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Sassenburg Wirbel um Eichenhof: Ex-Mitarbeiterin packt aus
Gifhorn Sassenburg Wirbel um Eichenhof: Ex-Mitarbeiterin packt aus
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00:19 11.01.2016
Gibt es genug Pflegepersonal? Angehörige und ehemaligen Mitarbeiter des Westerbecker Seniorenheims sprachen mit der AZ darüber. Quelle: Chavier
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Dramatisch verändert habe sich die Situation zu Beginn des vorigen Jahres. „Damals wurde uns in der Pflege noch der Bereich Hauswirtschaft zugeschlagen“, berichtet die Frau. Das bedeutete zusätzliche Arbeiten: Neben Eindecken und Abräumen für die Mahlzeiten mussten sie jetzt auch noch das Essen holen. Einige Bewohner mussten in den Speisesaal gebracht, andere auf den Zimmern versorgt werden. „Manche im Speisesaal mussten gefüttert werden, während andere zurück aufs Zimmer wollten. Wir konnten niemandem gerecht werden.“

Bestätigen könne sie auch, dass Fachkräfte häufig nicht bemerkt hätten, dass Patienten ihre Medikamente gesammelt statt eingenommen hätten. Zeit für die Bewohner fehle gänzlich. „Die Menschen dort tun mir einfach nur leid“, sagt die Pflegerin. „Es ist grausam.“

Eine weitere ehemalige Pflegekraft berichtet der AZ, dass eine ehemalige Kollegin zwar einen 30-Stunden-Vertrag habe, die Frau jedoch gefragt wurde, ob sie nicht 40 Stunden die Woche arbeiten wolle. Die Mitarbeiterin stimmte zu, jeden Monat wurde eine Zusatzvereinbarung geschlossen. Nach einiger Zeit wollte die Pflegekraft einen Vertrag über 40 Stunden haben. Ihr wurde daraufhin mitgeteilt, dass sie diese 40 Stunden zunächst ein halbes Jahr auf Probe bekomme. Laufe alles gut, werde sie nicht krank und gebe es keine Klagen, werde sie dann einen festen Vertrag über 40 Stunden bekommen. „Jetzt ist meine frühere Kollegin krank und mit Burnout zuhause“, so die AZ-Informantin.

Verdi: "Opfer des Systems"

Der Wirbel ums Seniorenheim Haus Eichenhof – die AZ erkundigte sich bei der Gewerkschaft Verdi, die für tarifgebundene Häuser zuständig ist. Und sprach mit Brigitte Horn, Gewerkschaftssekretärin im Bereich Gesundheitswesen.

„Man benötigt in einer solchen Einrichtung eine bestimmte Anzahl von examinierten Pflegekräften. Laut Heimpersonalverordnung müssen dies 50 Prozent der Mitarbeiter sein, die aber über das gesamte Haus verteilt sein können“, erläutert Horn. Sie sei der Auffassung, „dass für eine qualifizierte Pflege mindestens 70 Prozent examinierte Pflegekräfte nötig sind“. Aus Kostengründen würden diese 70 Prozent jedoch in kaum einem Seniorenheim erreicht.

Die Menge des Personals werde häufig auch als Steuerungsinstrument genutzt. „Ein solches Haus ist eine schwankende Größe. Bewohner sterben, es werden Plätze frei, die nicht sofort wieder besetzt werden können.“ Dann fordere der Arbeitgeber die Flexibilität seines Personals. Stundenzahlen würden mal hoch, mal runtergefahren – je nach Bedarf. Das sei gerade in Betrieben der Fall, die nicht tarifgebunden seien. „Beschäftigte und Bewohner sind Opfer dieses Systems“, sagt Brigitte Horn.

cha

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