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Gefährliches Radeln - Appelle für mehr Rücksichtnahme

Verkehr Gefährliches Radeln - Appelle für mehr Rücksichtnahme

Hunderte Radfahrer kommen jedes Jahr bei Unfällen ums Leben. Zehntausende werden verletzt. Mehr Rücksichtnahme fordern Experten von allen Verkehrsteilnehmern - auch von den Radlern selbst.

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In Deutschland sind im vergangenen Jahr 396 Fahrradfahrer bei Unfällen ums Leben gekommen. Fachleute ermahnen alle Verkehrsteilnehmer zu mehr Rücksichtnahme.

Quelle: Carsten Rehder

Berlin. Auf Deutschlands Straßen sind im vergangenen Jahr 396 Fahrradfahrer bei Unfällen ums Leben gekommen, das entspricht 12 Prozent aller Verkehrstoten. Wie das Statistische Bundesamt in Wiesbaden mitteilte, wurden 77 900 Fahrradfahrer verletzt, davon 14 500 schwer.

Im Vergleich zum Vorjahr stieg die Zahl der tödlich verunglückten Radler um 42, die der verletzten um etwa 6000. Insgesamt seien im vergangenen Jahr ungefähr 85 000 Fahrradfahrer in Verkehrsunfälle verwickelt gewesen, sagte Destatis-Experte Gerhard Kraski. Mehr als die Hälfte (58 Prozent) der tödlichen Fahrradunfälle passierten innerorts.

Die Zahl der Verletzten dürfte nach Einschätzung von Siegfried Brockmann, Unfallforscher der Versicherer, noch wesentlich höher liegen. Nicht von jedem Unfall mit verletzten Radfahrern erfahre die Polizei, und viele Betroffene behandelten eine Schramme selbst.

Doch nicht für alle geht es so glimpflich aus. Ein Helm kann schwere Verletzungen des Gehirns vermeiden, aber letztlich sei gegenseitige Rücksichtnahme für die Unfallverhütung wichtiger, sagen Fachleute.

Was können Radfahrer und Autofahrer tun, um Aggressionen zu vermeiden?

Alle Verkehrsteilnehmer sollten Paragraf 1 der Straßenverkehrsordnung beherzigen, sagt Siegfried Brockmann, Unfallforscher der Versicherer. Dort heißt es: "Die Teilnahme am Straßenverkehr erfordert ständige Vorsicht und gegenseitige Rücksicht." Alle, auch die Radler, sollten sich stets in die Rolle der anderen hineinversetzen - etwa an Kreuzungen, wo Radler damit rechnen müssten, dass ein Lastwagen-Fahrer sie gar nicht sehen könne, sagt Brockmann.

Wer trägt die größte Schuld an Unfällen?

Das kommt auf das individuelle Verhalten an. "Es gibt Kampfradler, und es gibt Kampfautofahrer", sagt Carsten Willms vom ADAC Hansa in Hamburg. Der Hamburger Landessprecher des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs (ADFC), Dirk Lau, empfiehlt Radlern, defensiv, selbstbewusst und vorausschauend zu fahren. Autofahrer sollten auf mehr Sicherheitsabstand beim Überholen achten und langsamer fahren. Der ADFC hält in der Stadt grundsätzlich Tempo 30 für angemessen.

Könnte eine Helmpflicht für mehr Sicherheit sorgen?

Eine Helmpflicht besteht für Fahrradfahrer in Deutschland nicht. Der ADFC lehnt die Helmpflicht weiter ab. Der Verband befürchtet, dass dann möglicherweise weniger Menschen aufs Rad steigen. Je weniger Radfahrer unterwegs seien, desto weniger achteten andere Verkehrsteilnehmer auf sie, und die Unfallgefahr steige. Verkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) setzt weiter auf Freiwilligkeit. "Fahrradfahren wird immer beliebter. Wir wollen, dass der Helm hier mitzieht. Dabei setzen wir auf Aufklärung statt Verbote", teilte der Minister schriftlich auf eine Mail-Anfrage der dpa mit.

Welche Ideen gibt es, um Radfahren sicherer zu machen?

Grundvoraussetzung sei eine bessere Infrastruktur, sagt Sabine Schulten vom Deutschen Institut für Urbanistik. Vor allem an Kreuzungen müssten Radfahrer besser zu sehen sein - zum Beispiel, indem sie an Ampeln nicht mehr neben den Autos stehen, sondern mehrere Meter davor. Radwege sollten nicht auf dem Bordstein, sondern auf der Straße angelegt sein. "Je häufiger Autofahrer Radlern begegnen, desto eher passen sie auf", sagt auch der Münsteraner Verkehrswissenschaftler Gernot Sieg. Tempolimits könnten helfen, weil dadurch Bremswege kürzer würden.

Wie machen Radfahrer auf ihre Probleme aufmerksam?

In Stuttgart - Deutschlands Autostadt - aber auch in anderen Städten gibt es regelmäßig größere Rad-Demos. Ziel ist es laut Veranstalter, "sicheren Lebensraum für Radfahrer" zurückzugewinnen. Die nächste sogenannte Critical Mass-Tour mit mehreren hundert Radlern soll am 4. September in Stuttgart organisiert werden, begleitet von der Polizei. Die Radfahrer kritisieren dabei unter anderem das in ihren Augen vorherrschende Unverständnis der Autofahrer und fehlende Radwege. Stuttgart hat in Sachen Fahrradfreundlichkeit nicht den besten Ruf - anders als etwa Freiburg und Karlsruhe. Große Aktionen dieser Fahrrad-Bewegung gibt es etwa auch in Hamburg.

dpa

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