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Die Kapazitäten beim Nabu sind erschöpft

Artenschutzzentrum ist fast voll belegt Die Kapazitäten beim Nabu sind erschöpft

Trotz Aufklärung, trotz Appelle, trotz Mahnungen wird es schlimmer, sagt Bärbel Rogoschik, Chefin im Nabu-Artenschutzzentrum. Schlangen und Schildkröten werden da entsorgt, Schwalbennester samt Inhalt von der Wand geschlagen. Unkrautvernichter wird da bei jeder Blattlaus eingesetzt. Als Folge gibt es immer weniger Insekten und Mäuse.

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Schwalbenschwemme: Jungtiere jeden Alters werden von Sonnenauf- bis Sonnenuntergang mit der Pinzette gefüttert.

Quelle: Hilke Kottlick

Leiferde. Es gibt immer weniger Mäuse und Insekten. Sie fehlen auf dem Futterzettel junger Wildtiere, die deshalb kurz vor dem Verhungern sind. Folgt ist, dass immer mehr wilder Nachwuchs im Nabu-Zentrum abgeben wird. Fazit jetzt: Die Kapazitäten dort sind erschöpft. „Es gibt bei uns nichts, was es nicht gibt“, sagt Rogoschik. Sie zählt Schwalben, Turmfalken und andere Vögel auf. Dazu kommen Exoten. Alles ist belegt, „höchstens eine Vogelspinne findet noch Platz“, sagt sie.

Die Mutter wurde bei Braunschweig überfahren

Die Mutter wurde bei Braunschweig überfahren: Die jungen Höckerschwäne werden jetzt in Leiferde versorgt.

Quelle: Hilke Kottlick

Was auffällt, ist laut Rogoschik derzeit eine Vielzahl von jungen Schwalben, die im Nabu-Zentrum aufgezogen werden. „Schwalbennester werden samt Jungen darin einfach von der Wand geschlagen obwohl diese Vögel und auch die Nester unter Schutz stehen“, weiß sie. Dazu komme der fehlende Lehm in der Landschaft. „Die Schwalbennester halten nur noch schlecht auf dem schmutzabweisenden Putz der Häuser, sie fallen einfach ab. Ihr Tipp: „Künstliche Nester anbringen“ – sie können im Internet bestellt oder im Nabu-Zentrum erstanden werden. In Höhe des alten Nestes angebracht, können die Jungtiere wieder eingesetzt werden. „Meistens füttern die Eltern dann weiter“, sagt die Nabu-Chefin.

Waldohreule und Waldkauz

Waldohreule und Waldkauz: Auch diese jungen Jäger der Nacht werden in Leiferde aufgezogen.

Quelle: Hilke Kottlick

Was ihr ebenfalls auffällt: „Es gibt weniger Insekten.“ Sie schiebt das auf den vermehrten Einsatz von Gift in Gärten und auf Feldern. „Taucht auf einer Rose eine Blattlaus auf, wird doch sofort Gift gespritzt“, meint sie und ist überzeugt, dass viele Naturschutzprobleme selbst gemacht sind.

Polizeieinsatz in Gifhorn

Polizeieinsatz in Gifhorn: Weile sie diese Schlange auf der Fallerslebener Straße entdeckt hatten, riefen die Beamten Bärbel Rogoschik um Hilfe. Sie nahm die harmlose Kornnatter mit nach Leiferde ins Nabu-Zentrum.

Quelle: Hilke Kottlick

Auch Turmfalken müssen Rogoschik zufolge wieder zahlreich im Zentrum aufgezogen werden. Der Grund dafür ist, dass die Mäuse als Hauptnahrung fehlen. Sie rechnet auch damit, dass noch weitere Jungstörche kommen. „Sie lernen jetzt das Fliegen. Kommt Sturm auf, stürzen sie ab und müssen versorgt werden“, weiß Rogoschik. Auch sei ihr aufgefallen, dass viele Störche wieder „Hungermale am Gefieder“ aufweisen, ein Indiz für mangelhafte Ernährung während des Aufzucht.

Ausgesetzt oder weggelaufen

Ausgesetzt oder weggelaufen?: Auch etliche Schildkröten werden versorgt.

Quelle: Hilke Kottlick

Zu der Vielzahl von Vögeln, die zurzeit im Zentrum gefüttert werden müssen, kommen die Exoten hinzu. Ausgesetzt wegen Urlaubs, beschlagnahmt wegen schlechter Haltung bevölkern derzeit Schlangen und Leguane nahezu sämtliche Käfige und Volieren der Station. Die Enge ist so akut, dass Rogoschik zufolge die behördliche Anfrage nach Aufnahme eines Leguans abgelehnt werden musste. „Es geht nicht“, sagt sie und zieht angesichts der Vielzahl an Pflegetieren das bittere Fazit: „Wir Menschen lassen keinen Raum für andere.“

Von Hilke Kottlick

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