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Erinnerungen an die Nachkriegszeit

Als die Flüchtlinge nach Osloß kamen: Erinnerungen an die Nachkriegszeit

Leicht fällt es vielen Zeitzeugen bis heute nicht, über ihre Erlebnisse im Zweiten Weltkrieg zu sprechen. Der Stammtisch Geschichte in Osloß hat sich jetzt des schweren Themas angenommen, es ging um Zwangsarbeit, Flüchtlinge und die Zwangseinweisung Vertriebener ab 1944.

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Zeitzeugen berichten: Wilfried Eichenlaub (v.r.), Karl-Heinz und Walter Jung trugen Erinnerungen aus der Kriegs- und Nachkriegszeit zusammen.

Quelle: Christina Rudert

Osloß. Walter Jung, Jahrgang 1936, und sein Bruder Karl-Heinz Jung, Jahrgang 1932, erinnerten an das Dorf Osloß mit seinen 280 Bewohnern im Jahr 1944, auch Wilfried Eichenlaub trug dazu bei.

Für die Jungs war es im Krieg ein Abenteuer, den Luftkämpfen zuzusehen. Dass in dem abgeschossenen Flugzeug hinten im Wald Richtung Bokensdorf drei Tote saßen, erzählen sie eher beiläufig. „Wenn die Erinnerungen zu lustig werden, tut mir das weh“, reagiert einer der Dutzend Teilnehmer etwas pikiert auf eine amüsante Anekdote, seine Andeutungen lassen vermuten, dass er als Flüchtling Furchtbares erlebt hat.

„Seit 1939 waren Zwangsarbeiter aus Polen hier“, sagt Karl-Heinz Jung. Den Schilderungen der Zeitzeugen nach gehörten die Polen ebenso wie die Russen und Ukrainer auf den Bauernhöfen im Ort halb zur Familie. Während der Kontakt zu Henri aus Polen noch Jahrzehnte bestand, „haben wir von den Russen und Ukrainern nie wieder etwas gehört“, berichtet er. Vielleicht, so seine Vermutung, weil sie dem Stalin-Terror zum Opfer fielen?

Die Zwangsarbeiter waren noch im Dorf, da kamen im Januar 1945 die ersten Flüchtlinge. „Eine ganze Woche dauerte der Durchzug“, berichtet Walter Jung. „Die kamen aus Stettin.“ Mit nichts außer den Kleidern am Leib und vielleicht noch einem kleinen Köfferchen. Karl-Heinz Jung erinnert sich an die Sprachbarriere: Im Dorf sprachen alle Plattdeutsch. „Die Vertriebenen waren Städter, sie hatten keine Ahnung von Landwirtschaft, kannten aber Theater und Konzerte, die haben wir als eine Bereicherung empfunden“, meint er.

Karin Schönauer ist Flüchtling, sie landete mit ihrer Mutter und ihren Geschwistern im Weserbergland. Dass jemand sie als Bereicherung erlebt hätte - weit gefehlt. „Wir waren verhasst. Und wir haben gehungert. Zu essen hat uns niemand etwas gegeben.“ Eine ganz andere Erfahrung, als Eichenlaub sie gemacht hat: „Uns ging es gut. Gehungert haben wir nie.“

„Schade, dass nicht ein paar zum Stammtisch gekommen sind, die nach dem Krieg als Flüchtlinge in Osloß gelandet sind“, bedauert Melanie Jung vom Dorfgemeinschaftsförderverein. So wie die Notizen der drei Zeitzeugen, die als Kinder in Osloß den Krieg erlebt haben, hätte der Verein für das gerade im Aufbau befindliche Archiv gerne auch ein paar Stichworte dieser Bevölkerungsgruppe zum Ablegen gehabt. Melanie Jung sieht auch einen aktuellen Bezug: „Flüchtlinge waren damals nicht willkommen.“ Heute leben wieder Flüchtlinge im Dorf. Denen soll es nicht so gehen.

 tru

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