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Aston Martin Lagonda: Ein Oldtimer für Captain Future

Verkehr Aston Martin Lagonda: Ein Oldtimer für Captain Future

Als Telefone noch Wählscheiben hatten und man Bildschirme nur aus dem Fernsehzimmer kannte, wartete der Aston Martin Lagonda mit einem Cockpit wie in einer Raumfähre auf.

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Der Aston Martin Lagonda mag zwar aussehen wie von einem anderen Stern - in diesem 1982er Exemplar steckt ein irdischer Antrieb: ein Achtzylindermotor mit 5,3 Litern Hubraum.

Quelle: Thomas Geiger

Berlin. Das Luxusauto erlebt gerade ein zaghaftes Comeback.

Einen Rolls-Royce hat jeder, und sogar ein Bugatti kann hier niemanden beeindrucken: Wer als Ölscheich etwas auf sich hält, braucht ein besonderes Auto. Etwa einen Lagonda, den Aston Martin zurückbringt. In Kleinserie von Hand hergestellt und vorerst nur in den Emiraten zu haben, wird dieser Wagen nicht nur zu den exklusivsten Luxuslinern der Welt zählen. Durch sein eigenwilliges Design mit monströsem Kühlergrill, endlos langer Motorhaube, flachem Dach über vier kurzen Türen und einem Stummelheck dürfte er auch die exotischste Limousine vor den Sieben-Sterne-Hotels am Golf werden. Das alles hat bei Lagonda eine gewisse Tradition.

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Aston Martin Lagonda damals und heute: Diese Luxuslimousinen sind alles andere als gewöhnlich, die Neuauflage (r) soll ab 2015 in Kleinserie gebaut werden.

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Seit die 1900 von Wilbur Gunn gegründete Marke in den 1950ern unter die Fittiche von Aston Martin genommen wurde, gab sie schon einmal das Enfant terrible aus England: mit der Premiere der letzten Lagonda-Limousine. Als diese 1976 auf der London Motor Show enthüllt wurde, wirkte der Viertürer wie ein UFO. So scharf und kantig, wie Designer William Towns das Blech gefaltet hatte, war in der Zeit barock gerundeter Modelle von Rolls-Royce, Bentley oder Jaguar bis dato noch keine Karosserie geformt. Ganz zu schweigen von den ungewöhnlichen Proportionen und der Batterie aus Scheinwerfern.

Mit Funktion hatte diese Form wenig zu tun: Schon in der ersten Reihe geht es auf den riesigen Ledersesseln sehr eng zu, der Fond ist für eine Limousine von 5,30 Metern Länge eine Frechheit und lässt sich nicht einmal lüften. Und in den Kofferraum passt nicht viel mehr als zwei Reisetaschen und der in England unverzichtbare Regenschirm.

So futuristisch die Formensprache, so zukunftsweisend war auch das Bedienkonzept des Lagonda. Denn in Zeiten, als Telefone noch Wählscheiben hatten, wurden in seinem Cockpit die meisten Funktionen schon per Sensortasten gesteuert. Statt gewöhnlicher Rundinstrumente gab es Digitalanzeigen und später sogar richtige Monitore. Wichtige Infos wurden auf Knopfdruck von einer Computerstimme verlesen.

Wenn man das futuristische Lenkrad in die Hände nimmt und vor einem das Bedienpanel aufleuchtet, fühlt man sich wie im Schnellen Raumkreuzer Orion aus der legendären Raumpatrouille und wartet förmlich auf den Start des Hyperantriebs. Dabei hat der Lagonda einen ausgesprochen irdischen Motor unter der flachen Haube: einen Achtzylinder, der aus 5,3 Litern Hubraum rund 221 kW/300 PS schöpft.

Dennoch dürften sich Lagonda-Fahrer einst wie in einer Rakete gefühlt haben: Die Limousine war mit 230 km/h Spitze eine der schnellsten ihrer Zeit. Und sie war eine der teuersten: Bis an die 300 000 D-Mark kletterte der Preis in Deutschland über die einzelnen Modelljahre.

Das schräge Design und die exklusive Preisposition sind nicht die einzigen Parallelen zwischen dem Lagonda von 1976 und dem für 2015. Auch die wirtschaftliche Situation des Herstellers ist vergleichbar. Denn als Aston Martin 1976 das Modell enthüllte, war die Firma nahe an der Pleite und musste sich mit den Anzahlungen der Lagonda-Kunden für die damals teuerste Limousine der Welt über Wasser halten. Auch heute steht sie seit dem Austritt aus der Ford-Familie nicht gerade glänzend da. Durch eine Partnerschaft mit Mercedes-AMG soll sich das wieder ändern - bis dahin kommt der Lagonda als luxuriöser Lückenfüller gerade recht.

Wer auf ausgefallene Autos steht, aber weder Ölscheich ist noch das nötige Kleingeld für den neuen Lagonda hat, dem seien die Gebrauchtwagenportale im Internet und eine Handvoll Oldtimer-Händler empfohlen, um ein altes Exemplar zu ergattern. Denn obwohl bis 1990 nur 645 Exemplare der kantigen Kuriosität gebaut wurden, haben offenbar viele davon überlebt und werden immer mal wieder gehandelt. Und zwar recht günstig: Während der Lagonda für das neue Jahrtausend angeblich mindestens eine halbe Million Euro kosten soll, gibt es den Oldtimer für Captain Future schon für weniger als ein Zehntel.

dpa

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