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Hilfe für Katrin: Spende rettete ihr Leben

Calberlah Hilfe für Katrin: Spende rettete ihr Leben

Calberlah. Als die Leukämie bei ihr entdeckt wurde, war sie 26 Jahre alt: „Mein Körper war zu 90 Prozent verkrebst - die Ärzte wunderten sich, dass ich noch stehen konnte“, erzählt Katrin Bostelmann. Und obwohl es alles andere als gut für sie aussah und obwohl ihr die Zeit davon lief, fand man für sie einen Knochenmarkspender. Doch dann gab es massive Komplikationen, und schon wieder hatten die Ärzte sie abgeschrieben: „Aber ich bin eine Kämpferin“, sagt Katrin Bostelmann. Heute ist sie 32 Jahre alt und lebt in Calberlah - und ihr Dank gilt dem Verein „Wolfsburg hilft“.

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Hilfe für Katrin: Das rote Plakat mit dem Bild der bildhübschen Blondine kannte 2007 wohl jeder VW-Mitarbeiter.

Quelle: Bastian Till Nowak

Wer im Sommer 2007 im VW-Werk oder in der Autostadt gearbeitet hat, wird es immer noch vor Augen haben: das knallrote Plakat mit dem Foto einer bildhübschen Blondine, dem Schriftzug „Hilfe für Katrin“, einer kurzen Erklärung zum Schicksal der Kollegin und dem Aufruf zu mehreren Typisierungsterminen in verschiedenen Werkshallen. „Diese riesengroße Aktion hat meine ältere Schwester Kerstin damals auf die Beine gestellt“, berichtet Katrin Bostelmann.

Sie bekam Ausschlag im Gesicht, sie fühlte sich schon monatelang schlapp, sie schaffte es nicht mal mehr ihre eigene Wohnung zu saugen. „Und ich fragte mich, wo die Einblutungen an meinem Hals herkamen“, berichtet Bostelmann. Dann kam die Diagnose: Leukämie - Blutkrebs im ganzen Körper. Heilungschancen ungewiss.

Das Schicksal der jungen Kollegin hat die VW-Mitarbeiter bewegt: Knapp 3000 neue Spender wurden vom Verein „Wolfsburg hilft“ für die Deutsche Knochenmarkspenderdatei aufgenommen. Doch für Katrin wäre das alles trotzdem viel zu spät gewesen: „Glücklicherweise gab es aber schon einen Spender in der Kartei, der immerhin zu 90 Prozent zu mir gepasst hat“, erzählt die junge Frau. „Männlich, 40 Jahre alt und aus dem Umkreis von Ulm - mehr weiß ich nicht“, ist Katrin Bostelmann auch heute noch die Identität ihres Lebensretters unbekannt. Hingegen weiß sie, dass Freunde, die sich damals haben typisieren lassen, inzwischen selbst Leben retten durften: „Und das ist toll“, betont Bostelmann. „Je mehr Menschen in der Kartei sind, desto größer sind die Heilungschancen für jeden einzelnen. Schließlich kann es jeden treffen - jederzeit.“ So wie die eine Freundin, die im Krankenhaus im Nachbarbett von Katrin Bostelmann lag. „Nur sie hat‘s leider nicht überlebt.“

Dass die Stammzellen ihres Spenders zu 90 Prozent zu ihr passten, klang gut - aber es hieß auch, dass sie zu zehn Prozent nicht passten. Und das war ein Risiko. „Klar wären 100 Prozent besser gewesen, aber so jemanden gab es in der ganzen Kartei einfach nicht - selbst mein Vater hätte nur zu 60 Prozent zu mir gepasst“, ist Katrin Bostelmann froh, überhaupt jemanden gefunden zu haben. „Nur die Ärzte nahmen kein Blatt vor den Mund. Sie sagten zu mir, vielleicht wird‘s auch nichts.“

Bevor es in die Medizinische Hochschule nach Hannover ging, verabschiedete sich Katrin Bostelmann von ihren Freunden - „ich wusste ja nicht, ob ich da überhaupt wieder rauskomme“. Zur Vorbereitung der Transplantation musste sich die junge Frau mehreren Chemotherapien unterziehen: „Ich habe 120 Chemo-Tabletten am Tag geschluckt, zwei Wochen lang - da fährt der Körper dann komplett runter, ich sah schlimm aus und habe mich selbst nicht mehr im Spiegel erkannt.“ Gegen die Schmerzen gab‘s Morphin. Und dann kam die Stammzellentransplantation. „In den ersten 14 Tagen passiert überhaupt nichts“, erklärt Bostelmann. „Danach beginnt das Blut sich neu aufzubauen - und man hofft, dass dann keine Krebszellen mehr drin sind.“

Zum Schluss hat Katrin Bostelmann die Leukämie besiegt, in ihrem neuen Blut waren zum Glück keine Krebszellen mehr. Doch zuvor sah‘s finster aus: „Meine inneren Organe waren entzündet, die Stammzellen haben meinen Körper anfangs absolut abgestoßen.“ Die junge Frau konnte nicht mal mehr sprechen - „und die Ärzte haben meiner Mutter am Freitag auf dem Flur gesagt, dass es ungewiss sei, ob ich das Wochenende überhaupt überlebe“.

Katrin Bostelmann hat überlebt. Ihre Blutgruppe hat sich verändert - und ihre Haare sind nicht mehr hellblond, sondern dunkelblond. „Ich lebe jetzt bewusster, freue mich über jede Kleinigkeit“, sagt die Calberlaherin. Und über ihre Boxerhunde - „der Strohhalm, der mich am Leben gehalten hat“ - den Traum, den sie sich nach ihrer Genesung erfüllt hat.

Bei der Arbeit wechselte Katrin Bostelmann die Abteilung: „Als Fahrzeugpolsterin durfte ich nicht mehr arbeiten, denn die Lösungsmittel waren zu gefährlich für mich.“ Heute ist sie Finanzsachbearbeiterin. Und bei der Weihnachtsfeier in der neuen Abteilung hat sie auch ihren Lars kennengelernt: „Erst haben wir uns nur ein bisschen beäugt, denn wir sind beide eigentlich sehr schüchtern - doch dann ging‘s plötzlich ganz schnell.“ In Windeseile lernten sich Katrin und Lars kennen, nach zwei Wochen wussten sie alles voneinander. Sie zogen recht schnell in eine gemeinsame Wohnung, anschließend ins gemeinsame Haus.

„Dass ich noch mal die Liebe meines Lebens finden würde, das hatte ich 2007 nicht mehr für möglich gehalten“, gesteht Katrin Bostelmann. Auch deshalb hatten sie und ihr Lars es wohl so eilig, sich das Ja-Wort zu geben. Denn eines hat die junge Frau gelernt: „Niemals warten - man muss seine Träume so schnell wie möglich verwirklichen, denn es kann ja jederzeit vorbei sein.“

von Bastian Till Nowak

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