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Gifhorn Stadt Entführungs-Fall Dirk: Bald neue Ermittlungen?
Gifhorn Gifhorn Stadt Entführungs-Fall Dirk: Bald neue Ermittlungen?
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23:00 15.08.2012
Das letzte Bild: Heidi Steins Sohn Dirk verschwand im März 1979 beim Urlaub im Ostharz. Die Isenbüttelerin vermutet eine Entführung durch die Stasi. Quelle: Bastian Till Nowak
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Immer wieder hat Stein versucht, Klarheit zu bekommen. Immer wieder ersuchte sie die zuständigen Behörden in Sachsen-Anhalt um Unterstützung. „Aber man merkt, dass dort immer noch viele wichtige Positionen von alten Parteikadern besetzt werden - keiner will alte Verbrechen aufklären“, beklagt die einstige DDR-Bürgerin.

Nach den Ermittlungen der DDR-Volkspolizei von 1979 habe es keinerlei neue Ansätze mehr gegeben - auch nicht nach der Wende. „Die Staatsanwälte von drüben beriefen sich immer wieder darauf, dass Dirk angeblich tot ist - und damit war die Sache für sie erledigt“, ärgert sich Stein. „Dabei gibt es doch so viele Ungereimtheiten!“

Eine Leiche wurde nie gefunden, Dirks Datensatz wurde von der Stasi gelöscht. „Wieso das alles, wenn es angeblich nichts zu vertuschen gibt?“, fragte die Isenbüttelerin den Bundestag mit ihrer Petition, um eine Neuaufnahme des Verfahrens zu erreichen. Zwei Jahre später kam nun die ersehnte Antwort: Der Petitionsausschuss bedauere zwar, „selbst nichts für die Petentin tun zu können“, findet eine Unterstützung Heidi Steins aber „wünschenswert“. Entscheiden soll jetzt der Landtag. „Da braucht es nur noch ein Okay, und dann gibt‘s neue Ermittlungen“, freut sich Stein auf „unabhängige niedersächsische Staatsanwälte“, die endlich Licht in die dunkle Vergangenheit bringen könnten.

Heidi Steins lange Suche

März 1979: Heidi Steins Sohn Dirk verschwindet als Dreijähriger beim Familienurlaub im Ostharz. Neben Feuerwehr und DDR-Volkspolizei taucht plötzlich die Stasi auf. Eine Leiche wird nie gefunden. Stein vermutet eine Entführung – und landet wegen ihrer unangenehmen Fragen im?Stasi-Knast in Bautzen.

März 1984: Stein wird von der Bundesrepublik freigekauft – im Westen gehen ihre Nachforschungen weiter. Doch selbst nach dem Mauerfall kommt sie kaum weiter. Wichtige Stellen in den Stasi-Akten sind bis heute geschwärzt.

Oktober 2010: Mit einer Petition an den Bundestag versucht Stein eine Neuaufnahme des Verfahrens zu erreichen.

Februar 2011: Endlich gibt‘s eine neue Spur nach einem Hinweis aus dem Internet: Roberto Yañez, Enkel des einstigen DDR-Staatsratsvorsitzenden Erich Honecker und seiner Frau Margot, könnte in Wahrheit Dirk sein. Das Alter passt, auf Kinderbildern ähneln sich die Jungen, und der erwachsene Roberto sieht Steins Ex-Mann erstaunlich ähnlich. Die Isenbüttelerin und der Chilene schreiben sich E-Mails – bis er den Kontakt abbricht, als sie ihn um eine DNA-Probe bittet.

April 2011: Stein zeigt Honecker-Witwe Margot wegen Kindesentzug und Zwangsadoption bei Interpol an – die Staatsanwaltschaft Magdeburg führt die Ermittlungen.

Januar 2012: Das Verfahren wird eingestellt – die Staatsanwälte berufen sich auf uralte Akten.

til

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