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Gifhorn Stadt Immer mehr Kinder in Gifhorn psychisch belastet
Gifhorn Gifhorn Stadt Immer mehr Kinder in Gifhorn psychisch belastet
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00:25 24.11.2018
Psychische Probleme bei Kindern und Jugendlichen: Auch im Kreis Gifhorn ist das immer mehr ein Thema. Quelle: Archiv
Gifhorn

Nach einer Studie der Kaufmännischen Krankenkasse ist die Zahl der depressiven Reaktionen auf körperliche und seelische Belastungen bei Jugendlichen im Alter von 13 bis 18 Jahren in den vergangenen zehn Jahren um 90 Prozent gestiegen, die Anzahl der an Depressionen erkrankten Schüler um fast 120 Prozent. Gifhorns Gesundheitsamt stellt bei den Schuleingangsuntersuchungen Verhaltensauffälligkeiten fest. Kreisrat Rolf Amelsberg: „In den Jahren zwischen 2014 bis 2018 waren 4,6 bis 5,9 Prozent der untersuchten Kinder aufgrund von Verhaltensauffälligkeiten in kinderärztlicher Behandlung.“

Wie das Smartphone krank macht

Eine zentrale Rolle bei psychischen Problemen von Kindern und Jugendlichen spielt aus Sicht der Fachfrauen Sandra Mielau und Renate Wilke-Koch von Life Concepts in Gifhorn das Smartphone. Und damit meinen sie nicht nur das der Kinder.

In einem Besprechungsraum des Zentrums für Kinder-, Jugend-, Familien- und Lebenshilfe an der Wilhelmstraße in Gifhorn hängt ein Plakat. Es zeigt einen kleinen Jungen, der erwartungsvoll seine auf ihr Smartphone starrende Mutter anschaut, im Hintergrund ist auch der Vater mit dem Handy beschäftigt. „Heute schon mit Ihrem Kind gesprochen?“ ist die Szene übertitelt. Für Mielau und Wilke-Koch sagt diese alltägliche Situation viel aus.

Die Diplom-Psychologin Mielau hat „Extremfälle, wo Kinder weder mit Nahrung noch mit Emotionen versorgt werden“. Doch Defizite gebe es nicht nur bei sozial benachteiligten Familien, sondern vermehrt auch in der Mittelschicht. „Das gibt es immer weniger, dass Eltern bei ihren Kindern sind“ – und nicht noch am Smartphone oder bei den Dienst-Mails. „Sie kommen von der Arbeit und können gar nicht mehr auf ihr Kind eingehen.“

Sowohl Kinder – viele von ihnen mit Fastfood und Phone abgespeist –, als auch ihre Eltern bewegten sich immer mehr online und in sozialen Medien. Dort finden sie schnelle Befriedigungen von Bedürfnissen und Scheinbeziehungen. Mielau: „Das reale Leben ist viel anstrengender.“ Letztendlich wäre es aber erfüllender als kurzfristige Erfolgserlebnisse per Screentouch.

Mielau und Wilke-Koch wissen, dass sie die Entwicklung zur mobilen und schnellen Kommunikation nicht zurück drehen können. Doch gerade Kinder seien darin nicht kompetent. Diese Kompetenzen zu vermitteln, ist für Wilke-Koch „eine echte Herausforderung“ für die Gesellschaft. „Eltern sind in vielen Situationen überfordert.“ Vor allem bei der Mediennutzung.

Stressfaktor Scheidung: Kinder leiden unter Rosenkrieg

Aber auch bei Konfliktbewältigung. Ein weiteres großes Problem ist für Mielau nämlich das Thema Scheidung. „Es ist gruselig, in welche Konflikte Kinder dabei geraten.“ Denn den Eltern von heute falle es viel schwerer, Konflikte sachlich zu lösen. Unter dem Rosenkrieg litten dann vor allem die Kinder.

Leistungsdruck und Reizüberflutung spielen auch eine Rolle

Doch auch in der „heilen Familie“ gibt es laut Mielau und Wilke-Koch jede Menge Stressoren von Reizüberflutung bis zu Leistungsdruck. Acht-Stunden-Tag in der Schule, dazu ein voller Freizeit-Terminkalender mit Ballettunterricht und Ergotherapie: „Für Kinder bedeutet das Stress“, sagt Wilke-Koch.

Sie sieht deshalb auch den Trend zu Krippen- und Ganztagsbetreuung bei den Kindern kritisch. „Kinder brauchen die Keimzelle Familie.“ Gerade in den ersten drei Jahren bilden sich laut Mielau die Bindungen zu den Eltern. Deshalb ihr Appell an die Eltern: Wenn schon Krippe, dann bitte danach sich noch einmal richtig mit den Kindern befassen – zum Beispiel mit dem ganz klassischen Spielen.

Von Dirk Reitmeister

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