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Auf dem Friedhof wird bald Wein gelesen

Gifhorn Auf dem Friedhof wird bald Wein gelesen

Auf dem Gifhorner Friedhof gibt es eine neue Form der Erdbestattung: Am Kopfende der Gräber befinden sich Weinreben. Und dieser Wein soll geerntet werden. „Schließlich liegt der Friedhof auf dem Weinberg“, erklärte Karsten Wolpers von der Friedhofsverwaltung. Doch das gefällt nicht allen: Ingrid Stidtgen ist entrüstet.

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Wein auf dem Friedhof: Johann Harms (v.l.), Karsten Wolpers und Karlfried Hothum setzten die Rebstöcke.  Eine Gifhornerin, die die Grabstelle ihrer Mutter pflegt, ist nicht begeistert von dem Projekt.

Quelle: Uhmeyer / Canidar

Sie pflegt die Grabstelle ihrer Mutter in einem betroffenen Bereich und kann sich mit dem Wein auf dem Friedhof nicht anfreunden.

„Wir bauen den Wein dort an, wo es mehrere zusammenhängende freie Plätze gibt“, so Wolters. Auch einige belegte Plätze seien betroffen - wie eben der von Ingrid Stidtgen. Die Reben stünden auf dem Niemandsland zwischen zwei Gräberreihen.

Damit die elf Rebstöcke in zwei Friedhofsbereichen richtig anwachsen, hat sich die Friedhofsverwaltung die Unterstützung des Winzer-Ehepaars Regina und Karlfried Hothum aus Bingen am Rhein gesichert. „Das waren die letzten Rebstöcke dieser Sorte, die in Deutschland zu ergattern waren“, erklärten die beiden gestern, als sie gemeinsam mit Wolpers und Johann Harms von der Friedhofsverwaltung die Drähte zogen, an denen der Wein hochranken soll.

Rund 30 Liter werden einmal zu ernten sein, schätzt Hothum. Die Voraussetzungen sind den Experten zufolge gut: Die Standorte seien geschützt, die Sorte besonders Pilz-resistent. „Wenn er schmeckt, soll er für das Abendmahl genutzt werden“, so Wolpers. Damit würde sich auch historisch ein Kreis schließen: Schon Reformationsfürst Herzog Franz hatte im 16. Jahrhundert Weinbau in Gifhorn gefördert - auch fürs Abendmahl.

Das beeindruckt Ingrid und Karl-Heinz Stidtgen nicht. Sie halten Weinanbau auf einem Friedhof für pietätlos. „Dann gibt es zwischen den Gräbern die Ernte - und vielleicht noch ein Weinfest.“

fed

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