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„Was passiert, passiert…“

Eintracht Braunschweig „Was passiert, passiert…“

Braunschweig. Es wird viel Alkohol getrunken in der Rheingoldstraße – sehr viel Alkohol. In den kleinen Kneipen entlang der Fußball-Meile läuft das Geschäft auf Hochtouren. Hier treffen sich die Fans aus der Südkurve – die Hardcore-Anhänger von Eintracht Braunschweig.

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Kommen aus dem Jubeln nicht mehr heraus: Die Mannschaft und die Fans von Eintracht Braunschweig.

Quelle: dpa

Über der Theke im Spectrum hängt ein Schal. Drei Punkte, drei Promille steht darauf. Das mit den Punkten klappt derzeit hervorragend in Braunschweig. Die Blau-Gelben eilen in der 2. Liga von Erfolg zu Erfolg – fünf Spiele, fünf Siege. „Hätte ich nie gedacht“, sagt Ralf Schmidt. Neben ihm sitzt sein Bruder Sepp am Tresen. „Mach’ mal noch’n Bier“, ruft er dem Wirt zu. „Prost! Auf den Sieg!“

Auch am Sonnabend hatte Eintracht wieder gewonnen – 2:1 gegen den SV Sandhausen. „Spitzenreiter, Spitzenreiter ...!“, ruft einer durch den kleinen Raum, mitten hinein in den Dunst von Bier und Zigarettenrauch. Spitzenreiter – darauf muss natürlich angestoßen werden. Die Brüder Schmidt leeren ihr Glas in einem Zug und ordern gleich die nächste Runde. Sie dürften sich allmählich der Drei-Promille-Grenze nähern.

Aber zum Siegeszug der Blau-Gelben äußern sie sich erstaunlich nüchtern. „Der Aufstieg ist kein Thema“, erklärt Ralf Schmidt. Bruder Sepp nickt beschwichtigend. Seit 50 Jahren gehen die beiden zur Eintracht. „Wir haben alles durch“, erklärt Sepp. „Aufstiege, Abstiege, Pleiten“

Wer so lange dabei ist wie die Schmidts, der wird mit der Zeit gelassener. „Jetzt flippen wieder einige aus und reden vom Aufstieg“, sagt Sepp. „Dabei sind erst fünf Spiele vorbei.“ Bruder Ralf nickt: „Is’ ne schöne Momentaufnahme.“ Er lehnt sich zurück und verschränkt die Arme vor der Brust: „Da wird noch viel passieren, das is’ mal klar.“

„Genau, was passiert, passiert“, ergänzt Sepp. „Und wenn wir aufsteigen, passiert es eben.“ Er nimmt einen kräftigen Schluck. „1967 waren wir Deutscher Meister. Aufstieg 2017, das würde schon passen. Wäre schon schön.“ Eines müssen die beiden unbedingt noch erwähnen: „Hauptsache, wir stehen am Ende vor den anderen, Sie wissen schon ...“ Gemeint sind die ungeliebten Nachbarn aus Hannover.

Die „Magni-Löwen“ haben ihre eigene Kneipe mitgebracht. Das sind die Fans aus dem gleichnamigen Braunschweiger Stadtteil. Aus dem blau-gelben VW-Transporter dröhnt laute Musik: „Oh, oh, oh, die immer lacht ...“ Der Hit von Kerstin Ott. Er passt zur Eintracht und ihren Fans. Auch sie kommen aus dem Lachen momentan nicht mehr heraus. Der Kofferraum wurde zur Minibar umfunktioniert. Die Auswahl an hochprozentigen Spirituosen ist groß. „Das ist unser Partymobil“, erklärt Karsten Haack mit etwas schwerer Zunge. „Hat schon einige Kilometer auf dem Buckel.“ Heute kommen rund 1000 dazu. Stuttgart ist nicht gerade um die Ecke. „Natürlich fahren wir dahin“, sagt Haack. Obwohl 17.30 Uhr eine saublöde Anstoßzeit sei.

Vom Aufstieg will er aber nichts wissen: „Vor der Saison habe ich gehofft, dass wir nichts mit dem Abstieg zu tun bekommen. Und jetzt das ...“ Dann wird er plötzlich ernst: „Es werden auch Niederlagen kommen. Dann werden bestimmt wieder einige meckern.“ Haack grummelt: „Die müsste man in den A... treten.“ Seine Freundin Silke Stuckenbrock ist ganz seiner Meinung: „Es wäre schon sensationell, wenn wir Dritter werden.“

VON THORSTEN BERNER

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