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Gifhorn Stadt Tod am Rotor: Windräder sind für Rotmilan eine ernste Gefahr
Gifhorn Gifhorn Stadt Tod am Rotor: Windräder sind für Rotmilan eine ernste Gefahr
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23:00 23.11.2012
Traurig: Die Jelpkerin Annegret Langbein fand den toten Rotmilan bei den Windrädern am Ortsrand und bestattete ihn in ihrem Garten. Quelle: Bastian Till Nowak

„So ein schöner Vogel, und so ein schreckliches Schicksal - ich musste richtig weinen, als ich den Rotmilan gefunden habe“, verrät Langbein. Der Körper des Vogels wurde von den Rotorblättern regelrecht auseinander gerissen. „Ein Einzelfall ist das ganz sicher nicht“, erinnert sich Langbein, dass schon vor dem Aufstellen der Windräder im Gemeinderat die Rede davon war, dass der Rotmilan nebenan im Wald zu Hause ist. „Aber ich bin eigentlich davon ausgegangen, dass man die Tiere irgendwie schützt.“

Doch das ist schwer: Die Geschwindigkeit der Rotoren ist so hoch, dass die Greifvögel das nicht einschätzen können - trotz ihrer hervorragenden Augen. Manche Windrad-Propeller drehen sich mit bis zu 230 Stundenkilometer an den Spitzen der Rotorblätter. Rettende Scheu ist bei den Greifvögeln nicht gegeben. Selbst der Krach, den die Windräder machen, kann den Rotmilan nicht vertreiben.

Übrigens könnten schon bald weitere Windräder bei Jelpke aufgestellt werden - der Zweckverband Großraum Braunschweig wägt zurzeit Vor- und Nachteile des Standorts ab. „Dabei spielen natürlich auch artenschutzrechtliche Aspekte eine Rolle“, versichert Vize-Verbandsdirektor Jens Palandt. „Die staatliche Vogelschutzwarte erstellt gerade eine flächendeckende Kartierung - wo zu viele Tiere gefährdet werden, gibt‘s keine weiteren Windräder!“

Saubere Energie oder Artenschutz?

„Ich bin nun wirklich keine Gegnerin der Windräder – irgendwo muss der Strom ja herkommen, wenn wir keine Atomenergie wollen“, sagt Annegret Langbein. Dem Bau der Windkraftanlagen bei Jelpke hat sie selbst als CDU-Politikerin im Calberlaher Gemeinderat zugestimmt. „Aber irgendwas muss man doch tun können, damit die Vögel nicht von den Windrädern geschreddert werden!“

Die Naturschützer sind zwiegespalten – auf der einen Seite die umweltfreundliche Energiequelle, auf der anderen die Bedrohung seltener Arten: „Für den Rotmilan haben wir eine ganz besondere Verantwortung“, sagt Bärbel Rogoschik, Leiterin des Nabu-Artenschutzzentrums in Leiferde. 60 Prozent des weltweiten Bestands leben in Deutschland. „Durch den massiven Ausbau der Windenergie ist der Rotmilan mit Sicherheit in seinem Bestand gefährdet“, warnt Rogoschik. Jens Palandt, Vize-Direktor des Zweckverbands widerspricht: „Wir haben 500 Windräder im Großraum, und die Population des Rotmilan ist stabil.“

Windräder sollten generell nur dann gebaut werden dürfen, wenn Natur- und Umweltverträglichkeit umfassend geprüft wurden“, fordert Vera Steder, Vorsitzende des Gifhorner Tierschutzvereins.

Und wie können Vögel vorm Tod an schon vorhandenen Windrädern bewahrt werden? Ganz einfach: Zur Brutzeit sind Brachflächen ein hervorragender Jagdgrund für den Rotmilan, während lange Getreideähren ihm die Sicht auf Feldmäuse versperren. Mit der richtigen Fruchtfolge auf den Äckern könnten Landwirte also die Gefahr verringern, dass die Tiere den Anlagen zu nahe kommen.

til