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Elektronische Stützräder - Assistenzsysteme für Biker

Verkehr Elektronische Stützräder - Assistenzsysteme für Biker

Es passiert so schnell im Straßenverkehr: Eine unerwartete Situation, man erschrickt, greift reflexartig in die Bremse. Oft mit zu viel Kraft. Ist es rutschig, kann das auf dem Motorrad zu bösen Stürzen führen.

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Achim Kuschefski vom Institut für Zweiradsicherheit sieht große Vorteile in Assistenzsystemen für Motorräder.

Quelle: ifz

Essen. Trotzdem ist ABS bei Motorrädern noch die Ausnahme.

Doch Anfang 2016 wird die ABS-Pflicht für Motorräder ab 125 ccm Hubraum eingeführt. Ab 2017 darf kein Motorrad über 125 ccm mehr ohne ABS neu zugelassen werden. Und künftig werden weitere Assistenten das Fahren auf zwei Rädern sicherer machen. "Grundsätzlich sind alle Systeme sinnvoll, die den Fahrer entlasten und somit das Fahren sicherer machen", sagt Achim Kuschefski vom Institut für Zweiradsicherheit.

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Vernetzte Sensoren: Die Traktionskontrolle erkennt ein durchdrehendes Hinterrad und reduziert die dort ankommende Leistung.

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Allerdings müssen Motorradfahrer die Systeme auch verstehen, um sie voll ausnutzen zu können. Kuschefski rät zu Fahrertrainings, um die Systeme kennzulernen, die teilautonom oder autonom in Antrieb und Steuerung des Fahrzeuges eingreifen und den Fahrer vor kritischen Situationen warnen. Experten vom Deutschen Verkehrssicherheitsrat, dem Institut für Zweiradsicherheit, dem Industrie-Verband Motorrad und dem ADAC erklären die verschiedenen Systeme:

 

ABS: Das Antiblockiersystem verhindert bei einer Vollbremsung das Blockieren der Räder. Das Motorrad bleibt lenkbar, Stürze werden weitgehend vermieden. Moderne Systeme arbeiten auch bei extremen Schräglagen. "Das ABS bei Motorrädern hat eine fundamentalere Bedeutung als beim Auto, da das Blockieren der Räder bei Motorrädern unmittelbar die Stabilität gefährdet", sagt Ruprecht Müller vom ADAC Technikzentrum. Fortschrittliche ABS verhindern auch Überschläge.

 

 

Integral- oder Kombibremse: Die Integralbremse oder das "Advanced Braking"-System koppelt Vorderrad- und Hinterradbremse, um die Bremskraftverteilung an die Verzögerung anzupassen. So wird das Überbremsen eines Rads verhindert, wodurch etwa das Hinterrad nicht unabsichtlich aufsteigen kann.

 

 

Traktionskontrolle: Bei der Schlupf- oder Traktionskontrolle drosselt der Motor beim Durchdrehen des Hinterrades die Leistung. Dadurch wird das Ausbrechen des Hinterrades verhindert. Die Systeme sind vor allem bei leistungsstärkeren Maschinen sinnvoll.

 

 

Stabilitätskontrolle : Eine Weiterentwicklung der Traktionskontrolle ist die Stabilitätskontrolle. Sie unterstützt den Fahrer in allen Fahrsituationen wie Bremsen, Beschleunigen, bei Geradeausfahrt sowie in Kurven, indem sie gezielt Vorder- oder Hinterrad abbremst.

 

 

Stoppie- und Wheelie-Kontrolle: Leichte Fahrzeuge wie Roller und Enduros, aber auch Sportmotorräder werden sicherer durch eine Stoppie- und Wheelie-Kontrolle, die das Aufsteigen von Vorder- oder Hinterrad verhindert. Die Systeme unterbrechen den Kraftschub und senken das sich in der Luft befindende Rad sanft auf die Fahrbahn ab.

 

 

Antriebsmodi: Verschiedene Antriebsmodi passen die Motorsteuerung an spezifische Situationen an. So drosselt die Elektronik etwa im Regen-Modus die Leistung, um ein Durchdrehen der Räder zu verhindern. Die Systeme werden bei vielen unterschiedlichen Modellen verbaut, meist bei stärkeren Motoren mit über 74 kW/100 PS.

 

 

Airbag: Die Honda Goldwing ist derzeit das einzige Motorrad, das mit einem Airbag ausgerüstet ist. Allerdings gibt es Airbagwesten. Die wirken direkt am Körper des Fahrers und können Verletzungen verhindern oder zumindest mildern. Stürzt der Pilot, blasen sich die Luftkammern in Millisekunden auf. Aktiviert werden die Airbagwesten entweder per Reißleine oder drahtlos über Sensoren am Motorrad.

 

 

Die Zukunft: Ideal wäre nach Meinung von Zweiradexperten ein Warnsystem, bei dem Fahrzeuge untereinander kommunizieren. So könnten sich Motorräder und Autos gegenseitig erkennen und vor Gefahren warnen. "Für den Motorradfahrer wäre es sehr hilfreich, wenn er vorher wüsste, dass die nächste Kurve rutschig ist. Er könnte agieren und müsste nicht reagieren", sagt Jürgen Bente vom Deutschen Verkehrssicherheitsrat (DVR). Reiner Brendicke vom Industrie-Verband Motorrad pflichtet ihm bei: "Diese Systeme können Kollisionsunfälle durch Früherkennung sich annähernder Fahrzeuge sicher reduzieren."

 

Tatsächlich werden derartige Systeme schon erprobt. Bis 2020 soll jeder Hersteller mindestens ein Fahrzeug in der Modellpalette anbieten, das über ein so genanntes "Intelligent Transport System" (ITS) verfügt. "Allerdings werden sie erst in einigen Jahren einen Effekt in der Unfallstatistik zeigen. Nämlich erst dann, wenn es in vielen Fahrzeugen zum Standard zählt", sagt Achim Kuschefski.

dpa

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