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Wichtig: Hobby, Sport und ein Chef mit Antenne

Gifhorn Wichtig: Hobby, Sport und ein Chef mit Antenne

Depressionen schließen ein Bestehen im Berufsalltag nicht aus. Voraussetzungen: Hobbys, Sport – und ein Chef mit „Antenne“.

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Quelle: Archiv

Woher die Depressionen gekommen sind, weiß Jürgen Müller (Name geändert) nicht. „Das ist ein schleichender Prozess.“ Der sich so gesteigert hat, dass der 51-Jährige voriges Jahr zweimal versucht hat, sich das Leben zu nehmen. Heute steht er wieder seinen Mann im Job – Ergebnis harter Arbeit mit seinen Therapeuten und sich selbst.

Müller hat ein Fitnessstudio im Keller mit Laufband und Ergometer. Im Sommer züchtet er Schildkröten, im Winter hat er seine Modelleisenbahn. Das hat er bei seinen Therapeuten gelernt: „Hobbys lenken vom Grübeln ab. Und Sport baut Spannungen ab.“

Das reicht nicht, wenn nicht auch der Chef mitspielt. Seit kurzem hat Müller einen, der Gespür für seine Bedürfnisse hat. „Ich kann mit meinem jetzigen Chef offen reden.“ Früher musste er beim Arzt einen gelben Schein holen, wenn er eine Auszeit brauchte, heute bekommt er Urlaub. „Das motiviert zur Arbeit.“

Müller wünscht sich viel mehr Chefs und Vorgesetzte, die das erkennen. Doch bis dorthin wird es seiner Ansicht nach noch ein weiter Weg sein. „Die Depression ist immer noch nicht gesellschaftsfähig geworden. Auch nicht nach Robert Enkes Selbstmord.“

rtm


Erst der Kollaps bringt die Klarheit

Schüchtern und verschlossen, Panikattacken vor Terminen, oft krank und gekränkt: Karin Müller (Name geändert) leidet seit ihrer Kindheit. Worunter, erfuhr sie Jahrzehnte später nach einem Nervenzusammenbruch. Erst seit 2009 kämpft die 55-Jährige gezielt gegen ihre Depression.

„Ich war immer viel allein“, sagt Müller über ihre Kindheit. „In der Klasse war ich die Einzelgängerin, die Schüchterne, die sich nie gemeldet hat.“ Ihre Schwestern waren immer auf Achse, sie ging nie aus.

Antrieb besorgten die Eltern: Sie sollte an der Stanze arbeiten. „Ich wurde heulend ins Auto gesetzt und hingefahren.“ Fast so kam auch die Hochzeit zu Stande. „Ich habe immer nur gehorcht.“ Gegen eigene Wünsche – Kindergärtnerin werden, als Tagesmutter Kinder aufnehmen – standen die von Eltern und Ehemann.

Mit 40 Jahren spitzt sich die Lage zu. Einen neuen Job, angestoßen von einer Bekannten, geht sie mit ungutem Gefühl an, sie kommt nicht klar, verliert Gewicht und Kraft. „Ich lag zwei Jahre lang flach.“ Ein Homöopath tippt auf Amalgam-Vergiftung, eine Spezialklinik bestätigt das. Müller, die auch sonst oft kränkelt, vermutet den Stress als Auslöser.

Der Tod des Vaters und Konflikte darum in der Familie lösen jenen Zusammenbruch aus, der eine Kehrtwende einleitet. Der Hausarzt erkennt die Depression, Müller kommt in eine Klinik. Aus vier Wochen werden vier Monate. Bis 2012 war sie ambulant in Therapie, noch heute ist sie in ärztlicher Behandlung und bei Stellwerk. Andere gefunden, denen es genauso geht: „Die ticken so wie ich – eine tolle Erfahrung.“

rtm

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