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Quirin Moll: „Ich halte den Laden dicht“

Eintracht Braunschweig Quirin Moll: „Ich halte den Laden dicht“

Braunschweig. Quirin Moll ist bei Zweitliga-Spitzenreiter Eintracht Braunschweig in kürzester Zeit zur festen Größe geworden. Warum ihm das gelang, erklärt er im Vorfeld des Heimspiels gegen Kaiserslautern (Montag, 20.15 Uhr) im Interview mit Stefan Döring.

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„Ich muss nicht den entscheidenden Pass spielen“: Quirin Moll (r.) sorgt verlässlich für Stabilität im Braunschweiger Mittelfeld.

Quelle: Getty

Quirin Moll, hätte Ihnen vor der Saison jemand gesagt, dass Eintracht Braunschweig nach der Länderspielpause im Oktober an der Tabellenspitze der zweiten Bundesliga steht. Was hätten Sie erwidert?

Es konnte niemand erwarten, dass wir so gut starten. Wir hatten uns natürlich zum Ziel gesetzt, die Saison positiv zu gestalten und oben mitzuspielen. Aber Tabellenführer? Auch wenn es erst einmal nur eine Momentaufnahme ist: Wir sind froh, dass es momentan so gut läuft, und jetzt gilt es, weiter Gas zu geben, damit das auch so bleibt.

Hat Ihnen die Länderspielpause gutgetan?

Ich persönlich hätte lieber weitergespielt. Man fiebert jede Woche dem nächsten Spiel entgegen. Aber die Pause tat auch mal gut, man konnte Kraft tanken.

Warum spielt Braunschweig bisher so erfolgreich?

Es ist das Ergebnis von harter Arbeit und Harmonie im Team. Wir hatten eine sehr gute Vorbereitung, passen gut zusammen und haben die entsprechende Qualität im Kader, die wir auch auf den Platz bringen. Der Wille ist da, immer etwas verbessern und jedes Spiel gewinnen zu wollen.

Sie haben sich auf Anhieb einen Stammplatz erobert. Zu erwarten war das nicht – schließlich spielten Sie zuletzt für Dynamo Dresden in der dritten Liga.

Nein, natürlich nicht. Aber ich habe mit Dynamo schon auf einem hohen Drittliganiveau gespielt und wollte mich in Braunschweig durchsetzen. Ich freue mich, dass der Trainer auf mich setzt. Wichtig ist, jetzt nicht nachzulassen.

Der Publikumsliebling Mirko Boland ist der Leidtragende. Er muss nun häufig auf der Bank Platz nehmen.

So ist das im Fußball – leider. Denn ich verstehe mich auch außerhalb des Platzes sehr gut mit Mirko. Am Ende geht es darum, dass der Trainer das bestmögliche Team aufstellen kann. Dabei helfen auch die Spieler, die nicht immer spielen. Sie erhöhen den Druck im Training. Außerdem ist die Saison noch lang und über die Spielzeit wird jeder gebraucht.

Ihr Trainer hat Sie als „total wichtige Schaltzentrale“ bezeichnet. Über Sie wird aber auch gesagt, dass Sie unauffällig spielen. Wie sehen Sie sich selbst?

Ich freue mich über jedes Lob – es ist auch ein Stück weit eine Bestätigung für die getane Arbeit. Es kommt aber auch nicht von ungefähr, sondern nur durch Leistung. Ich versuche mich für das Team einzusetzen und will die defensiven Zweikämpfe gewinnen. Ich muss nicht den entscheidenden Pass spielen – dafür haben wir andere Spieler im Kader. Meine Aufgabe ist es, für die Vorderleute zu arbeiten und den Laden dicht zu halten.

Wie wichtig ist Ihr Trainer Torsten Lieberknecht für Ihre persönliche Entwicklung?

Er war ausschlaggebend für meinen Wechsel. Die extreme Konstanz, die gute Arbeit, die hier seit Jahren geleistet wird, ist beeindruckend. Das Trainerteam schafft es, uns alle immer weiter zu verbessern und setzt dafür neue Reize. Sowohl in physischen, psychischen und taktischen Dingen.

Wer Ihre Vita verfolgt sieht, dass Sie alle zwei Jahre den Verein gewechselt haben. Was sind die Gründe dafür?

Mein Weg ging stetig nach oben. Aber einen speziellen Grund gibt es dafür nicht – ich habe nicht den Plan immer nur zwei Jahre für einen Verein zu spielen. Ich hatte sogar die Möglichkeit, schon im vergangenen Sommer von Dresden nach Braunschweig zu wechseln. Dynamo hatte dem aber einen Riegel vorgeschoben. Generell geht es mir darum, immer auf meinem höchsten Niveau zu spielen.

Das haben Sie dann auch mit Dynamo Dresden gemacht, waren eine wichtige Säule in der Aufstiegsmannschaft. Sie wissen also, wie es mit einem Aufstieg geht.

Der Aufstieg war ein tolles Erlebnis und der Lohn für eine richtig gute Saison von uns. Die Situation ist aber in dieser Saison in Braunschweig eine andere. Mit Dynamo waren wir in der Dritten Liga einer der Favoriten. Uns hatten jetzt nicht so viele auf dem Zettel.

Ist der mögliche Aufstieg denn schon ein Thema in der Mannschaft?

Nein, wir reden wirklich nicht darüber. Das wäre viel zu früh. Wir freuen uns, dass wir momentan so gut dastehen, uns immer wieder beweisen können und wollen oben dran bleiben.

Was ist realistischer: Sie steigen mit Eintracht Braunschweig auf – oder ein Wechsel in die Bundesliga?

Ich fühle mich sehr wohl und bin gespannt, wo es mit uns noch hingeht. Ich hoffe, dass wir am Ende der Saison ein positives Fazit ziehen können. Dann ist vieles richtig gelaufen – auch für mich.

Für ein positives Fazit am Ende ist auch das Spiel gegen den 1. FC Kaiserslautern entscheidend. Welche Art von Gegner erwarten Sie?

Der Tabellenplatz spiegelt definitiv nicht die Qualität des Kaders wider. Es wird ein sehr schweres Spiel für uns – kämpferisch und fußballerisch. Wir müssen alles abrufen – wie in jedem Spiel.

Ein Spiel Anfang November wirft seine Schatten bereits voraus: das Derby gegen Hannover 96. Schwirrt das auch schon in den Köpfen der Spieler rum?

Nein, wir denken immer nur an den nächsten Gegner – und das ist Kaiserslautern. Ich habe aber in der vergangenen Saison mit Dynamo einige Derbys gespielt und weiß natürlich, worauf es ankommt. Es herrscht immer eine besondere Atmosphäre. In drei Wochen überzeuge ich mich gerne selbst davon.

Moll spielt immer

Stück für Stück nach oben: Quirin Molls Weg führte in den vergangenen vier Jahren aus Unterhaching über die Zwischenstation Dynamo Dresden zu Eintracht Braunschweig. Der 25-Jährige stand in der dritten Liga bereits 113-mal auf dem Platz.

Seit dem Wechsel zur Eintracht nach Braunschweig hat der zweikampfstarke defensive Mittelfeldspieler, der in der Jugend für Bayern München aktiv war, bei allen neun Pflichtspielen (einmal DFB-Pokal, achtmal Liga) in der Startelf gestanden.

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