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Bürgermeisterwahl in Wesendorf: Holger Schulz und René Weber kandidieren

Die politischen Ziele der Kandidaten Bürgermeisterwahl in Wesendorf: Holger Schulz und René Weber kandidieren

Die AZ fragte die Kandidaten Holger Schulz (SPD) und René Weber (CDU), was ihre politischen Ziele als Bürgermeister der Samtgemeinde Wesendorf wären. Hier die Antworten dazu

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Wahltag im Kreis Gifhorn

Bürgermeisterwahl in Wesendorf: Holger Schulz (l.) und René Weber kandidieren.

 
     
Die Kandidaten Holger Schulz (SPD) René Weber (CDU)
     
Lebenslauf

Der 46-jährige Holger Schulz ist verheiratet, hat drei Kinder und lebt seit 21 Jahren in Wesendorf. Er ist seit 1996 Mitglied im Gemeinderat, seit 2001 im Samtgemeinderat und seit 2011 stellvertretender Bürgermeister in Wesendorf.

Nach seinem Studium war er in Wolfsburg im Personalamt und in der Samtgemeinde Velpke im Bauamt tätig. 1993 wechselte der Diplom-Verwaltungswirt FH (Kreisoberamtsrat) ins Bau- und Planungsamt des Landkreises Gifhorn und ist heute stellvertretender Fachbereichsleiter Bauwesen. Schulz hat seit 1995 zahlreiche Zusatzausbildungen und Fortbildungen durchlaufen. Er weist nebenberuflich Referenten-Tätigkeiten und diverse Veröffentlichungen im Verwaltungsbereich (insbesondere Kommunalabgabenrecht) auf.

1993 bis 1996 trainierte er Jugendfußball- und von 2000 bis 2003 Jugendhandballteams. Vorstandsmitglied des WSC war er von 1995 bis 2000. Er unternimmt gerne ausgiebige Radtouren mit seiner Frau, spielt Tischtennis im TV Teichgut (Vorstandsmitglied) und hat 2013 das Mountainbike-Fahren als Herausforderung entdeckt.

René Weber ist 49 Jahre alt und ledig und seit 2007 als Erster Samtgemeinderat sowie seit 2008 als stellvertretender Gemeindedirektor und Leiter des Bauamtes in der Samtgemeinde Wesendorf tätig.

Vorher war der Dipl. Verwaltungswirt (FH) nach dem Studium als Abteilungsleiter und stellvertretender Amtsleiter im Jugendamt, als Sachbearbeiter im Haupt- und Schulamt sowie als stellvertretender Leiter des Ordnungsamtes und zuletzt – bis zur Aufnahme seiner Tätigkeit in der Samtgemeinde Wesendorf – als Leiter des Straßenverkehrsamtes im Landkreis Uelzen tätig.

Weber hat sich seit 1997 mehrfach weitergebildet. Nebenberuflich war er als Lehrer und Dozent im Verwaltungsbereich, als Mitglied eines Prüfungsausschusses am Niedersächsischen Studieninstitut Hannover und als Mitglied des Katastrophenschutzstabes tätig.

Er ist Mitglied der Feuerwehren Wesendorf, Westerholz und Ummern, des Partnerschaftskreises der Samtgemeinde, der Chorgemeinschaft Wesendorf/Westerholz sowie der Wesendorfer Schützengesellschaft.  

     
Innerhalb der Samtgemeinde gibt es Bestrebungen zur Versorgung durch Erneuerbare Energien. Mit Solarkataster, Biogasanlagen, Fotovoltaikanlagen sowie Nahwärmenetz sind erste Schritte erfolgt. In welcher Form werden Sie sich für den Ausbau Erneuerbarer Energien einsetzen? Holger Schulz: Als Leiter des zentralen Gebäudemanagements beim Landkreis Gifhorn ist es mir gelungen, die energetische Gebäudesanierung unter Einbeziehung erneuerbarer Energien voranzutreiben. Mit der Aufstellung eines energetischen Sanierungskonzepts sind wir da auf einem guten Weg. Dies ist für die Samtgemeinde und alle ihre Liegenschaften – aber auch in den Mitgliedsgemeinden – dringend erforderlich und ich gehe diesen Weg weiter. Dies führt einerseits zu einer Verringerung des CO2-Ausstoßes, andererseits zu erheblichen Kosteneinsparungen in der Bewirtschaftung der Liegenschaften; auch wenn es zunächst Geld kostet. René Weber: Mein Ziel ist es, die Samtgemeinde Wesendorf mittelfristig im Strombereich zu 100 Prozent mit erneuerbarer Energie zu versorgen. Unter meiner Verantwortung haben wir Kindergärten und Schulen in der Samtgemeinde teilweise schon auf Heizungen mit regenerativer Energieversorgung umgestellt. In Wesendorf habe ich die Installation der LED-Beleuchtung initiiert und durch von mir beim Bund eingeworbene Fördermittel zu 25 Prozent finanziert. Mein Hauptaugenmerk liegt seit Jahren auf Energieeinsparungen. Bei allen Anstrengungen darf allerdings nicht vergessen werden, dass all das auch bezahlbar bleiben muss. Alle Maßnahmen, die ich verantwortet habe, sind für die Samtgemeinde wirtschaftlich sinnvoll, weil sie sich bereits nach kurzer Zeit amortisieren und dadurch den Steuerzahler entlasten. Zwischenzeitlich werden mehr als 80 Prozent des Strombedarfs in der gesamten Samtgemeinde vor Ort regenerativ erzeugt. Mein Ausblick für die Zukunft lautet: Wir werden diesen erfolgreich eingeschlagenen Weg weiter führen und die sich ergebenden Chancen der Energiewende für den ländlichen Raum nutzen. Wenn in der Samtgemeinde am Ende im Einklang mit Natur und Mensch mehr Energie erzeugt, als hier vor Ort verbraucht wird, profitieren wir alle nachhaltig davon.
     
Stichwort demografischer Wandel: Nach Schätzungen verliert die Samtgemeinde Wesendorf bis 2030 rund 14 Prozent ihrer Einwohner. Mit welchen Ideen wollen Sie dagegen ankämpfen? Holger Schulz: Dieser Trend wird nicht vollständig aufhaltbar sein und ich bin bereits in meinem jetzigen Aufgabenbereich intensiv mit diesen Themen befasst. Ich werde mich dafür einsetzen, in allen Ortsteilen und Gemeinden gleiche Lebensbedingungen vorzuhalten und die Attraktivität der Samtgemeinde und ihrer Gemeinden zu erhalten und zu steigern. Die Erreichbarkeit des täglichen Lebensbedarfs sowie von Ärzten und Schulen ist dabei ein Kernstück. Hierzu zählt eine gute verkehrliche Infrastruktur einschließlich des ÖPNV (Öffentlicher Personennahverkehr). Daneben gehören bezahlbarer Wohnraum und entsprechende Baulandbereitstellung sowie eine Nachnutzung frei werdenden Immobilien dazu. So möchte ich ein Umfeld schaffen, das ergänzend zu den bestehenden Vorzügen – naturnahes Wohnen, Erholung, gute Schullandschaft und tolles Kindertagesstättenangebot – für ansiedlungswillige junge Familien attraktiv ist und bleibt. Mein Leitbild für die Samtgemeinde soll genau dies widerspiegeln. Und unter Nutzung meines bestehenden Netzwerkes werde ich weiterhin umfassend an regionalen Entwicklungskonzepten und am Kreisentwicklungskonzept, wie vom ZGB (Zweckverband Großraum Braunschweig) und vom Landkreis eingeleitet, mitwirken. René Weber: „Demographischer Wandel“ bedeutet nicht zwangsläufig eine abnehmende Bevölkerung. Ich werde alles dafür tun, die Samtgemeinde weiterhin für Zuzügler anziehend zu gestalten. Zwischen 1974 und heute hat sich die Einwohnerzahl der Samtgemeinde Wesendorf hauptsächlich durch Zuzüge verdoppelt und es wird uns gelingen, die aktuelle Einwohnerzahl zu halten, wenn wir ein attraktives Wohnumfeld mit den erforderlichen Infrastruktureinrichtungen wie Kindergärten, Schulen, Baugrundstücke bereitstellen. Außerdem setze ich mich dafür ein, dass auch im Alter das Wohnen auf dem Lande serviceorientiert, unter anderem durch seniorengerechtes Wohnen, gute Ärzte- und Pflegeversorgung und Einkaufsmöglichkeiten attraktiver wird. Der eingeschlagene Weg mit dem Ärtzezentrum Wesendorf, der Seniorenresidenz in Wesendorf und den Überlegungen zum Servicewohnen in Wahrenholz sind richtig. Mit der von mir vorangetriebenen Aufnahme in das Dorferneuerungsprogramm sind Wahrenholz und Schönewörde schon in einer perfekten Ausgangsbasis, um aktuelle Herausforderungen im Zusammenhang mit dem demographischen Wandel zu bewältigen. Im Ideenclub Groß Oesingen bin ich gemeinsam mit Bürgerinnen und Bürgern tätig, ihr Umfeld noch interessanter zu gestalten. Ein Bürgerbus wird die Mobilität auf dem Lande für jung und alt verbessern. Unser großes Plus ist die dörfliche Struktur mit vielen aktiven Vereinen und Verbänden. Das stärkt den Zusammenhalt und die Identifikation mit der Heimat. So gelingt es uns, auch junge Familien zu halten. Darüber hinaus habe ich die Chancen, die die Nähe zu VW für die Samtgemeinde bietet, im Blick. Viele VW-Werksangehörige leben in der Samtgemeinde. Auch davon, dass es VW gut geht, profitieren wir.
     
Angesichts des demografischen Wandels fehlen auch in den Kitas immer mehr Kinder. Über die Schließung Schönewörde wurde schon diskutiert, auf der anderen Seite will der Bauernhofkindergarten Teichgut wegen des guten Zuspruchs eine zweite Gruppe einrichten. Wie sieht ihr Konzept für die Kitalandschaft aus? Holger Schulz: Die Aufrechterhaltung des Kita-Angebots sehe ich als vordringliche Aufgabe. Jede Kita hat ihr eigenes Konzept beziehungsweise Leitbild und ist mit ihrem Angebot gut aufgestellt. Ich begrüße den Bauernhofkindergarten als eine Bereicherung für unsere Samtgemeinde. Dies will ich unterstützen und sehe darin auch keine Konkurrenz oder Gefährdung für die anderen Kitas, die zugunsten geringer Elternbeiträge derzeit mit einem Zuschussbedarf von 1,5 Millionen Euro durch die Samtgemeinde unterstützt werden. Kurz- bis mittelfristig wird sich ein größerer Bedarf an Hort- und Krippenplätzen ergeben. Insofern ist die bestehende Kita-Landschaft „umzubauen“. Dies möchte ich zum übernächsten Kindergartenjahr angehen. Ohne Aufgabe einer bestehenden Einrichtung ist dann eine zweite Gruppe in Teichgut möglich. Für eine Übergangszeit von etwa einem Jahr werde ich die Aufrechterhaltung des Angebots dabei zunächst durch Kooperationen aller Kitas untereinander – einschließlich variabler und flexibler Betreuungszeiten, unterschiedlicher Angebote und zum Beispiel Fahrdienste – verfolgen. René Weber: Eine vielfältige, qualitativ hochwertige und finanzierbare Betreuungslandschaft für Kinder sind ein wichtiger Standortfaktor einer Kommune. Flexibilität bei der Festlegung der Betreuungszeiten – auf die Bedürfnisse der jungen Familien abgestimmt - spielt dabei ebenso eine wichtige Rolle. Ich bin froh, dass wir mit dem Bauernhof-Kindergarten die Vielfalt der Betreuungsmöglichkeiten in der Samtgemeinde erweitern konnten. Die Samtgemeinde hat dem Bauernhofkindergarten ihre volle Unterstützung durch eine Finanzierungszusage für die nächsten zehn Jahre gegeben. Damit hat der Bauernhofkindergarten eine Bestandsgarantie, die bislang keiner anderen Kindertagesstätte in der Samtgemeinde zugesprochen wurde. Der gestiegene Bedarf an Krippenplätzen wird einen weiteren Ausbau der Betreuungslandschaft erfordern. Stellen wir uns als familienfreundliche Samtgemeinde auf, so wird es uns gelingen, Zuzüge aus anderen Bereichen zu generieren. Ich möchte dadurch eine noch größere Bandbreite an neuen Ideen erreichen, die das bisherige Angebot erweitert. Der Erhalt und Ausbau aller Einrichtungen liegt mir am Herzen.
     
Immer weniger Kinder sind auch bei den Schulen ein Thema. Schätzungen zufolge sinken die Schülerzahlen von 2010 bis 2016 in den drei Grundschulen von 670 auf 560. Wird es mittelfristig nur noch zwei Grundschulen in der Samtgemeinde geben? Mit welchen Ideen wollen Sie das verhindern? Holger Schulz: Wir haben das Jahr 2014. Derzeit sehe ich keine unserer Grundschulen gefährdet. Der Leitspruch „Kurze Beine, kurze Wege“ wird aber angesichts der Bevölkerungsentwicklung auf Dauer wohl ehrlicherweise leider nicht mehr haltbar sein. So schön das auch wäre. Aber auf Schülerzahlen hat die Samtgemeinde wenig Einfluss. Und sofern dem Bevölkerungstrend durch die oben beschriebenen Maßnahmen nicht entgegengewirkt werden kann, stellt sich mir unter wirtschaftlichen Aspekten nicht die Frage der Verhinderung dieser Situation, sondern vielmehr die Frage, welche Lösungen brauchen wir dann. Ich werde mich intensiv für eine gute Schülerbeförderung, Hort- und Nachmittagsbetreuungen, Mittagsverpflegung und ergänzende Betreuungsmöglichkeiten einsetzen. René Weber: Kurze Beine – kurze Wege. Nach diesem Motto muss es um den Erhalt der bestehenden drei Grundschulen gehen. Schulen haben heute nicht nur die Auftrag, Wissen zu vermitteln, sondern müssen auch Erziehungsaufgaben wahrnehmen, Inklusion umsetzen und möglichst Betreuung am Nachmittag anbieten. Hierfür haben wir keine Überkapazität in den Unterrichtsräumen, sondern nutzen bei zurückgehenden Schülerzahlen den gewonnen Platz für diese neuen Herausforderungen. Ob eine Schule erhalten bleibt oder nicht, entscheidet ausschließlich die Samtgemeinde. Darüber hinaus produzieren zentrale große Schulen für den Steuerzahler hohe Schülerbeförderungskosten. Somit wird es mit mir als Samtgemeinde-Bürgermeister keine Schulschließung geben, vielmehr setze ich mich für eine Ausweitung des Nachmittagsangebotes ein.
     
Weiteres Thema bei den Schulen ist die Inklusion. In der Samtgemeinde gibt es derzeit Schwerpunktschulen. Halten Sie den Fahrplan, bis 2018 alle vier Schulen auszustatten, für finanzierbar? Holger Schulz: Die inklusive Beschulung wird von mir begrüßt und die damit einhergehenden Aufgaben nehme ich derzeit beim Landkreis wahr. Die Samtgemeinde ist als Schulträger für die bauliche Ausstattung zuständig. Zur Beeinträchtigungsart „Gehen“ sind die erforderlichen Maßnahmen, teils mit ergänzenden organisatorischen Maßnahmen, umsetz- und finanzierbar. Die im Bereich „Hören“ und „Sehen“ erforderlichen Maßnahmen sind sehr differenziert zu betrachten. Meine Erfahrung zeigt, dass hier nur situativ reagiert werden kann. Mit Blick auf die aus meiner Sicht bestehende Konnexität, das heißt Finanzierung durch den Schulgesetzgeber, sehe ich hier das Land Niedersachsen erheblich in der Pflicht. Problematisch sehe ich im Rahmen der Inklusion aber die in die Zuständigkeit des Landes fallende mangelhafte Ausstattung der Schulen mit ausreichendem und adäquaten Personal. René Weber: Gute Bildungschancen auch für Kinder mit Beeinträchtigungen zu gewährleisten, entspricht meinem Menschenbild und darum begrüße ich die Bestrebungen, alle Schulen für alle Kinder zugänglich zu gestalten. Um diese Vorgaben tatsächlich bis 2018 für alle Schulen umsetzen zu können, ist die entsprechende finanzielle Unterstützung durch die Landesregierung zwingend erforderlich. Leider haben wir noch keine klare Aussage, wie genau sich diese Unterstützung des Landes gestalten wird. Im Moment gehen wir in Vorleistung und arbeiten eng mit den Schulen zusammen. Alle Kinder mit Beeinträchtigungen können bisher die gewünschte Schule besuchen. Unabhängig davon bin ich persönlich der Meinung, dass die speziellen Förderschulen weiterhin bestehen bleiben sollen. Jedes Kind ist anders und bringt individuelle Herausforderungen mit. Nicht immer ist die Beschulung auf einer Regelschule der beste Weg. Die Entscheidung dazu sollte den Eltern nach entsprechender Beratung überlassen bleiben.
     
Vor allem in den kleineren Mitgliedsgemeinden gibt es wenig Handel und Gewerbe. Welche Ideen haben Sie, um mehr Gewerbe und damit Steuereinnahmen und Arbeitsplätze in die Samtgemeinde zu holen. Holger Schulz: Meine Erfahrung zeigt, dass Handel und Gewerbe sich leider nicht auf Zuruf ansiedeln. Hier bestimmen einerseits die Nachfrage und andererseits die infrastrukturellen Rahmenbedingungen das Geschäft. Letztere können Samtgemeinde und Gemeinden, zum Beispiel über die Bauleitplanung oder wie folgend noch zum Breitbandausbau dargestellt, schaffen. Auch unter Nutzung meiner guten Kontakte zur Wirtschaftsförderung des Landkreises werde ich immer ein offenes Ohr für wirtschaftliche Interessen haben und einen guten Kontakt zur Wirtschaft pflegen, frühzeitig Angebote unterbreiten und auf die Unternehmen zugehen. Dabei ist bei Ansiedlungswünschen schnell und flexibel zu agieren. Eine gemeindliche finanzielle Wirtschaftsförderung halte ich wie bisher in angemessenem Rahmen für erforderlich. Und eine Beteiligung im Rahmen der KMU-Förderung (Kleine und mittlere Unternehmen) ist für mich selbstverständlich. Die Sicherstellung einer ausreichenden Grundversorgung für die Dinge des täglichen Bedarfs hat dabei für mich vor dem Hintergrund des demografischen Wandels in allen Mitgliedsgemeinden Priorität. René Weber: Die Wirtschaftsförderung ist für mich Chefsache. Angesichts einer Vielzahl von kleinen und mittleren Unternehmen, ganz besonders im Handwerk, ist die Samtgemeinde gut aufgestellt. In Groß Oesingen ist die Handwerkerdichte gemessen an der Einwohnerzahl wohl höher als im gesamten Landkreis Gifhorn. Betriebe wie Bäcker Meyer aus Wahrenholz beliefern mit ihren 70 Filialen zwischen Bleckede und Braunschweig fast den gesamten Norddeutschen Raum. Im Hammersteinpark sind bereits mehr als 100 Arbeitsplätze entstanden. Was die Versorgung im Lebensmitteleinzelhandel betrifft, ist die Gemeinde Wesendorf mit vier Verbrauchermärkten sehr gut aufgestellt. Derzeit bin ich aktiv in Gesprächen zur Schaffung von Discountern in Groß Oesingen, Wagenhoff und in Wahrenholz beteiligt, um die Attraktivität der Orte so zu erhöhen, dass sie für Investoren und neue Familien noch attraktiver sind.
     
Die acht Ortsfeuerwehren in Wesendorf haben rund 440 aktive Mitglieder. 20 Prozent sind älter als 50 Jahre. Ideen gegen eine Überalterung sowie für eine Aufrechterhaltung der Einsatzfähigkeit sind gefragt. Haben Sie diese Ideen? Holger Schulz: Die nach der Feuerwehrverordnung vorgeschriebenen Mindeststärken – insbesondere für die Schwer- und Stützpunktwehren innerhalb der Gemeindewehr – werden derzeit deutlich eingehalten. Die Einsatzfähigkeit ist daher grundsätzlich nicht gefährdet; auch wenn dies berufsbedingt zu bestimmten Tageszeiten schwierig ist. Eine Nachwuchsgewinnung obliegt in erster Linie den Wehren selbst. Durch verschiedene Aktivitäten leisten die Wehren in der Kinder- und Jugendarbeit bereits Erhebliches. Ich danke den ehrenamtlichen Kameradinnen und Kameraden herzlich dafür. Ich werde mich dafür einsetzen, dass diese ehrenamtliche Arbeit durch eine gute Ausstattung der Wehren, eine finanzielle Förderung der Aus- und Fortbildung, eine Förderung des ehrenamtlichen Engagements, eine Zulassung von Doppelmitgliedschaften und die Einrichtung von Kinderfeuerwehren fortgeführt werden kann. René Weber: Kinderfeuerwehren sollen mehr Jungen und Mädchen für den Dienst in der Jugendfeuerwehr und später für den aktiven Dienst in der Freiwilligen Feuerwehr begeistern. Wenn Kinder und Jugendliche Spaß bei diesem Dienst haben, bleiben sie auch später dabei. Das zeigt die Gemeinde Groß Oesingen, wo wir landkreisweit die mitgliederstärkste Jugendfeuerwehr haben. Aus dieser Jugendfeuerwehr wechseln viele neue Mitglieder in den aktiven Dienst mit der Folge, dass wir das bestehende Feuerwehrhaus durch einen Anbau erweitern. Unsere Investitionen in Fahrzeuge, Feuerwehrhäuser und Ausrüstung dienen nicht nur dazu, gute Hilfeleistung zu ermöglichen. Diese Investitionen tragen auch zur Attraktivität des Dienstes in der Feuerwehr bei, so dass sich junge Menschen über das Thema „Technik“ angesprochen fühlen. Wer sich wie die Feuerwehrfrauen und –männer in der Samtgemeinde ehrenamtlich um das Wohl anderer Menschen kümmert, hat meine höchste Anerkennung. Mit dieser Überzeugung begegne ich seit Jahren den Helfern von Feuerwehr und DRK, auch und gerade deshalb weil ich auf meinem bisherigen beruflichen Weg selbst im Katastrophenschutz tätig war und die Organisation des Rettungsdienstes zu meinen Aufgaben zählte. Die Feuerwehr ist darüber hinaus „Kulturträger“ auf dem Lande. Sie gestaltet unser Dorfleben und hat eine gewichtige Stimme. Wer will sich dem verschließen und außen vor bleiben? Ich denke, die Feuerwehr wird mit dem richtigen Stellenwert in der Samtgemeinde es auch weiterhin schaffen, die Jugend zu begeistern.
     
Schnelles Internet ist auf dem Lande eher Luxus. Könnten Sie sich vorstellen, mit kommunalen Finanzmitteln hier Lösungen zu schaffen? Holger Schulz: Ja, die Breitbandversorgung ist eine elementare Grundlage zum Beispiel für die Ansiedlungswilligkeit gewerblicher Unternehmen und die Attraktivität einer Gemeinde. Wir haben im Gemeinderat Wesendorf jüngst einen Beschluss zur Breitbandversorgung des Hammersteinparks mit dem Ziel weiterer Gewerbeansiedlungen mit einem erheblichen kommunalen finanziellen Anteil beschlossen. Obwohl dies eine übergeordnete Aufgabe ist, die nicht auf die Kommunen abgewälzt werden kann, setze ich mich dafür ein, wettbewerbsfähig und attraktiv zu bleiben. Daher ist eine kommunale Beteiligung auf Gemeinde- oder Samtgemeindeebene nicht mehr wegdenkbar. Auch als reiner Wohnstandort hat eine adäquate Versorgung für mich oberste Priorität. Hier gibt es in unserer Samtgemeinde noch viel zu tun; ich sehe die Entwicklung und die Möglichkeiten positiv. René Weber: Ja, wir praktizieren das bereits! Aktuell bearbeite ich einen Förderbescheid der NBank über 50 Prozent der Finanzierungslücke für den Ausbau des schnellen Internets für den Hammersteinpark mit der Maßgabe, dass die Gemeinde Wesendorf weitere 50 Prozent aus eigenen Mitteln abdeckt. Gemeinsam mit dem Landkreis kämpfe ich seit Jahren für das schnelle Internet in allen unseren Dörfern und stehe in engem Kontakt zu den Telekommunikationsanbietern. Dabei ist es wichtig, Realist zu bleiben. Viel ist in den letzten Jahren erreicht worden, allerdings wird uns dieses Thema dauerhaft beschäftigen, allein deshalb, weil die Anforderungen an das Internet und dessen Geschwindigkeit wachsen. In den Verhandlungen mit den Telekommunikationsanbietern ist Fingerspitzengefühl gefragt und manchmal hilft bei diesem Thema auch die alte Erkenntnis „Steter Tropfen höhlt den Stein“. Ich bin den Anbietern sicher schon manches Mal sehr lästig geworden und habe genau deshalb Etappensiege erzielt.
     
Bitte formulieren Sie kurz Ihre Vision für die Samtgemeinde. Wie wird beziehungsweise soll diese im Jahr 2022 aussehen, wenn Ihre Amtsperiode abläuft? Holger Schulz: Ich werde eine auch im Jahr 2021 attraktive, familienfreundliche und für alle Bevölkerungsgruppen lebenswerte sowie wirtschaftlich gut aufgestellte Samtgemeinde schaffen. Ich lebe seit 21 Jahren in unserer Samtgemeinde und kenne aus dem eigenen familiären und politischen Leben die örtlichen Bedürfnisse. Mir ist seit jeher daran gelegen, an der Weiterentwicklung teilzuhaben und hierfür Verantwortung zu übernehmen. Und dies jenseits aller Fusionsgedanken, gegen die ich mich wehre, da sich unsere örtliche Struktur mit unseren Mitgliedsgemeinden bewährt hat. Und ich bin gewillt, eine erfolgreiche Arbeit auch über diesen Zeitpunkt hinaus fortzusetzen. René Weber: „Alles Denkbare ist machbar“ – nach diesen Worten von Albert Einstein ist nicht meine Vision für die Samtgemeinde Wesendorf maßgebend - wichtig sind die Ideen und Wünsche unserer Bürgerinnen und Bürger! Dabei müssen wir das Gefühl für das Machbare schärfen und die sich ergebenden Chancen ergreifen. Mit Offenheit, Ehrlichkeit und Bürgernähe ist ein Prozess in Gang zu setzen, der mit der Aufnahme in das Dorferneuerungsprogramm Wahrenholz-Schönewörde oder dem Ideenclub Groß Oesingen bereits erfolgreich initiiert wurde. Gemeinsam mit allen Bürgerinnen und Bürgern eine lebens- und liebenswerte Heimat zu erhalten und weiter zu entwickeln sehe ich als eine wunderbare Aufgabe an.
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