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Wesendorf Zeitreise in den Dreißigjährigen Krieg mit Simplicissimus
Gifhorn Wesendorf Zeitreise in den Dreißigjährigen Krieg mit Simplicissimus
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15:10 19.07.2018
Lesesommer in Steinhorst: Hermann Wiedenroth las aus „Der Abentheuerliche Simplicissimus Teutsch“ von Hans Jakob Christoffel von Grimmelshausen. Quelle: Marion Schuckart
Steinhorst

„Seit langem und das mit gutem Grund ist Hermann Wiedenroth Gast des Lesesommers Steinhorst.“ Diese Begrüßungsworte von Arne Homann, Leiter des Schulmuseums, wurden auch durch den Publikumsandrang beim diesjährigen Gastspiel des Bargfelder Antiquars und Rezitators bestätigt. Zusätzliche Stuhlreihen im Foyer erweiterten den Zuschauerraum im Erich-Weniger-Haus.

Ein bis dahin nicht gekanntes Maß an Gewalt und Zerstörung

Mit den wunderlichen Abenteuern des Simplicissimus führte Wiedenroth in die Zeit des Dreißigjährigen Krieges, der vor genau 400 Jahren begann und das damalige Heilige Römische Reich Deutscher Nation mit einem bis dahin nicht gekannten Maß an Gewalt, Zerstörung und Elend überzog. Christoffel von Grimmelshausen schuf mit dem Simplicissimus eine der ersten realistischen Schilderungen der Gräuel und Wirren des Krieges. Gleichzeitig unterhält die Geschichte des tumben Bauernjungen, der sich mit Zufall und wechselndem Fortune durchs Leben schlägt, mit den klugen Fragen des Naiven und den Einsichten des Gebildeten bis heute.

Lesung in der Sprache des 17. Jahrhunderts

Wiedenroth machte mit seiner Vorlesekunst das Eintauchen in die Sprache des 17. Jahrhunderts, die zudem mit allerlei lateinischem Beiwerk verziert ist, leicht. Ausflüge in die Mundart des Spessart und Liedvorträge sorgten für zusätzlichen Hörgenuss. So wurde herzhaft über die Missgeschicke und Schelmenstücke des Simplicissimus gelacht. Bei den Schilderungen der Auswüchse einer verrohten und verwahrlosten Gesellschaft blieb das Lachen dann wieder schnell im Halse stecken.

Wiedenroth spannte den Bogen vom tumben Tölpel zum an der Welt verzweifelnden Philosophen, der sich ihr am Ende als Einsiedler versagt. Lang anhaltender Applaus und eine gelungene Überraschung waren der Lohn für einen großartigen Abend: Homann überreichte eine Fünf-DM-Gedenkmünze von 1976 mit dem Titelkupfer der Simplicissimus-Originalausgabe.

Von Marion Schuckart

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