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Einbruch: Die Opfer kannten sogar die Täter

Meinersen Einbruch: Die Opfer kannten sogar die Täter

Meinersen. Ein Einbruch ist schon schlimm genug: Da durchwühlt jemand Schränke und Regale. Noch schlimmer ist es, wenn man die Einbrecher persönlich kennt. Das erging einem Ehepaar aus der Samtgemeinde Meinersen so. Das aus ihrer Sicht viel zu milde Strafmaß ärgert sie.

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Die Folgen sind nicht nur materiell: Einbruchsopfer leiden auch später noch unter der Tatsache, dass Fremde in ihren Räumen herumwühlten.

Quelle: Bodo Marks

Die Polizei ermittelte monatelang. Nach akribischer Recherche wurden vier Täter dingfest gemacht. Ihnen wurden 51 Einbrüche in Büroräume, Physio- und Arztpraxen nachgewiesen - darunter auch der Einstieg in das Haus eines Ehepaars in der Samtgemeinde Meinersen (Name der Redaktion bekannt).

Vor Gericht wurden letztlich nur 14 Praxis-Diebstähle verhandelt. Es gab so milde Urteile, dass die Geschädigten nur den Kopf schütteln. Im Mai vorigen Jahres war in das Haus des Paares eingebrochen worden. Der Schaden betrug rund 20.000 Euro. Räume waren durchwühlt, Schränke und Regale gelehrt worden. Das Ehepaar berichtet, die Polizei habe eine vierköpfige Tätergruppe ermittelt. Die Betroffenen erfuhren, dass dem Quartett 51 Einbrüche zugeordnet wurden und dass alle Vier vorher schon durch „Straftaten wie Körperverletzung und Diebstahl in Erscheinung getreten waren“. Kaum glauben mochte das Paar, dass es drei der vier Männer kennt. „Sie haben bei uns gearbeitet oder hatten ein Praktikum absolviert.“ Vor Gericht seien dann nur Praxis-Diebstähle verhandelt worden, „die Einbrüche wurden ignoriert“. Die Anwälte hätten darauf gepocht, dass die Täter spielsüchtig sind und eine Ausbildung absolvieren. Anlass offenbar für milde Urteile, vermutet das Ehepaar.

So habe einer der Täter, schon unter zweifacher Bewährung stehend, erneut Bewährung bekommen. Ein anderer soll 100, der dritte 20 Sozialstunden ableisten, der vierte 1000 Euro Geldstrafe zahlen. Das Fazit der Betroffenen: „Wenn wir über dieses Strafmaß nachdenken, wundern wir uns nicht mehr, dass die Einbruchsrate immer mehr steigt.“ hik

Meinersen (hik). „Ich weiß bis heute nicht, ob es mir nicht besser gehen würde, wenn ich keine Gesichter zu den Einbrechern hätte“, sagt die Frau, in deren Haus eingebrochen worden ist (siehe Text links). „Es ist ein Schock, wenn man auf Fahndungsfotos Bekannte findet.“ Sie kann es nach wie vor kaum fassen: „Diese Leute haben alles auf den Kopf gestellt, Kleidung aus den Schränken gerissen, jede Schublade geöffnet oder rausgerissen, und dabei den Inhalt auf dem Boden verteilt. Sie waren in unseren Privaträumen – hier essen und schlafen wir“, ist sie fassungslos. Die Versicherung habe einige Schäden erstattet, sagt sie. „Trotzdem sehe ich jeden Tag die Kratzer auf dem Schrank.“

Laut Aussage vor Gericht seien die Taten immer spontan erfolgt. „Wie spontan ist es, wenn die Täter bis zu weit entfernten Einbruchsorten fahren oder sich – wie bei uns – auskannten?“, fragt sie. Die Spiel- und Drogensucht sei in der Verhandlung hervor gehoben worden. „Ich hatte das Gefühl, dass dies alles entschuldigt.“ Zwei der Täter, die noch unter das Jugendstrafrecht fallen, wurden ihrer Schilderung zufolge „zusammen zu 120 Sozialstunden verurteilt“. Dazu merkt sie an, dass „ich Stunden gebraucht habe, um unser Haus wieder bewohnbar zu machen“. Dazu kämen die Stunden, „die man als Geschädigter damit verbringt, all das zu belegen, was geklaut und beschädigt wurde“. Sie wiederholt: „120 Sozialstunden“ und zeigt sich angesichts der milden Urteile überzeugt: „Ich werde morgen wieder in der Zeitung über Einbrüche lesen...“

hik

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