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"Hannover ist für mich undenkbar"

Eintracht Braunschweig "Hannover ist für mich undenkbar"

Die Rivalität ist riesengroß. Und es hat den Anschein, als steige sie sogar noch an. Während das Verhältnis zwischen Spielern, Trainern und Verantwortlichen von Hannover 96 und Eintracht Braunschweig normal bis gut ist, geht zwischen bestimmten Fangruppen gar nichts. Ein Wechsel von Profis oder gar Trainern von dem einen Klub zum anderen, der lange gang und gäbe war, ist fast zur Unmöglichkeit geworden. „Hannover ist für mich undenkbar. Dafür bin ich mit Eintracht zu verwurzelt“, sagte etwa BTSV-Coach Torsten Lieberknecht. „Und ich denke, umgekehrt könnte sich in Hannover auch keiner den 96-Trainer Lieberknecht vorstellen.“

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"Die Fans haben gemerkt, dass ich versucht habe, ehrlichen Fußball zu spielen": Marco Dehne war sowohl bei 96- als auch bei den Eintracht-Fans beliebt. Für Eintracht-Trainer Thorsten Lieberknecht (M.) heute undenkbar.

Quelle: imago (2) / dpa (1)

Hannover/Braunschweig. In der Vergangenheit gab es Transfers zwischen Hannover und Braunschweig regelmäßig, und etwaige Vorbehalte schlugen schnell in Sympathie um, wenn denn die Leistung stimmte. Ein gutes Beispiel dafür ist Marco Dehne. Der Linksfuß, mittlerweile 47 Jahre alt, hat es sogar geschafft, bei beiden Klubs zum Publikumsliebling aufzusteigen, in Braunschweig gar als „Fußballgott“ verehrt zu werden. Und das in einer Zeit, als die Emotionen zwischen beiden Fanlagern sich schon sehr hochgeschaukelt hatten. Eigentlich nicht nur für Unbeteiligte eine ganz normale Sache. Bei der jetzigen Fanbeziehung 96/Eintracht gliche das aber schon einer Sensation.

„Die Fans haben gemerkt, dass ich versucht habe, ehrlichen Fußball zu spielen, unabhängig von den Vereinsfarben“, sagte Dehne, der von 1993 bis 1996 für die „Roten“ spielte und von 1996 bis 1999 für die Blau-Gelben. Sein sympathisches und authentisches Auftreten half ihm außerdem. Wie die meisten Fans freut er sich auf das Derby am Sonntag. „Eintracht gegen 96, das ist Emotion pur“, sagte er. „Wie für wahrscheinlich jeden in Niedersachsen ist das für mich ein komplett besonderes Spiel.“

Er erinnert sich auch gern an vergangene Derbys, etwa als es in der Saison 1997/1998 ebenfalls für beide Vereine um den Aufstieg ging – damals waren beide allerdings drittklassig. Dehne spielte seinerzeit für Braunschweig. „Jeder Spieler wusste, was eine Partie bedeutet“, sagte er. „Aber: Die Spieler unter sich hatten immer Respekt voreinander. Es war sportlich fair, und die Spiele waren kein Geholze.“

Für erheblich größere Aufmerksamkeit als Dehnes Transfer hatte 26 Jahre zuvor die Verpflichtung des einzigen Braunschweiger Meister-Trainers gesorgt. Helmut Johannsen (gestorben 1998), bei der Eintracht seit dem Titelgewinn 1967 eine Ikone, wechselte unmittelbar nach seiner Zeit an der Hamburger Straße nach Hannover. Von einem Tag auf den anderen sozusagen. Sein alter Vertrag endete am 30. Juni 1970, sein neuer begann am 1. Juli 1970.

Es wurde keine schöne Zeit für den Hanseaten Johannsen. Das lag jedoch weniger an irgendwelchen Ressentiments der 96-Fans, die damals erheblich gelassener mit solchen Personalien umgingen, als vielmehr am ausbleibenden Erfolg. In etwa eineinhalb Jahren las sich seine Bilanz ernüchternd: 14 Siegen standen in seinen 49 Spielen auf der 96-Bank zehn Remis und 25 Niederlagen gegenüber. Am 13. November 1971 endete etwas, das man wohl als Missverständnis einstufen kann.

Zwei andere Trainer, die für beide Klubs arbeiteten, hatten ihre bessere Zeit dagegen in Hannover. Michael Lorkowski wird als Coach der Pokalsieger-Mannschaft von 1992 für immer mit der 96-Geschichte verbunden sein. Der 61-Jährige hatte damals unmittelbar nach dem Triumph von Berlin die „Roten“ verlassen müssen. Er heuerte danach beim VfB Lübeck und beim Wuppertaler SV an, bevor es ihn zum Drittligisten Braunschweig verschlug (1996 bis 1998) – ausgerechnet in einer Zeit, als 96 auch in der 3. Liga spielte. 96 und Eintracht dominierten damals die Klasse nach Belieben. Aber es konnte nur einen Meister geben – und das waren zweimal die „Roten“. Für Lorkowskis Ansehen in der Landeshauptstadt nicht ganz unwichtig.

Reinhold Fanz, der die Hannoveraner 1998 als Trainer zurück in die 2. Liga geführt hatte, sollte später (1991 bis 2001) Gleiches in Braunschweig vollbringen. Es blieb beim Vorhaben, am 17. Mai 2001 wurde er entlassen.

Michael Krüger – 1989/1990 Cheftrainer bei 96 – war da erfolgreicher. Er brachte Eintracht 2005 in die 2. Liga, was ihn später im Oktober 2006 auch nicht vor der Entlassung bewahrte. Heute sei ein Frontenwechsel fast unmöglich, sagte der 62-Jährige und stimmt in dem Punkt mit Lieberknecht überein.„Das Risiko wäre viel zu groß. Man müsste wohl erst einmal mit zehn Siegen beginnen, um die Skepsis zu zerstreuen“, sagte Krüger.

von Jörg Grußendorf

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