textilien seiner Eigenmarken bis 2020 ohne umwelt- und gesundheitsgefährliche Chemikalien produzieren lassen. Der Discounter hat dazu eine entsprechende Verpflichtung mit der Umweltorganisation Greenpeace unterschrieben, wie Deutschlands zweitgrößter Discounter am Mittwoch (10. Dezember) in Neckarsulm

mitteilte.

 

Lidl reagiert damit auf die Kritik von Greenpeace. Die Organisation hatte jüngst Kinderkleidung und Kinderschuhe verschiedener Discounter auf gefährliche Chemikalien getestet. Lidl hatte nicht nur in dem Test schlecht abgeschnitten. In einem Discounter-Einkaufsratgeber

prangerte Greenpeace auch Schwächen bei Rohstoffeinsatz, Wiederverwertbarkeit der Kleidung und Sozialstandards in der Produktion an.

 

Lidl ist nicht die erste Firma, aber der erste Lebensmittel-Discounter, der der Aufforderung von Greenpeace nachkommt. 21 Modeunternehmen, darunter Zara, H&M, Adidas oder Puma sowie sechs italienische Zulieferer haben sich bereits verpflichtet, bis 2020 ohne giftige Chemikalien auszukommen. Auch der Kaffee- und Gemischtwarenhändler Tchibo arbeitet mit Greenpeace zusammen und hatte jüngst sogar ein Rücknahme- und Recycling-Programm angekündigt.

Lidl mache einen gewaltigen ersten Schritt nach vorne, lobte Manfred Santen, Chemie-Experte von Greenpeace. "Nun müssen Aldi, Penny, Tesco, Carrefour und Wal-Mart nachziehen."

Aldi Süd erklärte auf Anfrage, das Thema Schadstoffbelastung von Textilien und Schuhen sei für den Discounter "überaus wichtig". Das Unternehmen beziehe deshalb auch die Anregungen von Greenpeace bezüglich der Umweltanforderungen für Fertigungsprozesse in die Weiterentwicklung seines Sortiments ein. Vor einer Selbstverpflichtung sei für Aldi aber die Überprüfbarkeit der Umsetzung wichtig. Angesichts des sehr umfangreichen Kriterienkataloges von Greenpeace sei diese jedoch aktuell entlang der gesamten Lieferkette noch nicht gegeben.

Der Discounter Penny teilte mit: "Wir führen im Moment sehr intensive Gespräche mit Greenpeace." Fachleute des Mutterkonzerns Rewe-Group seien vor Ort in Asien mit dem Ziel, die Grundlage für eine gegenüber Greenpeace bereits angekündigte Selbstverpflichtung zu legen.

Textilien sind ein kleiner, aber nicht unwichtiger Anteil in den Umsätzen von Discountern. Greenpeace zufolge macht Lidl allein mit Kleidung einen Jahresumsatz von einer Milliarde Euro. Eine Sprecherin des Discounters wollte die Zahl nicht bestätigen. Im Geschäftsjahr 2013/2014 lagen die Umsätze von Lidl europaweit bei 54 Milliarden Euro, in Deutschland waren es 18 Milliarden Euro.

Lidls Zeitplan sieht vor, dass bis Ende Juni 2016 alle verkauften Textilien frei von gefährlichen Schadstoffen wie Alkylphenolethoxylaten (APEOs) sind. Sie werden in der Textilindustrie zum Waschen und Färben verwendet. Aus ihnen entstehen im Abwasser Alkylphenole, die Wassertiere wie Fische und Schnecken in Flüssen und Seen schädigen, so Greenpeace. In Reinigungsmitteln seien diese Stoffe in Europa deshalb bereits teilweise verboten, erklärte die Umweltschutzorganisation. 80 Prozent der Lieferanten von Lidl sollen zudem bis Ende 2015 Daten über ihre Abwässer offenlegen.

Bis Juli 2017 sollen bei Lidl außerdem sogenannte per- und polyfluorierte Chemikalien aus der Produktion verschwinden. Sie können nach Darstellung von Greenpeace Einfluss auf Immunsystem und die Fortpflanzung von Menschen haben, die damit direkt arbeiten. Ob diese Chemikalien in höheren Konzentrationen auch für Menschen schädlich sind, die die Kleidung tragen, sei nicht endgültig geklärt, sagte Greenpeace-Experte Santen. Die Chemikalien seien aber sehr langlebig und verteilten sich weiter in der Natur - die Folgen seien nicht absehbar.

Nach Einschätzung von "Ökotest"-Chefredakteur Jürgen Stellpflug ist die Verbannung bestimmter Chemikalien aus dem Produktionsprozess nur ein erster Schritt. Die Frage sei, was als Ersatz verwendet werde und was an anderen problematischen Stoffen in den Textilien nachweisbar sei, die auch schädlich für den Menschen sein könnten. Ökotest hatte zuletzt erneut Schadstoffe in Kinderregenjacken nachgewiesen, die auch krebserregend sein können. Auch Greenpeace-Experte Santen sieht die Aktion erst als Anfang. Die aktuelle Detox-Kampagne von Greenpeace umfasst bislang elf Chemikalien.

dpa

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