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Wie widme ich dem Atem ein Viertel Aufmerksamkeit?

Wasbüttel Wie widme ich dem Atem ein Viertel Aufmerksamkeit?

Stilles Sitzen. Mehr steht da nicht zu der Veranstaltung, die jede Woche in der Alten Schule in Wasbüttel angeboten wird. Ich bin neugierig: Was steckt dahinter? Ich frage nach: Darf ich mal mitmachen? Die Antwort ist überraschend unkompliziert und herzlich: Kommen Sie einfach vorbei.

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Stilles Sitzen: Jede Woche laden Christina Krane (r.) und ihr Mann Christian zur angeleiteten Meditation in die Alte Schule nach Wasbüttel ein, die Gruppe ist offen.

Quelle: Christina Rudert

Aus dem Internet weiß ich, dass Stilles Sitzen eine buddhistische Meditationstechnik ist, mehr nicht. Ich bin gespannt und ein bisschen nervös. Was erwartet mich da? Wer erwartet mich da?

Zunächst einmal Christian Krane, der mich gleich an der Eingangstür begrüßt. Keine Sonderbehandlung, er steht jede Woche dort und nimmt alle Teilnehmer in Empfang. Das gefällt mir. Christian Krane bereitet mich darauf vor, dass der Meditationsraum ohne Schuhe betreten wird, dass ich die Wahl habe zwischen einem Stuhl und einem Sitzkissen, dass ich in einer Pause fotografieren darf. Gut. Aber in welchem Zustand befinden sich meine Socken?

Ich entscheide mich für Stuhl und nehme gleich den ersten neben der Tür. Geht es mir im Unterbewusstsein um einen kurzen Fluchtweg? Kurzes allgemeines Kopfnicken in meine Richtung. Ich nicke zurück. Ein lautes „Guten Abend“ scheint mir unpassend, ebenso wie allzu intensive Blicke. Christina Krane, die die Meditation anleitet, lächelt mir ermutigend zu. Mit ruhiger, warmer Stimme benennt sie die richtige Körperhaltung und fordert uns auf, uns auf unseren Atem zu konzentrieren, „mit 25 Prozent eurer Aufmerksamkeit“. Erst habe ich Mühe, überhaupt regelmäßig zu atmen. Dann habe ich Mühe, meine Aufmerksamkeit zu vierteln. Was mache ich mit dem Rest? Und woher weiß ich, dass es nicht doch 40 Prozent sind, die sich auf das Atmen konzentrieren?

Während sich mein Atem beruhigt, muss ich schmunzeln. Das ist doch typisch. Da hat mein Kopf schon wieder ein Problem konstruiert.

Christina Krane schlägt die tibetische Klangschale, die erste Sitzung ist beendet. In der Pause darf sich jeder recken oder anders hinsetzen, und mir wird bewusst: Richtig entspannt habe ich da eben noch nicht gesessen.

Drei Schläge auf die Klangschale, die nächste Sitzung beginnt. Jetzt geht es um Körperwahrnehmung. Mir tut der Rücken weh. Darauf soll ich mich konzentrieren. Eine Weile geht das gut. „Sammelt eure Gedanken und richtet sie wieder ganz auf euer Körperempfinden“, sagt da Christina Krane. Woher weiß sie, dass meine Gedanken gerade bei meiner To-do-Liste waren?

Im Laufe der Stunde merke ich, wie ich entspanne. Wie ich mich wahrnehme. Wie meine Gedanken sich sortieren.

Die letzte Sitzung vor dem Ausklang ist einem Weisheitsspruch gewidmet, dieses Mal hat Christina Krane eine Gedichtzeile des tibetischen Yogi und Asketen Milarepa aus dem zehnten Jahrhundert gewählt: „Gestilltes Verlangen verstärkt den Durst wie Salzwasser“. Mehrfach wiederholt sie den Satz, lädt ein, die Worte in sich nachhallen zu lassen, bevor wir ins Gespräch darüber kommen. Spätestens in diesem Moment habe ich das Gefühl, hier richtig gut aufgehoben zu sein. Nur meine Füße sind kalt geworden.

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INFO:

Einmal in der Woche – ab sofort wieder montags um 20.15 Uhr – laden Christina und Christian Krane zum Stillen Sitzen in die Alte Schule nach Wasbüttel ein. Es geht um Meditation mit Anleitung, die Technik stammt aus dem Buddhismus, aber „wir sind konfessionell offen“, sagt Christian Krane.

So sucht seine Frau Christina Krane, die die Meditation anleitet, zu jedem Treffen einen anderen Weisheitsspruch aus, „mal von Goethe, mal aus der Bibel, mal von Einstein“. Beim Stillen Sitzen handelt es sich um eine offene Gruppe, jeder kann jederzeit dazu kommen und auch wieder weg bleiben. Wer die Technik gerne kennen lernen möchte oder überhaupt mal ausprobieren möchte, ob Meditation gut für ihn wäre, ist willkommen.

Zurzeit sind vier bis acht Teilnehmer dabei, die meisten Frauen. Darunter welche, die schon lange Erfahrung mit Meditation haben, und solche, die damit gerade erst beginnen. „Wir haben noch freie Plätze“, sagt Krane.

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