Chance Inklusion: Professor Dr. Hans Wocken erläuterte die zahlreichen Vorteile einer gemeinsamen Beschulung aller Kinder.
Großes Interesse: Zur Tagung des Behindertenbeirats zum Thema gemeinsamer Unterricht kamen 130 Teilnehmer nach Meinersen.
Erst zehn Prozent der behinderten Schüler besuchten in Niedersachsen eine Regelschule, sagte della Monica. Ihr Kollege Hajo Hoffmann ließ die langwierigen Bemühungen um ein Gesetz in Niedersachsen Revue passieren: Vor eineinhalb Jahren hätten Diskussionen begonnen, dann habe es in diesem Jahr Entwürfe geben sollen, dann doch wieder nicht. Nun habe er gehört, im November solle es angehen. „Für uns ist das fehlende Gesetz eine Enttäuschung“, sagte Hoffmann. Ein Vertreter des Kultusministeriums hatte seine Tagungs-Teilnahme kurzfristig abgesagt.
Dennoch ist es dem Behindertenbeirat wichtig, vor Ort aktiv zu sein. „Im Landkreis gibt es bereits gute Erfahrungen, etwa in integrativen Krippen und Kindergärten. Aber auch im schulischen Bereich“, sagte della Monica. Ein Beispiel: die Hauptschule Meinersen. Konrektorin Frauke Heisterhagen berichtete von der Integrationsklasse: „Eine Bereicherung.“
Der Unterricht verschiedener, gemischter Lerngruppen in einer Schule für alle ist der richtige Weg. Davon ist Professor Dr. Hans Wocken überzeugt. Der Wissenschaftler der Uni Hamburg war Top-Gastredner bei der Fachtagung des Behindertenbeirats zur Inklusion in Meinersen.
Die Inklusion gehe das ganze Schulsystem an: „Pädagogik hat kein Recht, Kinder auszuwählen. Sie muss alle annehmen“, betonte Wocken. Inklusion umfasse übrigens nicht nur behinderte Kinder in Regelschulen, es gehe auch um die Förderung benachteiligter Kinder an sich. „Inklusion leistet einen Beitrag zur Chancengleichheit“, so Wocken.
Zudem sei sie pädagogisch sehr förderlich. Die Kinder lernten alle voneinander. Das bringe auch die weiter, die anderen etwas erklärten: „Erklären macht schlau. Dafür muss man erst verstehen und sich dann überlegen, wie man das Wissen anderen vermittelt“, erläuterte Wocken.
Und Inklusion schult auch die soziale Kompetenz, das Miteinander-Können: „Sie übt täglich das Miteinander der Verschiedenen“, sagte Wocken. Weiterer Vorteil: Die Schule für alle sichere den wohnortnahen Unterricht bei sinkenden Schülerzahlen.
Außer Wocken informierten auch Dr. Margarete Oelke-Hofmann und Hajo Hoffmann vom Behindertenbeirat über den Stand der gesetzlichen Rahmenbedingungen in Niedersachsen. Später folgten Workshops für Schulleiter, Eltern, Politik und Verwaltung.
cn