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„Es lief alles über mein Konto“
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VW-Prozess „Es lief alles über mein Konto“

Der Prozess gegen die ehemalige Geliebte des früheren VW-Betriebsratschefs ist mit der Vernehmung eines VW-Personalmanagers fortgesetzt worden. Die aus Brasilien stammende Adriana Barros muss sich vor dem Wolfsburger Amtsgericht wegen Beihilfe zur Untreue in 26 Fällen verantworten.

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Ehemaliger VW-Personalmanager Klaus-Joachim Gebauer

Quelle: dpa

Wolfsburg. Dass sie zusammen in Lissabon und am Tadsch Mahal in Indien gewesen sind, ist ihnen nicht anzumerken. Der frühere VW-Personalmanager Klaus-Joachim Gebauer würdigt Adriana Barros an diesem Morgen im Saal F des Amtsgerichts Wolfsburg kaum eines Blickes. Sie hingegen schaut ihn genau an, als er gut eine Stunde lang im Zeugenstand von ihren Reisen mit ihrem Liebhaber, dem ehemaligen VW-Betriebsratsvorsitzenden Klaus Volkert, spricht. Während sie hört, wie die Dolmetscherin seine Worte für sie übersetzt, schüttelt die 47-Jährige mehrfach den Kopf.

Gebauer bestätigt, dass die Luxusreisen und etwa der Sprachkursus in London von Barros und Volkert über sein Büro beglichen wurden. Die Rechnungen habe er von seinem Privatkonto bezahlt und das Geld dann von VW zurückbekommen, nachdem der damalige Arbeitsdirektor Peter Hartz die Rechnungen gegengezeichnet hatte. „Es wurde alles über mein Konto abgewickelt“, sagt der 68-Jährige. Barros hatte angegeben, dass sie davon ausgegangen sei, Volkert hätte die privaten Reisen selbst bezahlt. Vom Vorsitzenden Richter darauf angesprochen, sagt Gebauer, es sei durchaus möglich, dass Barros nichts von der Zahlungspraxis gewusst habe.

Die Brasilianerin ist wegen Beihilfe zur Untreue in 26 Fällen angeklagt. Nicht nur Luxusreisen im Wert von etwa 100 000 Euro sollen auf VW-Kosten abgerechnet worden sein. Adriana Barros soll von VW auch rund 250 000 Euro ohne Gegenleistungen erhalten haben. Barros bestreitet die Vorwürfe. Sie gibt an, Filme für VW gedreht und dafür vierteljährlich 23 000 Euro erhalten zu haben. Und dass Volkert sich ihre Reisen von VW bezahlen ließ, habe sie nicht gewusst.

Der Prozess gilt als letzter in der sogenannten VW-Schmiergeldaffäre, die 2007 bekannt geworden war und den Autokonzern in seinen Grundfesten erschütterte. Es ging unter anderem darum, Betriebsräte auf Unternehmenslinie zu halten.

Der frühere Personalmanager Gebauer bestätigte, dass von VW regelmäßig 23 000 Euro auf seinem Konto eingegangen seien, die er an Volkert ausgezahlt habe. „Für wen das letztendlich war, wusste ich nicht.“ Er habe Barros selten einmal mit einer Kamera gesehen, sagt Gebauer. Er sei davon ausgegangen, dass die Aufnahmen für den Privatgebrauch, nicht für VW bestimmt gewesen seien. „Den betrieblichen Anlass konnte ich nicht erkennen“, sagt er. Warum er bei Reisen von Barros und Volkert dabei war, will der Richter von ihm wissen. Gebauer: „Ich musste allein für die Bezahlung immer dabei sein.“ Er bezeichnet sich selbst als Organisator für Volkert und damit auch für Barros. Die Reisen hätten immer „Toplevel, First Class“ sein müssen. Er vermutet, dass Barros nie über Geld nachgedacht habe.

Wegen der VW-Schmiergeldaffäre wurden im Februar 2008 Volkert zu einer Freiheitsstrafe von zwei Jahren und neun Monaten und Gebauer zu einem Jahr auf Bewährung verurteilt. Am kommenden Dienstag wird Klaus Volkert als Zeuge vor Gericht erwartet.

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