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Hippie, heiter, Handwerk: Mode in unruhigen Zeiten

Mode Hippie, heiter, Handwerk: Mode in unruhigen Zeiten

Wie kann man heute noch Kleidung verkaufen? Bei den Schauen für Frühjahr/Sommer 2015 stellt globale Krisenstimmung die Mode infrage. Und die Laufstege liefern Antworten.

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Durch Individualismus punktet Odeeh aus Deutschland.

Quelle: Sabrina Theissen

Paris. Ein "nagendes Gefühl des Unbehagens" meinte Vanessa Friedman während der Pariser Modenschauen für Frühjahr/Sommer 2015 zu spüren. Die Star-Kritikerin der New York Times bezog sich dabei auf Berichte über angeblich aufgedeckte islamistische Terroranschläge auf die Pariser Metro. Kurz zuvor hatte Marc Jacobs in New York eine sich ausgerechnet am Thema Uniform abarbeitende Kollektion gezeigt - in irritierender zeitlicher Nähe zu Obamas Rede über einen neuen Kampfeinsatz gegen die Terrormiliz IS. Auch das als Laufsteg-Demo inszenierte Schlussbild der Chanel-Schau wirkte nach den Straßenprotesten in Hongkong auf einige befremdlich.

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Marc Jacobs brachte für den kommenden Frühling eine Kollektion zum Thema Uniform auf die Modeschauen - für einige angesichts der politischen Situation befremdlich.

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Die Frage, wie man in unruhigen Zeiten noch Mode verkaufen kann, schwebte wie ein Damoklesschwert über allen. Doch gerade Marc Jacobs zeigte, wohin sich die Mode in der nächsten Saison retten könnte. In den Versuch, einen eher unauffälligen Look mit handwerklichen Details aufzupeppen - zwischen dem Antimode-Trend "Normcore" und erlesener Couture einen Kompromiss zu finden. Und einen neuen Individualismus jenseits schnelllebiger Trends zu definieren.

So sieht das in der kommenden Saison aus:

 

Denimblau ist das neue Schwarz. Jeansstoffe sind der wohl stärkste Trend der kommenden Saison - ob elegant und cool wie bei Christophe Lemaire oder lässig und weich wie bei Chloé. "Mir gefiel die Idee von Denim", sagte Chloé-Designerin Claire Waight-Keller, "dass man ihn roh oder gewaschen tragen kann, und er zu etwas Persönlichem wird."

 

 

Handwerk und individuelle Elemente: Viele Entwürfe sahen aus wie selbstbestickt, verziert oder geklöppelt. Die organischen Ripp-Strickkleider bei Stella McCartney in Paris, die kunstvoll zusammengeschneiderten Kleider mit offenen Kanten bei

Prada in Mailand sowie der neue Hype um Rodartes künstlerischen "Handmade"-Stil in New York zeugten hiervon.

 

 

Vintage: Dinge, die aussehen wie alte Lieblingsstücke. Miuccia Prada hatte für ihre Kollektion sogar Brokatstoffe vom 19. Jahrhundert bis in die 1960er Jahre nachweben lassen.

 

 

Mädchenhaftes: Bei Rodolfo Paglialungas Schau für Jil Sander wirkten die Models wie College-Studentinnen, bei Valli (der Zweitkollektion von Giambattista Valli) wie Tanzstundenschülerinnen. Die Mode sucht ihre "verlorene Unschuld".

 

 

Love & Peace: Anklänge an die 1970er Jahren mit Schlaghosen und folkloristischen Hippie-Entwürfen wie bei Etro. Bei Dries van Noten erinnerten die Models an Blumenkinder, die von einer friedlichen Welt künden. Mode wird zum Sehnsuchtsort.

 

 

Helles und Heiteres: Ein Gegenentwurf zu düsteren Polit-Szenarien. Akris oder Dior zeigten zahlreiche Entwürfe in hellen freundlichen Farben - sanfte, fast schwebende Kleider.

 

Vielleicht kann die Mode sogar angesichts dieser Optionen zu einer Art Gegengift für das Krisengefühl werden und damit die Frage nach dem "Warum noch Mode?" leicht beantworten. "Etwas, was einem gut tut, ist nicht überflüssig", sagt zum Beispiel Jörg Ehrlich, einer der beiden Modemacher der deutschen Marke

Odeeh. In Paris hatte Odeeh mit einer Kollektion gepunktet, die Individualismus, Heiteres und Handwerkskunst perfekt vereinte.

 

"Wir sollten einem kritischen, vielleicht verunsicherten Verbraucher mit Intelligenz begegnen", meint Ehrlich. "Mit Bodenständigkeit und einem zeitgemäßen Marketing, bei dem Luxus nicht als hirnlos, trendig und "Must Have" verkauft wird, sondern als etwas, was bereichert, Spaß machen soll und auch Unsicherheit und den Alltag relativieren darf."

dpa

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