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Meinersen Als Glücksbringer im Einsatz
Gifhorn Meinersen Als Glücksbringer im Einsatz
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09:02 30.12.2017
Das Glücksduo aus Ahnsen: Kyra Geitz und ihr Vater Andreas Möhle. Quelle: privat
Ahnsen

Beide Glücksbringer haben stets Hochsaison – da berühren die Menschen die goldenen Knöpfe ihrer Kluft, bei Hochzeiten stehen sie Spalier, im Supermarkt stoßen sie an Silvester mit den Kunden an.

Andreas Möhle arbeitet heute als selbstständiger Ofensetzer. Tochter Kyra Geitz trat in seine beruflichen Fußstapfen. Ein Schülerpraktikum im väterlichen Betrieb hat auch ihr ehemals Glück beschert, denn von dem Tag an war für die jetzt 29-Jährige klar: „Dies ist auch mein Job“. Nach Lehre und Gesellenzeit arbeitet sie ihrem Vater zufolge jetzt als freie Schornsteinfegermeisterin und hat damit viele seiner ehemaligen Kunden übernommen.

Die Schornsteinfeger steigen den Menschen aber nicht nur aufs Dach – sie haben gleichsam die Hoffnung der Menschen auf Glück im Gepäck. „Da ist mir schon so mancher an die Knöpfe meiner Jacke gegangen, um sie zu berühren“, schmunzelt Möhle. Tochter Kyra stand bereits in rußgeschwärzter Kluft als Glücksbringer bereit, „im Spalier zur Hochzeit oder im Supermarkt – dort habe ich mit Sekt und Orangensaft mit den Kunden aufs neue Jahr angestoßen“, erinnert sie sich an Kundschaft, „die sich darüber gefreut hat“.

Andreas Möhle berichtet von einem ganz besonderen Fall. Der Schornsteinfeger arbeitete in Teichgut und kam zufällig auf eine Hochzeit zu. „Als die Braut mich sah, kam sie angestürmt und fiel mir begeistert um den Hals“, schmunzelt er und ergänzt mit trockener Stimme: „Und dann war ihr Hochzeitskleid irgendwie nicht mehr weiß.“

Beide Schornsteinfeger sind oft begehrt auch beim Wechsel ins neue Jahr. Was sie in diesem Jahr an Silvester unternehmen, steht indes noch nicht fest: „Mal sehen, wir haben noch nichts vor“, sagt Möhle. Aber er scheint guter Dinge zu sein – „mit ein bisschen Glück wird sich auch da wohl noch etwas ergeben“.

Tradition des Glücksbringers

Warum der Schornsteinfeger Glück bringt, weiß Andreas Möhle genau. „Dieser Aberglaube stammt aus dem Mittelalter“, sagt er. Danach drehte sich damals das winterliche Leben um den Kamin des Hauses. War der verstopft, konnte kein Feuer mehr entzündet und das Essen nicht mehr zubereitet werden. „Der Rauch zog nicht mehr ab und die Menschen drohten an einer Rauchvergiftung zu sterben.“ In dieser Situation brachte der Kaminkehrer oder Schornsteinfeger die Rettung. Er säuberte den Kamin, es konnte wieder gekocht und geheizt werden und die Reinigung des Schornsteins sorgte zudem dafür, dass sich kein angestauter Ruß mehr entzündete und das Haus in Brand setzte. „Das Glück war in das Haus zurück gekehrt“, erläutert Möhle. Heute hoffen die Menschen auf Glück, wenn sie einen Schornsteinfeger berühren oder den goldenen Knopf seiner Jacke anfassen.

Von Hilke Kottlick

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