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Interview mit Trainer Torsten Lieberknecht

Eintracht Braunschweig Interview mit Trainer Torsten Lieberknecht

"Wir haben dieTradition in diesem Jahr vor der Brust – aber die Zukunft vor den Augen." Eintrachts Trainer Torsten Lieberknecht spricht im Interview über die akzuelle Saison und den starken Start.

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Torsten Lieberknecht: "Wir haben dieTradition in diesem Jahr vor der Brust – aber die Zukunft vor den Augen."

Quelle: Archiv

Herr Lieberknecht, es heißt, nach fünf Spielen wisse man, wohin die Reise in der Liga geht. Bisher haben Sie dreimal gewonnen …

Ich ziehe nach fünf Spielen kein Fazit. Nach dem zehnten Spieltag kann ich vielleicht eine Tendenz ausmachen, wo es hingehen könnte. Aber selbst dann kann man noch so falschliegen ...

Trotzdem: Alles schwärmt vom Überraschungsspitzenreiter der zweiten Liga.

Den perfekten Start hätten wir nur gehabt, wenn wir auch im Pokal weitergekommen wären. Ja, wir haben neun Punkte – aber wir haben auch unterschiedliche Leistungen gezeigt. Das 6:1 gegen Nürnberg spiegelt vom Ergebnis her nicht den Spielverlauf wider.

Sie hatten zu Beginn eine Menge Glück …

Im Ergebnis sieht man diese Schwierigkeiten nicht, aber wir müssen sie natürlich sehen. Wir freuen uns über die neun Punkte, verschließen aber nicht die Augen davor, dass es in allen drei Spielen Dinge gab, an denen wir arbeiten müssen. Einige Automatismen, die wir in der Offensive erarbeiten wollten, konnten wir nicht gewinnbringend einsetzen. Noch dazu müssen wir einiges im Defensivverbund besser umsetzen. Im Detail möchte ich darauf aber nicht eingehen, ich will ja den nächsten Gegnern nicht alles verraten (lacht) …

Wenn Sie noch so viel Arbeit haben, müssten Ihnen die zwei Wochen Länderspielpause ganz gelegen gekommen sein – auch um die Euphorie zu dämpfen?

Klar ist die Aufmerksamkeit groß, aber bei uns herrscht keine Euphorie. Wir verspüren eine stille Freude, dass wir dieses schwere Auftaktprogramm so gut gemeistert haben. In der Länderspielpause lassen wir kein bisschen nach. Wir haben die Zeit genutzt, um zu testen.

Dürfen die Fans träumen?

Die Fans dürfen sich freuen und träumen. Das Entscheidende ist: Die Fans träumen realistisch. Alle wissen, dass diese Liga eine unglaubliche Herausforderung ist. Man kann Dinge aber nicht aufhalten. Wenn Fans träumen, dann möchten wir sie nicht wecken.

Was haben Sie vor der Saison verändert, dass es jetzt so gut läuft?

An den wichtigsten Stellschrauben haben wir nach dem Bundesligaabstieg vor zwei Jahren gedreht, als wir die Mannschaft nach und nach umstrukturiert haben. Wir haben jetzt alle Positionen auf gleichem Niveau mindestens doppelt besetzt. Der wichtigste Schritt! Wir haben gemerkt, wie leistungsfördernd das ist. Die Jungs haben daran Spaß, sich im täglichen Training zu messen. Jeder weiß, er muss dranbleiben.

Viele Fans fiebern vor allem zwei Spielen entgegen. Wie sehr treibt Sie die Aussicht auf die Derbys gegen Hannover 96 an?

Ganz ehrlich? Gar nicht. Ich wünsche keinem Verein den Abstieg. Nur: Nachdem der Abstieg bei 96 feststand, hat Trainer Daniel Stendel bereits eine hochinteressante Truppe aufgebaut, hat Charaktere reingebracht, die zeigen, dass dort wieder eine Mannschaft auf dem Platz steht. Klar gibt es immer Spielerei, die Favoritenrolle wird hin- und hergeschoben. Fakt ist, dass Hannover der Topfavorit ist, weil sie in allen Bereichen große Möglichkeiten haben. Wir können und wollen uns damit nicht vergleichen. Aber wenn der Spieltag da ist, möchte man das Derby optimal bestreiten.

Nächstes Jahr jährt sich der Meistertitel Braunschweigs aus dem Jahr 1967 zum 50. Mal. Wie viel Verpflichtung steckt in dieser Jubiläumssaison?

Wir haben die Tradition dieses Jahr auf der Brust – aber die Zukunft vor Augen. Wir haben die Mannschaft damit natürlich auch konfrontiert, in welchem Jahr wir uns befinden, aber einen besonderen Druck verspüren wir nicht.

Die Zukunft vor Augen: Hätte Braunschweig langfristig das Potenzial für die erste Liga?

Wir haben viel an den Strukturen gearbeitet. Wir haben auch in dem Erstligajahr viel gelernt und würden das, was wir gelernt haben, gerne noch mal zeigen. Deswegen: Wenn es denn so kommt, wollen wir uns beweisen.

Sie sind seit 2008 bei Eintracht. Warum passen Sie so gut nach Braunschweig?

(überlegt) In all den Jahren ist so viel passiert. Da baut man eine riesige Identifikation auf. Egal wo ich bin: Ich muss den Verein verstehen. Ich muss wissen, wie die Stadt und die Menschen dort ticken. Hier habe ich alles aufsaugen dürfen. Wir arbeiten sehr vertrauensvoll zusammen, streiten sehr konstruktiv. Wir sehen viele Potenziale, uns ist aber auch klar, dass viele Dinge hier nur eingeschränkt möglich sind. Aber auch das treibt mich an. Ich fühle mich sehr wohl in dieser Stadt, bei diesem Verein. Aber man möchte es sich in dieser Wohlfühloase natürlich nicht zu gemütlich machen …

Wer müsste denn kommen,damit Sie die Oase verlassen?

Das ist für mich gar kein Thema. All diese Dinge werden kommen, wenn sie kommen müssen. Mich treibt anderes an. Ich will mit einem Verein extrem erfolgreich sein. Ob das hier in Braunschweig ist oder vielleicht irgendwann mal woanders, wird sich zeigen.

Nächster Gegner ist Aufsteiger Aue. Wie gehen Sie da ran?

Grundsätzlich freue ich mich enorm, dass Aue aufgestiegen ist. Kein anderer Verein im Osten hat in den vergangenen Jahren so nachhaltig gearbeitet. In Aue wird gerade an der Zukunft gearbeitet. Sie bauen ein reines Fußballstadion, spielen auf einer Baustelle, darauf müssen wir uns vorbereiten. In den vergangenen Jahren und auch jetzt unter Pavel Dotchev hat sich das Team spielerisch weiterentwickelt. Darauf stellen wir uns ein.

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