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Isenbüttel Züchterin hat 600 Taglilien im Garten
Gifhorn Isenbüttel Züchterin hat 600 Taglilien im Garten
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00:17 21.07.2017
Es wird eng: Jessica Bensch inmitten ihrer ältesten Taglilien im Vorgarten. Quelle: Christina Rudert
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Calberlah

Nur die Harten kommen in den Garten: Ein blöder Spruch, aber hier trifft er zu. Jessica Bensch und ihre Zwillingsschwester Anika Bensch-Heger züchten Taglilien. „Und wer den Winter im Freien nicht überlebt, fliegt raus“, sagt Jessica Bensch.

Vor acht Jahren kam die erste Taglilie in Jessica Benschs Garten an: „Das war eine Staude aus dem Baumarkt, die ich zum halben Preis bekommen habe.“ Als diese Staude im nächsten Sommer eine wahre Blütenpracht entwickelte, wurde Jessica Bensch neugierig. „Ich habe intensiv im Internet recherchiert und herausgefunden, dass meine Taglilie eine Fulva war, eine Urpflanze.“

Jessica Bensch züchtet filigrane Taglilien mit Mustern

Mittlerweile stehen um die 600 Taglilien in Calberlah auf dem 900 Quadratmeter großen Grundstück. Einige hat sie bei Ebay ersteigert, andere bei einem Händler ihres Vertrauens in Walsrode erworben, etliche selbst gezüchtet. „Ich bräuchte jetzt mehr Beet, aber mein Mann gibt nicht mehr Rasen her“, lacht Jessica Bensch. „Also muss ich Sämlinge – so heißen alle Taglilien, bis sie einen Namen haben und registriert sind – aussortieren.“ Und zwar die, die sie ihrem Zuchtziel nicht näher bringen. „Ich will filigrane Taglilien mit Muster.“

Anika Bensch-Heger, von ihrer Schwester vor einigen Jahren mit dem Züchter-Virus infiziert, hat ein anderes Ziel: „Ich züchte auf Größe.“ Bei 1,75 Meter ist die Vollbüttelerin inzwischen. „Wir züchten also auf völlig verschiedene Ziele hin. Deshalb sind wir auch keine Konkurrentinnen, sondern ergänzen uns in unserer Leidenschaft.“ Eine Leidenschaft, „die uns erdet“, findet Anika Bensch-Heger.

Sie seien allerdings auch gärtnerisch vorbelastet, gestehen die beiden. „Unser Großvater hat Stiefmütterchen gezüchtet, unser Vater Kakteen.“ Die Vielfalt der Taglilien habe sie fasziniert, begründet Jessica Bensch ihre Entscheidung.

Mittlerweile wird der Garten zu klein, Jessica Bensch muss sich von einigen Taglilien trennen. „Wer Interesse hat, kann sich bei mir melden“, bietet sie an. Auf ihrer Homepage www.taglilien-zoo.de sind Angebote und Kontaktmöglichkeiten zu finden.

Die Blütensamen überwintern im Kühlschrank

Das Züchten der Taglilien sei „ganz einfach, außerdem ist die Taglilie eine Pflanze für faule Gärtner“, findet Jessica Bensch. „Die Frage ist aber immer, was beim Züchten heraus kommt – das ist oft genug eine Überraschung“, ergänzt ihre Schwester Anika Bensch-Heger.

Die Pollen der einen Pflanze werden auf den Stempel einer anderen Pflanze gerieben, „eigentlich mit einer Pinzette, aber ich mache es inzwischen mit dem Finger“, dann wird ein fünf Zentimeter langer, an einem Ende zugeklebter Strohhalm-Teil über den Stempel gestülpt. „Damit der Pollen drauf bleibt und es keine Fremdbefruchtung mehr gibt“, erklärt Anika Bensch-Heger. Ein Anhänger mit den Namen von Mutter und Vater der Neuzüchtung wird drangehängt. „Sobald die Blüte verblüht ist, bildet sich eine Samenkapsel.“ Die wird in ein Beutelchen gesteckt und überwintert im Kühlschrank. „Im Frühjahr lege ich die Kapsel eine Woche in Wasser, und dann kommt der Samen in Anzuchterde ins Gewächshaus“, schildert Jessica Bensch.

Gedüngt wird einmal im Frühjahr, „mit Blaukorn oder Rasendünger“, und dann bei Bedarf gegossen. „Die Wurzeln speichern viel Wasser, so dass die Pflanze nicht so leicht austrocknet“, sagt Anika Bensch-Heger.

Sie betreibt etwas mehr Aufwand, besonders um ihre Neuerwerbung „Undefinable“, eine Züchtung aus den USA, die innen gesprenkelt ist – eine Rarität von nicht unerheblichem Wert. „Da hat sie einen Regenschirm drüber gestellt und ein Fliegengitter aufgespannt“, lacht Jessica Bensch. „Als die erste Blüte kam, bin ich fast den ganzen Tag um diese Blüte herum gewandert und habe sie bewundert“, verrät Anika Bensch-Heger. „Die Undefinable ist aber auch die Erfüllung eines Wunschtraums gewesen.“ Um die Schönheiten in ihrem Garten richtig genießen zu können, hat sie sich jetzt „drei Wochen Taglilien-Urlaub“ genommen.

Von Christina Rudert

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