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Kampf für Aufklärung von DDR-Verbrechen

Isenbüttel Kampf für Aufklärung von DDR-Verbrechen

Isenbüttel. Unermüdlich kämpft Heidi Stein für die Stasi- und SED-Opfer, für Aufklärung der DDR-Vergangenheit und der Verbrechen, die im Namen des Staates begangen wurden. Dieser Einsatz stößt auf großen Widerstand, wie sie berichtet.

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Verweis auf wissenschaftliche Untersuchung: Heidi Stein kämpft für die Aufarbeitung des SED-Unrechts.

Quelle: Rudert

In ihrem Blog „Dirk vermisst“ im Internet gab es massive Drohungen gegen sie, sie wurde auf üble Weise beschimpft. „Wir werden uns wohl wieder einen Anwalt nehmen müssen“, seufzt Heidi Steins Ehemann Heinz Liegmann, der sich gewünscht hätte, dass die Polizei von sich aus ermittelt. „Den Blog schließen bringt auch nichts, dann kommen die Drohbriefe per Post“, ergänzt Heidi Stein.

Sicher hofft sie, mit Hilfe des Blogs endlich eine Spur ihres 1979 verschwundenen Sohnes Dirk Schiller zu finden – ebenso wie mit Hilfe ihrer zahlreichen Medienauftritte, zuletzt bei RTL Explosiv. „Da gibt es inhaltlich nicht unbedingt Neuigkeiten, aber ich will, dass möglichst viele Menschen erreicht werden.“ Und zwar über das Anliegen hinaus, ihren Sohn zu finden: „Es ist in Deutschland wieder wie nach der Nazi-Zeit: Das Unrecht wird geleugnet, es kann nicht aufgearbeitet werden.“

Ob es die Entschädigungszahlungen für SED-Opfer oder das Aufdecken von Unrecht ist, „wir müssen darüber reden, das muss Unterrichtsstoff in den Schulen werden, darüber muss geforscht werden“. Sie verweist dabei auf das Buch „Disziplinierung durch Medizin“, eine wissenschaftliche Arbeit von Florian Steger und Maximilian Schochow über Frauen, die in DDR-Kliniken teilweise ohne medizinische Indikation täglich gynäkologische Untersuchungen über sich ergehen lassen mussten. „Aber die Täter stehen bis heute nicht zu dem, was sie getan haben – es geht nicht mal um eine Bestrafung, sondern darum, das Geschehene zu verarbeiten“, sagt die Isenbüttelerin Heidi Stein.

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Anlaufstation für Mütter vermisster Kinder

Isenbüttel.  Seit 1979 sucht Heidi Stein ihren im Ostharz verschwundenen, damals dreijährigen Sohn. Hatte die Stasi ihre Finger im Spiel? Nicht nur ihr Sohn verschwand, wie die Isenbüttelerin weiß: „In der DDR wurden laut Dunkelziffer 10.000 Kinder vermisst.“ Zig Mütter suchen bis heute. Für die hat Heidi Stein jetzt eine Anlaufstelle gefunden: die Landesbeauftragte für die Stasi-Unterlagen in Magdeburg, Birgit Neumann-Becker.

Vor ein paar Tagen hat Heidi Stein die Landesbeauftragte getroffen und von ihr die Zusage bekommen, dass Frauen aus der ehemaligen DDR, die ihre Kinder vermissen, sich an sie wenden können. „Anfang Februar wird die erste Mutter mit ihr sprechen“, freut sich die Isenbüttelerin.

Die Geschichte dahinter ist tragisch: 1984 brachte die Frau im Krankenhaus in Stendal ein Mädchen zur Welt, angeblich tot. „Aber dann hätte sie einen Totenschein bekommen und es hätte eine Beerdigung gegeben“, weiß Heidi Stein aus eigener Erfahrung – sie hatte selber eine Totgeburt. Dass eine Krankenschwester von dem hübschen Mädchen erzählt hat, ließ die Mutter noch mehr am Tod ihres Babys zweifeln. Eine Exhumierung des angeblichen Leichnams wurde ihr verweigert.

In dem Stendaler Krankenhaus sollen noch mehr Babys verschwunden sein, sieben Mütter haben Kontakt zu Heidi Stein aufgenommen. Was ist mit den Säuglingen passiert? Haben Stasi-Mitarbeiter sie gestohlen und als eigene ausgegeben, um dem vom Staat gewünschten Bild der Zwei-Kind-Familie zu entsprechen? Wurden gar Kinder verkauft, um an Devisen zu kommen? Heidi Stein kann nur spekulieren.

Auf alle Fälle setzt sie auf Unterstützung durch Birgit Neumann-Becker. „Sie will die anderen Stasi-Unterlagen-Behörden für das Thema sensibilisieren.“ Für den Herbst ist ein runder Tisch geplant für Familien, die ihre in der DDR vermissten Kinder suchen, „dann mit Beratern und Psychologen“.

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Steins Termine

Heidi Stein und Heinz Liegmann setzen ihren Kampf gegen das Vergessen des DDR-Unrechts fort. Drei Termine stehen im Mai bereits fest:

- Am Sonnabend, 9. Mai, ist Heidi Stein bei einer Lesung im ehemaligen Umerziehungslager in Torgau.

- Am Mittwoch, 20. Mai, gibt es im ZDF eine Sondersendung von Aktenzeichen XY – ungelöst über vermisste Kinder.

- Zum Tag der vermissten Kinder am Pfingstmontag, 25. Mai, sind Heidi Stein und Heinz Liegmann wieder in Berlin, der genaue Ort steht noch nicht fest. Mit dabei sind der Sänger, Entertainer und Moderator Rainer Garden sowie als zweiter

Gastgeber neben Heidi Stein der Christian Geers vom Projekt Vermisstensuche.

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