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Unfallopfer setzt auf Cannabis gegen Schmerz

Wegbereiter im Landkreis Gifhorn Unfallopfer setzt auf Cannabis gegen Schmerz

Der Schmerz ist sein ständiger Begleiter, seit Eric K. (Name geändert) sich 1999 bei einem Unfall die Wirbelsäule brach. Mittlerweile sei er austherapiert, haben die Ärzte gesagt. Als das Betäubungsmittelgesetz geändert wurde und Cannabis als Arzneimittel verschrieben werden durfte, tauchte am Horizont des 39-Jährigen ein Hoffnungsschimmer auf.

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Mittel der Schmerztherapie: Cannabis kann die Qualen der Patienten lindern – doch so ganz unumstritten ist die Therapie nicht.
 

Quelle: EPA

Gifhorn.  „Ich stecke voll mit Schmerzmitteln“, berichtet K. von Targin, einem Opioid-haltigen Mittel, dessen Liste an Nebenwirkungen lang ist. Bei ihm löst es Konzentrationsschwäche, Schläfrigkeit und Verwirrtheit aus, die Dosierung muss immer wieder erhöht werden. „Aus einer Bedarfsmedikation ist eine Dauermedikation geworden.“ Die noch dazu körperlich abhängig macht, was Cannabis nicht tue. Er hofft auf mehr Lebensqualität durch Cannabis.

Sein Hausarzt verschrieb es ihm. Im März ging der Antrag an die Krankenkasse, die Genehmigung ließ auf sich warten, K. hakte mehrfach nach. Dann kam die Information, die Pharmazeutische Beratungsstelle werde eingeschaltet. „Ich wurde so hingestellt, als wollte ich kostenlos an Drogen kommen.“

Dann forderte der Medizinische Dienst innerhalb bestimmter Fristen einen Nachweis des Arztes, dass keine Drogenabhängigkeit besteht, und ein orthopädisches Gutachten. Der Brief landete erst nach Ablauf der Fristen bei K. Sein Arzt war im Urlaub, K. ließ freiwillig ein Haarscreening machen und fand einen Orthopäden, der innerhalb einer Woche das Gutachten erstellte. Auch der empfahl die Therapie mit Cannabis.

Wegen der verstrichenen Fristen wertete die Kasse K.s Schreiben als Neuantrag, wieder wurde der Medizinische Dienst eingeschaltet, die Ablehnung kam nach einer Woche. „Mit der Begründung, die muskuläre Dysbalance könne anders behandelt werden.“

K. war sauer: „Ich darf maximal eine halbe Stunde sitzen und zehn Minuten stehen, habe wegen des Lendenwirbelsäulenbruchs einen Flachrücken und eine dauerhafte Fehlhaltung – und die gehen nur auf die Dysbalance ein!“ Er legte Widerspruch ein, mit Erfolg: „Der Aufwand hat sich gelohnt.“ Zunächst für ein Quartal hat er jetzt Dronabinol-Tropfen verschrieben bekommen, dann wird die Krankenkasse prüfen, ob und wie die Wirkung ist. Sollte alles gut gehen, „bekomme ich das Cannabis dann unbefristet genehmigt“, hofft K., dass er damit auch anderen Schmerzpatienten einen Weg geebnet hat. Einen Teil seiner bisherigen Medikamente hat er schon erfolgreich abgesetzt.

Das sagt der Kreissprecher der Kassenärztlichen Vereinigung

Seit Sommer dürfen auch Ärzte im Kreis Gifhorn Cannabis als Schmerzmittel verschreiben. „Das ist unter den Kollegen kontrovers diskutiert“, sagt Dr. Klaus-Achim Ehlers, Kreissprecher der Kassenärztlichen Vereinigung.

„Es ist eine Möglichkeit“, räumt Ehlers Cannabis eine Wirksamkeit als Schmerzmittel ein. „Es gibt aber andere sehr gute Therapien ohne Cannabis.“ Zum Beispiel Präparate auf Morphin-Basis: „In den vergangenen zehn Jahren hat der Einsatz von Morphinen in der Krebstherapie einen hohen Stellenwert bekommen.“ Ebenso bei starken chronischen Schmerzen. Welche Vorteile hat nun Cannabis? „Ich persönlich sehe keine“, sagt Ehlers. So gebe es auch bei Cannabis Nebenwirkungen.

Cannabis sei nun einmal ein Rauschgift – „es hat ein Geschmäckle“, ist für Ehlers ein weiterer Grund, bei den bisher bewährten Medikamenten und Therapien zu bleiben. „Ich habe noch kein Cannabis verschrieben.“ Gleichwohl gebe es immer wieder Fragen von Patienten. Wie oft seine Kollegen im Kreis schon dieses Mittel auf Rezept verschrieben hätten, dazu habe er keine Rückmeldungen. „Vereinzelt vielleicht.“

Doch: „Die meisten Kollegen sind sehr, sehr zurückhaltend“, sagt Ehlers und räumt gleichwohl ein: „Es ist ein interessantes Thema.“

Aber es sei noch zu früh für ein Urteil, das werde die Zeit bringen. „Wir werden sehen, wie die Erfahrungen damit sind.“
 

Von Christina Rudert

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