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„Über Schuld urteilt Gericht, nicht Facebook“

Gifhorn-Wilsche „Über Schuld urteilt Gericht, nicht Facebook“

Wilsche . Wie sehr soziale Netzwerke als weltweite Online-Pranger taugen, diese leidvolle Erfahrung macht gerade eine Familie aus Wilsche. Deren 13-jähriger Sohn wird beschuldigt, einen Roller gestohlen zu haben. Nun ermittelt die Polizei - wegen der Behauptungen im Internet. Die können für die Facebook-Schreiber Folgen haben.

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Facebook als Online-Pranger: Eine Wilscher Familie sieht sich verleumdet und hat die Polizei eingeschaltet.

Quelle: Sebastian Preuss (Archiv)

Wilsche. Dass die Teilnahme am Flohmarkt rund ums Kind ein solches Ende nehmen würde, hätte Manuela Kliche nicht für möglich gehalten. Nachdem ihr Sohn einen Roller verkauft habe, sei ein Ehepaar mit dem Käufer zu ihm gekommen und habe ihn „für alle gut hörbar“ beschuldigt, den Roller gestohlen zu haben. Damit nicht genug: Noch am selben Abend habe der Mann einen Facebook-Aufruf gestartet. Tenor: „Wie armselig, da klaut man einem Fünfjährigen seinen Roller und verkauft ihn im eigenen Dorf auf dem Flohmarkt.“

„Das Gerede nimmt kein Ende“, sagt Kliche. Es gebe auch Anrufe mit „Asipack, verpisst euch“ und Drohungen. „Ich kann nicht mehr richtig schlafen. Am schlimmsten ist aber mein Sohn dran.“

Am Tag des Diebstahls seien sie nicht im Ort gewesen, so Kliche. „Dafür gibt es Zeugen.“ Das, aber auch die Facebook-Welle, werde die Polizei klären, sagt Sprecher Thomas Reuter. „Wir gehen neutral an die Sache ran.“ Gleichwohl gelte: Im Rechtsstaat entscheide ein Gericht, wer schuldig sei, nicht Facebook. „So soll es bleiben.“

Der Missbrauch sozialer Netzwerke für Beschuldigungen - bis hin zu „einer Vorform von Lynchjustiz“ - sei eine unglückliche Entwicklung. Reuter: „Wir können nur davor warnen.“ Möglich seien Verurteilungen wegen Verleumdung oder übler Nachrede. „Darüber machen sich viele keine Gedanken.“

rtm

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