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„Man muss Gras fressen“

Derby-Gespräch über Rivalität „Man muss Gras fressen“

Ein 96- und ein Eintracht-Fan im Derby-Gespräch über Rivalität – und warum der Aufstieg mehr wert ist als ein Sieg.

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Es ist wieder Derby-Zeit. Noch zwei Tage, dann treffen Hannover 96 und Eintracht Braunschweig erstmals seit April 2014 wieder aufeinander.

Quelle: Archiv

Es ist wieder Derby-Zeit. Noch zwei Tage, dann treffen Hannover 96 und Eintracht Braunschweig erstmals seit April 2014 wieder aufeinander. Begleitet wird die Vorfreude von der Sorge vor Ausschreitungen gewaltbereiter Fans auf beiden Seiten. Dass es anders geht, zeigen ein 96- und ein Eintracht-Anhänger vor dem Duell am Sonntag in Braunschweig.

Haben Sie beide eine Erklärung für das sonst wenig freundliche Miteinander zwischen Hannover und Braunschweig?

Kuttig: Da kann man bis ins Mittelalter zurückgehen ... Da will ich jetzt aber nicht anfangen. Im Fußball ging alles damit los, dass Eintracht Braunschweig 1963 Gründungsmitglied der Bundesliga geworden ist. Alle gingen von Hannover 96 als drittem Nordverein neben dem Hamburger SV und Werder Bremen aus. 96 war wirtschaftlich stärker und hatte insgesamt gesehen die größeren sportlichen Erfolge. Doch in der Abschlusstabelle 1962/1963 lag die Eintracht auf Platz drei, Hannover war nur Neunter. Das gab dann den Ausschlag. Viele, die die Rivalität jetzt am meisten ausleben, haben diese Zeit überhaupt nicht erlebt. Ich weiß auch nicht, was die auf die Frage antworten würden. Wahrscheinlich: „Na, weil die scheiße sind!“

Kahle: Generell entsteht Identifikation mit einem Verein über die Regionalität. Und als Braunschweiger musst du dich in Bezug auf Niedersachsen und Hannover ein wenig zurückgesetzt fühlen. Dadurch baut sich automatisch eine Rivalität auf. Und wenn das die eine Seite macht, dann folgt auch die andere. Hannover ist das Größere, Braunschweig das Kleinere. In diesem Spannungsfeld wird agiert. Man kann da gern Heinrich den Löwen anführen oder auch die Geschichte mit der Bundesligagründung. Letztlich geht es immer um zwei sich in der Nähe befindliche Städte und Clubs. So entsteht Rivalität. Das rechtfertigt aber nicht Gewalt.

Kuttig: Ganz genau. Das hat da nichts zu suchen. Leider liest und hört man jetzt aber vor dem Spiel sehr viel in genau diese Richtung.

Lassen Sie uns auf die jüngere Vergangenheit blicken: Da gibt es zum Beispiel den bisher letzten 96-Sieg. Am 7. Mai 1998 wurde in der Regionalliga Nord am 32. Spieltag die Meisterschaft entschieden.

Kahle (singt): Gerald Asamoah, oh, oh, oh, oh, oh (Siegtorschütze zum 1:0, Anm. d. Red.).

Kuttig: Es war in der Tat das entscheidende Spiel. Ich war natürlich im Stadion.

Kahle: Der Spieltag davor war noch viel entscheidender. Braunschweig war Tabellenführer mit einem Punkt Vorsprung. 96 musste zu den Amateuren von Werder Bremen. Und die Eintracht nach Oldenburg. Hannover hat 3:1 gewonnen, Braunschweig nur 1:1 gespielt. So eroberte man die Tabellenführung zurück.

Kuttig: Für mich war das Derby besonders bitter. Ich stand genau hinter dem Tor. So hatte ich beste Sicht auf Asamoahs Tor. Ich war auf Augenhöhe.

Kahle: Gib zu, du hast geweint.

Kuttig: Nein, geweint habe ich nicht. Es gab ja auch schöne Siege (lacht).

Was war für Sie als Eintracht-Fan denn der schönste Sieg gegen 96?

Kuttig: Das war natürlich das 3:0 in der Bundesliga vor zweieinhalb Jahren. Aber auch der Sieg im DFB-Pokal 2003 als Drittligist gegen den Bundesligisten Hannover 96 war natürlich toll. Ich weiß es noch wie heute. Ich saß neben einem 96er. Und der hat immer gesagt: „Lieber absteigen, als gegen Braunschweig verlieren.“ Leider musste er die Niederlage hinnehmen.

Herr Kahle, was wäre Ihnen wichtiger: Der Derby-Sieg, oder der Wiederaufstieg?

Kahle: Eins vorweg: Das Wichtigste ist für mich, dass alle gesund und munter nach Hause kommen. Ich mache mir da wirklich Sorgen. Ich verliere lieber 0:5 in Braunschweig, und es bleibt alles ruhig, als 2:0 zu gewinnen, und es gibt Ausschreitungen und Verletzte. Und auch sonst gilt: Der Wiederaufstieg steht für mich über allem. Aber: Wenn du zweimal gegen Braunschweig verlierst, dann steigst du nicht auf.

Herr Kuttig, lieber Aufstieg mit Eintracht, oder lieber der Derby-Sieg?

Kuttig: Auch ich wähle klar den Aufstieg.

Welche Bedeutung hat das Derby für beide Klubs?

Kahle: Ich denke, dass die Fans das Derby wichtiger nehmen, als es ist. Es gibt da auch nur drei Punkte. Doch für 96 gibt es mehr zu verlieren als für Braunschweig. Hannover kommt das erste Mal in dieser Saison so richtig unter Druck.

Gibt es ein Rezept für einen Sieg im Derby?

Kuttig: Die Stimmung darf einen nicht beeinflussen. Man muss rennen, ackern, Gras fressen und wie die Tugenden alle lauten. Das stimmt aber auch so. Es gilt darum, den Ball auch einfach mal wegzuschlagen und nicht immer zu versuchen, schön hinten raus zu spielen. Fest steht: Die Eintracht ist heiß wie Frittenfett.

Kahle: Mit einer Leistung wie in der ersten Halbzeit gegen Würzburg gewinnt man jedenfalls nicht. Man darf nicht ängstlich sein. Alle Spieler müssen dem unglaublichen Druck gewachsen sein.

Wie lauten Ihre Tipps?

Kahle: Hannover 96 gewinnt mit 2:0.

Kuttig: Da kann ich nicht zustimmen. Es gibt einen 2:1-Heimsieg.

VON TOBIAS KRAUSE

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