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Henning Schulze: Problem mit Loyalität für Anja Meier

Jembke Henning Schulze: Problem mit Loyalität für Anja Meier

19 Jahre und sieben Monate war Henning Schulze (CDU) Bürgermeister von Jembke, ab dem 1. Januar 1995 zunächst kommissarisch, zwei Monate später wurde er dann auch regulär zum Nachfolger von Richard Gennies gewählt. Seinen Rückzug hat Henning Schulze lange angekündigt. Heute ist er da: sein letzter Tag als Bürgermeister. Im letzten Interview seiner Amtszeit spricht der 51-Jährige mit AZ-Redakteur Christian Albroscheit exklusiv über Jembkes Entwicklung, die A39, einen Mentalitätswechsel im Gemeinderat, mögliche Nachfolger und die Gründe für seinen Rückzug aus dem Samtgemeinderat.

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19 Jahre und sieben Monate war Henning Schulze (CDU) Bürgermeister von Jembke, ab dem 1. Januar 1995 zunächst kommissarisch, zwei Monate später wurde er dann auch regulär zum Nachfolger von Richard Gennies gewählt. Seinen Rückzug hat Henning Schulze lange angekündigt. Heute ist er da: sein letzter Tag als Bürgermeister. Im letzten Interview seiner Amtszeit spricht der 51-Jährige mit AZ-Redakteur Christian Albroscheit exklusiv über Jembkes Entwicklung, die A 39, einen Mentalitätswechsel im Gemein

Quelle: Christian Albroscheit

AZ : Mit welchem Gefühl werden Sie morgen aufwachen? Wehmut? Erleichterung?
Schulze : Beides. Ich habe den Job gerne gemacht, aber jetzt reicht es. Ich blicke mit Stolz zurück und denke, ich habe einen guten Job gemacht.

AZ : Als Sie Bürgermeister wurden, hatte Jembke 1500 Einwohner und kein Geld.
Schulze : Wir hatten 800.000 Mark Schulden, zwei Jahre später waren es 1,8 Millionen, ohne dass ich etwas dagegen tun konnte.

AZ : Warum?
Schulze : Durch die Vorruhestandsregelung bei VW hat innerhalb von zwei Jahren ein Drittel der arbeitenden Bevölkerung keine Einkommenssteuer mehr bezahlt. Das tat richtig weh. Es gab nur eine Möglichkeit: Jembke musste so schnell wie möglich wachsen.

AZ : Heute sieht es besser aus.
Schulze : Ab 2004 wurde es besser. Wir haben wieder die alte Zahl an Einkommenssteuerzahlern, mehr als 2000 Einwohner und eine positive wirtschaftliche Entwicklung.

AZ : Wie hat sich die Kommunalpolitik in den letzten 19 Jahren verändert?
Schulze : Sie war immer von den Finanzen beeinflusst. In den ersten 13 Jahren war wegen der Schulden Sparsamkeit gefragt. Heute tut uns die Steuerkraft von Tappenbeck und Weyhausen weh. Dadurch fallen Mittel aus dem Finanzausgleich weg. Im Moment fehlen allein dadurch 100.000 Euro pro Jahr. Osloß, Bokensdorf und Barwedel geht es ähnlich. Das können wir nicht jedes Jahr schultern.

AZ : Nach der Samtgemeindebürgermeisterwahl hatten Sie offengelassen, ob Sie weitermachen. Jetzt ist klar: Am 30. September ist Schluss. Warum?
Schulze : Als Ratsvorsitzender müsste ich hundertprozentige Loyalität gegenüber Anja Meier beweisen. Ich kann mir nicht vorstellen, dass ich das kann. Und mich in die zweite Reihe setzen, um aus dem Hintergrund zu schießen, darauf habe ich keine Lust.

AZ : Können Sie wegen unterschiedlicher politischer Ansichten nicht loyal sein?
Schulze : Man muss einfach konsequent sein. Ich respektiere den Willen des Bürgers und ziehe mich zurück.

AZ : Was waren die größten Schwierigkeit der letzten Jahre?
Schulze : Mit Sicherheit, die zahlreichen Baumaßnahmen so zu takten, dass man es überhaupt zeitlich schaffen kann. Ich bin die letzten Jahre ein Tempo gelaufen, das nicht jeder durchhält. Der jetzige Rat könnte zwei Jahre gar nichts tun und es würde niemandem auffallen. Die nächsten Projekte sind alle schon durchgeplant - die Pläne müssen nur aus der Schublade geholt werden.

AZ : Wieviel Nerven hat die Autobahn gekostet?
Schulze : Zur Autobahn sage ich nichts mehr. Der Bürger versteht es sowieso nicht.

AZ : Seit der letzten Kommunalwahl war es im Rat stets ein ruhiges, sachliches Arbeiten. Hätten Sie sich mehr kontroverse Diskussionen gewünscht?
Schulze : Es war ein anderes Arbeiten als mit der SPD. Da muss ich die Kollegen Reinhard Tetzlaff und Horst Müssig loben. Die haben immer ihre Hausaufgaben gemacht und waren vorbereitet. Das lassen viele Ratsmitglieder heute vermissen.

AZ : Die kommen zu den Sitzungen und erwarten, dass man ihnen erklärt, was Sache ist?
Schulze : So kann man es sagen. Bei Müssig und Tetzlaff gab es das nicht. Das war zwar unbequem, aber für die Sache unheimlich produktiv.

AZ : Was raten Sie denn Ihrem Nachfolger?
Schulze : Er oder sie sollte nicht versuchen, Everybody‘s Darling zu sein. Das habe ich lange versucht, aber man kann es nicht schaffen.

AZ : Wer wird denn neuer Bürgermeister?
Schulze : Das weiß ich nicht.

AZ: Im Prinzip kommen nur Susanne Ziegenbein und Christoph Brodocz in Frage...
Schulze : Ich weiß, dass beide auf jeden Fall in ihren jetzigen Positionen weiter machen (Verwaltungsvertreter und stellvertretende Bürgermeisterin, Anm. d. Red.). Was sich daraus entwickelt, wird man sehen.

AZ : Irgendwann muss ein Bürgermeister gewählt werden.
Schulze : Irgendwann müssen die beiden Farbe bekennen, das stimmt.

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