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Damit sich die Igel wohl fühlen

Ummern Damit sich die Igel wohl fühlen

Ummern. Sie geht wieder los, die Pflegesaison für Martina und Bernd Schulenburg von der Igelstation.

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Igelhotel: Martina Schulenburg und ihr Mann Bernd halten für pflegebedürftige Igel in ihrer Station 38 Buchten bereit.

Quelle: Thorsten behrens

Die ersten Igel sind schon da. Aber voll werden die 38 Buchten in der Igelstation von Martine und Bernd Schulenburg erst in den kommenden Wochen. Denn von August bis Oktober bekommen Igel ihre Jungen. Und viele von denen landen kurz vor dem Winter in Ummern.

Und es ist kaum zu glauben, wieviel Arbeit solch ein kleines Stacheltier machen kann. „Bevor es richtig los geht, müssen wir die Boxen reinigen“, erzählt Martina Schulenburg.

Denn bis Ende September etwa nisten zahlreiche Schwalben im Stall, in dem auch die Igel untergebracht sind. Sind die Schwalben weg, kommen die Igel, manche auch schon vorher. Da drückt durchaus schon mal die Zeit, die Boxen rechtzeitig fertig zu bekommen.Wenn die Boxen bezogen sind, geht es weiter mit der Arbeit. Täglich - mindestens einmal - muss jede Buchte gereinigt werden. „Die meiste Arbeit besteht aus Putzen - wie in einem Zoo“, sagt Martina Schulenburg.

Bis zu 40 und mehr Tiere verbringen den Winter bei den Schulenburgs. Nur zwei oder drei schaffen es nicht bis zum Frühling - denn die meisten Tiere, die nach Ummern gebracht werden, sind krank oder verletzt, zum Teil schwer.

Großer Unterschied zwischen kranken, verletzten oder nur jungen Tieren besteht bei der Pflege aber nicht. „Jedes Tier bekommt je nach Zustand sein ganz persönliches Futter. Da werden Rationen, Fütterungszeiten, Medikamentenbeigabe speziell abgestimmt“, sagt Martina Schulenburg.

Futter und Medikamente - die Versorgung ist aufwendig und teuer. Bei Vollbelegung werden sechs Dosen Katzenfutter am Tag gebraucht, außerdem müssen für die Winterzeit 15 Kilogramm Trockenfutter gekauft werden. Und die Schulenburgs verwenden viel Zeit, um eine spezielle Aufzuchtmilch für Igelsäuglinge zu bekommen. Die gibt es nämlich nur bei Tierärzten, und das nur im Herbst. Und: „Pro Säugling brauche ich eine 800-Gramm-Dose. Die kostet fast 50 Euro“, sagt Martina Schulenburg. Sie und ihr Mann selbst arbeiten ehrenamtlich, finanzieren die Igelhilfe vor allem über Spenden.

Damit auch wirklich jedes Tier bekommt, was ihm gut tut, hat jeder Igel seine eigene Krankenakte. In die tragen die Schulenburgs gleich am Anfang ein, wer den Igel gebracht hat und in welchem Zustand das Tier war. Dazu kommen täglich die Eintragungen über Futter, Fressverhalten, Gesundheit und so weiter. Und bei den ganz jungen Tieren auch das Gewicht. Dazu werden sie täglich gewogen.

Der ganze Tagesablauf der Schulenburgs richtet sich im Herbst nach den Tieren. „Ich stimme meine Termine nach den Fütterungszeiten ab. Und kleine Igel, die stündlich etwas brauchen, nehme ich sogar mit, wenn ich Freunde oder Verwandte besuche.“

Und einige Tiere werden während des Pflegeaufenthaltes sogar an die freie Natur gewöhnt. Dafür haben die Schulenburgs extra im Garten eine große Außenanlage her gerichtet, in die sie geeignete Tiere zum Training setzen.

Doch mit der direkten Versorgung der Igel ist es noch nicht getan. „Für die Nester suche ich im herbst trockenes Laub und besorge Stroh. Das Stroh muss dann noch klein geschnitten werden“, erzählt Bernd Schulenburg. Und seine Frau nutzt die Zeit vor dem Fernseher, um Zeitungen in kleine Streifen zu reißen, um damit die Buchten auszulegen. Zeitungen bekommt sie unter anderem von den Nachbarn, die fleißig sammeln.

„So ein Arbeitstag für die Igel kann schon mal sechs Stunden dauern“, sagt Martina Schulenburg. Zumindest bis Weihnachten, denn danach wird es ruhiger. Die Igel halten dann ihren Winterschlaf. Bis Ende April. Wer dann noch schläft, wird aufgeweckt. Und die Arbeit beginnt erneut. „Jetzt kommt noch das telefonieren dazu, um die Igel in liebevolle Hände zu bekommen.“

Kranken und verletzten Igeln könnte viel Leid erspart werden, wenn sie von Anfang an richtig versorgt werden. Martina Schulenburg hat dazu ein Merkblatt erstellt, hier ein paar Tipps von ihr daraus.

- In einem kleinen Bericht Fundort, Datum, Grund der Mitnahme, Zustand des Tieres bei Fund und das Fundgewicht notieren.

- Unterkühlte Igel mit einer eingewickelten Wärmflasche mit handwarmen Wasser aufwärmen. Kein Heizkissen, keine Infrarotlampe verwenden.

- Ausgehungerte Igel anfangs nur wenig füttern – damit der Magen sich wieder gewöhnt.

- Meist reicht ein hochwandiger Karton zur ersten Unterbringung. Der muss aber absolut sauber und warm gehalten werden.

- Dosenfutter für Katzen oder Hunde sowie ungewürzte Rühreier sind gute Mahlzeiten.

- Wichtiger als Futter, vor allem bei Tieren, die zu schwach zum Fressen sind: Flüssigkeit. Mit einer Plastikspritze (ohne Nadel) mindestens alle zwei Stunden lauwarmen und ungesüßten Fencheltee einflößen. Säuglinge benötigen Spezialmilch vom Tierarzt.

- Im Zweifelsfall früh genug zum Tierarzt – oder zur Igelstation, Tel. 05083-1648.

ba

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