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Gifhorn Stadt Prozess: Gutachten zu toten Babys
Gifhorn Gifhorn Stadt Prozess: Gutachten zu toten Babys
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22:45 26.10.2011
Zweiter Prozesstag: Zu Wort kamen gestern zwei Rechtsmediziner und die Väter der beiden Neugeborenen, für deren Tod die Angeklagte verantwortlich gemacht wird.

Ist die Mutter (36), die sechs Jahre vorher eine 23-stündige Steißlagen-Geburt ohne Hilfe überstanden hat, nach einer Zwei-Stunden-Niederkunft in Ohnmacht gefallen? „Vom Bauchgefühl her kann ich mir eine Bewusstlosigkeit nicht vorstellen“, sagte der Fachmann der Medizinischen Hochschule Hannover am zweiten Prozesstag vor dem Landgericht Braunschweig. Rechtsmedizinisch ausschließen könne er es aber nicht.

Ebenso wenig fanden sich Spuren am Säugling, die auf körperliche Gewalt schließen lassen. „Ist es runter gedrückt worden?“ Die Frage des Vorsitzenden Richters ließ sich somit nicht mit Ja beantworten. Klar ist nur: Das Kind ist ertrunken, in den Luftwegen fand der Rechtsmediziner wässrige Flüssigkeit.

Die Ausführungen der beiden Rechtsmediziner mit Details aus den Obduktionen – etwa die vier bis fünf Zentimeter tiefe Wunde in der Kehle des Mädchens vom Waller See – zogen sich über Stunden hin. Die Mutter, der die Staatsanwaltschaft zweifachen Totschlag vorwirft, hörte mit gesenktem Kopf zu. Vor allem als es um das angebliche Wunschkind aus diesem Jahr ging, musste sie Tränen wegwischen.

rtm

Die toten Babys der 36-Jährigen, die wegen zweifachen Totschlags vor Gericht steht, haben unterschiedliche Väter. Beide wollen von der Schwangerschaft nichts mitbekommen haben.

Die Männer haben noch etwas gemeinsam: Sie waren verheiratet, hatten schon Kinder und kein Interesse an weiteren mit der Gespielin. Im Fall eines Gastronomen (47), der auch Arbeitgeber der Angeklagten war, fasst es ein Richter mit einer Frage zusammen: „Sie wollten Sex mit ihr, alles andere war Ihnen egal?“

Auch der Heizungsbauer (49), Vater des am Waller See gefundenen Säuglings, hatte nicht vor, eine neue Familie zu gründen. „Kinder waren kein Thema.“ Eine gemeinsame Zukunft habe er schon geplant.

Verwundert zeigte sich die Kammer dabei, dass kaum über Persönliches gesprochen wurde, der Mann bei Widersprüchen nicht nachgehakt habe. Dass immer neue Schwestern auftauchten: „Darüber habe ich gar nicht nachgedacht.“

Der Gastronom bemerkte immerhin Merkwürdigkeiten an der Frau. „Ich habe ihr ziemlich wenig geglaubt.“ Manchmal sei sie auch wie betrunken gewesen. „Irgendwann habe ich nicht mehr überlegt, was mit ihr nicht stimmen könnte. Warum auch.“

rtm