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Herbermann: „Ich merke, wie glücklich ich bin“

Tappenbeck Herbermann: „Ich merke, wie glücklich ich bin“

Tappenbeck. Es ist das letzte Interview seiner Amtszeit: Nach 32 Jahren im Gemeinderat und 18 Jahren als Bürgermeister endet am kommenden Montag Niklas Herbermanns Zeit in der Tappenbecker Politik. Im Gespräch mit AZ-Redakteur Christian Albroscheit verrät er, warum sein Rücktritt richtig war, und was seinen Nachfolger erwartet. Den wählt der Tappenbecker Rat in öffentlicher Sitzung am kommenden Montag, 2. September, ab 19 Uhr im Gemeindesaal.

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Abschied vom Gemeindebüro: Am Montag endet Niklas Herbermanns Zeit als Tappenbecker Bürgermeister. Der AZ gab er ein letztes Interview.

Quelle: Christian Albroscheit

AZ: Am Montag endet Ihre Zeit in der Tappenbecker Politik. Was überwiegt: Wehmut oder Freude?

Herbermann: Ich bin gerne Bürgermeister gewesen. Bis 2012 hatte ich große Unterstützung durch den Rat. Das letzte Jahr war nicht mehr so schön. Deshalb freue ich mich jetzt auch auf mehr Freizeit.

Wie ordnen Sie Ihre Zeit als Bürgermeister ein?

Es war eine glückliche Zeit und wie ich finde auch eine erfolgreiche Zeit.

Es gibt viele große Baustellen im Ort. Hätten Sie nicht weitermachen müssen, bis die Gemeinde wieder in ruhigem Fahrwasser ist?

Das hätte ich vielleicht tun müssen. Aber ich bin nicht Konrad Adenauer, der noch mit 87 im Amt war. Die letzten Monate haben mir gesundheitlich zu schaffen gemacht. Jetzt merke ich, wie glücklich ich seit zwei Monaten bin.

Sie sind immer als Teamplayer aufgetreten. Wie sehr nagt es an Ihnen, dass die WTB zuletzt so uneins aufgetreten ist?

Das nagt schon - auch wenn wir in der WTB keinen Fraktionszwang kennen. Es hat mich gestört, dass wir nicht mehr geschlossen aufgetreten sind. Teilweise hatte ich von den anderen Parteien ja sogar mehr Unterstützung als aus den eigenen Reihen.

Herbe Kritik besonders aus Reihen der Autobahngegner hat zu Ihrem Rücktritt geführt. Muss man diese Kritik als Amtsträger nicht aushalten?

Ich habe in vielen Dingen ein dickes Fell, aber irgendwann ist das Maß voll. Und das Maß, was Beleidigungen anging, war voll.

Meinen Sie damit auch Ratsmitglieder?

Nein. Ich glaube nicht, dass einer von denen meinen Rücktritt gewollt hat.

Warum machen Sie im Kreistag und im Samtgemeinderat noch weiter?

Ich habe durchaus noch Freude an der Kommunalpolitik. Und es ist gut, wenn ich hier und da weiter Beziehungen für die Gemeinde nutzen kann.

Wie erleichtert sind Sie, dass es doch einen Bürgermeister-Kandidaten gibt?

Sehr erleichtert. Alles andere wäre schlecht für Tappenbeck gewesen. Dann hätte die Kommunalaufsicht jemanden von außerhalb mit der Verwaltungsarbeit beauftragt, und das wäre ganz schwierig geworden.

Warum lohnt es sich trotz aller Schwierigkeiten, Tappenbecker Bürgermeister zu werden?

Das Amt ist eine Herausforderung. Es gibt viele Projekte, auf die der Bürgermeister Einfluss nehmen kann und Einfluss nehmen muss.

Welche sind das?

Der neue Bürgermeister wird den Weiterbau der A39 kritisch verfolgen und dabei gute Ergebnisse für Tappenbeck erzielen müssen. Zudem sind Baugebiete und ein Gewerbegebiet in der Planung.

Warum wäre es vom Rat besser gewesen, den A39-Bau nicht komplett abzulehnen?

Wir Tappenbecker werden den Weiterbau der A39 nicht verhindern. Ich habe es immer als meine Aufgabe angesehen, die Belastungen möglichst gering zu halten. Auf Bundesebene ist man nicht glücklich über die ablehnende Haltung des Rates. Ich habe in der letzten Sitzung statt der Ablehnung ein Schreiben an den Bundesverkehrsminister vorgeschlagen. Damit wäre er unter Zugzwang gewesen, sich für den Sport in Tappenbeck einzusetzen.

Sie befürchten also, dass der Bund Tappenbecks schwierige Lage mit einem neuen Mann an der Spitze ausnutzt?

Genau. Der Kontakt in Richtung Verkehrsministerium ist abrupt abgerissen. Wenn jetzt nur die Autobahngegner vordringen und nicht die Interessen der Tappenbecker vertreten werden, für den Fall, dass die Autobahn kommt - dann werden es sich die entscheidenden Stellen leicht machen und sich auf ihre Entschädigungssatzungen berufen. Dann wird es in Tappenbeck keinen Sport mehr geben.

Warum braucht Tappenbeck das neue Gewerbegebiet?

Bertrandt will weiter expandieren und es gibt eine zweistellige Zahl von Interessenten für das Gewerbegebiet. Ohne Bertrandt stünde die Gemeinde finanziell nicht gut da. Wenn wir auch in Zukunft investieren wollen, brauchen wir zusätzliche Einnahmen aus der Gewerbesteuer.

Was machen Sie eigentlich am Montag ab 19 Uhr?

Wenn mein Nachfolger einen ausgibt, werde ich ein Bier mit ihm trinken. Dann schließe ich ab und blicke auch etwas stolz auf die letzten Jahre zurück.

alb

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