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Eintrachts Trainer Torsten Lieberknecht

AZ/WAZ-Interview Eintrachts Trainer Torsten Lieberknecht

Am Sonntag (15.30 Uhr) geht‘s los, dann empfängt Eintracht Braunschweig zum Start in der 2. Fußball-Bundesliga den TSV 1860 München. Vier Tage vor dem Auftaktspiel nahm sich Torsten Lieberknecht (l.) nochmal Zeit für die AZ/WAZ und traf sich mit Sportjournalist Timo Keller zum exklusiven Interview. Darin spricht der Braunschweiger Trainer über die neue Euphorie rund um die Blau-Gelben, über die Zeit seit seiner Amtsübernahme im Mai 2008 und über seine Visionen mit dem deutschen Meister von 1967.

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Eintrachts Trainer Torsten Lieberknecht im AZ/WAZ-Interview mit Sportjournalist Timo Keller.

AZ/WAZ: Was überwiegt vor dem Start: die Vorfreude oder die Nervosität?
Lieberknecht: Weder noch. Es ist eine gesunde Mischung aus Anspannung und einer riesigen Portion Vorfreude.

AZ/WAZ: Die Euphorie im Umfeld ist riesig, fast 13.000 Dauerkarten sind schon weg. Wie geht der Klub damit um?
Lieberknecht: Wir sehen das als Verpflichtung. Die Mannschaft hat in der vergangenen Saison mit einer hohen Identifikation attraktiven Fußball gespielt und so etwas hergestellt, das in den Jahren zuvor abhanden gekommen war. Und zwar, dass die Fans ihren Spielern im Trikot wieder gern zuschauen, weil sie mit Leib und Seele dabei sind. Auf der anderen Seite ist die Euphorie auch Anerkennung für die geleistete Arbeit.

AZ/WAZ: Mit der Euphorie ist auch die Erwartungshaltung wieder gestiegen…
Lieberknecht : Ich finde, die Erwartungshaltung ist sehr nüchtern geworden. Die Fans denken nicht, dass wir direkt in andere Sphären stoßen müssen. Die Haltung, von Spieltag zu Spieltag zu denken, ist inzwischen angekommen.

AZ/WAZ: Worin liegt denn diese ganz besondere Faszination, die die Eintracht auf ihre vielen Anhänger ausübt?
Lieberknecht: Darin, dass man viele Emotionen tagtäglich mitbekommt, dass man überall mit der Eintracht konfrontiert wird, sie ist immer Thema. Dass die Tradition so gelebt wird, die Leute aber auch in die Zukunft schauen, das macht die Faszination aus.

AZ/WAZ: Als Sie vor über drei Jahren Cheftrainer wurden, sah die Situation anders aus, die Eintracht stand vor dem Sturz in die 4. Liga, trotzdem träumten einige von der
1. Liga. Was hat sich seitdem verändert und wie wurde das erreicht?
Lieberknecht: Dafür waren viele Gespräche und Überzeugungsarbeit nötig. Natürlich gab es Zeiten, die frustrierend waren für die Anhänger. Es war wichtig, sie wieder als Einheit zusammenzubekommen. Wir haben viele Fantreffen durchgeführt, um unseren Weg transparent aufzuzeigen. Dadurch konnten sich die Fans auch wiederfinden.

AZ/WAZ: Fiel Ihnen die Überzeugungsarbeit schwer?
Lieberknecht: Eigentlich nicht, weil wir das umgesetzt haben, was wir uns vorgenommen hatten. Aber es war wichtig, die Fans davon zu überzeugen, dass es nicht nur eine Vergangenheit gibt, sondern dass wir sie in die Zukunft mitnehmen müssen. Da muss man schauen, wer sich dafür öffnet und wer nicht. Und dann müssen halt auch Schnitte gemacht werden.

AZ/WAZ: Zu Beginn gab‘s auch Kritik an Ihnen, Sie seien zu unerfahren, hieß es. Wie haben Sie das aufgenommen?
Lieberknecht: Erstens habe ich das so nicht empfunden, zweitens interessierte mich das nicht. Und drittens stelle ich mir die grundsätzliche Frage, woher die Leute das Recht nehmen, so zu urteilen. Ich maße mir auch nicht an, Menschen zu beurteilen, von deren Jobs ich gar keine Ahnung habe. Aber das ist eben Fußball, da darf und soll jeder mitreden.

AZ/WAZ: Heute werden Sie von den Fans am lautesten gefeiert…
Lieberknecht: Die Anerkennung wird von mir honoriert, aber zum erfolgreichen Arbeiten gehört immer ein Team.

AZ/WAZ: Wie würden Sie sich selbst als Trainer charakterisieren?
Lieberknecht: Ich will auf dem Platz Tugenden wie Laufarbeit, Organisation, Emotionen und Identifikation sehen. Das ist die Basis. Und ich bin ein Trainer, der immer versucht, Spielern Hilfestellungen und Lösungen mitzugeben. Auf der anderen Seite fahre ich den klaren Kurs, dass einer, der Egoismus in den Vordergrund stellt, es bei mir sehr schwer hat. Ich versuche auch immer, eine gute Stimmung innerhalb der Mannschaft zu haben. Das ist ein wichtiger Bestandteil. Die Spieler wissen, dass sie bei mir bis zu einer bestimmten Grenze gehen dürfen.

AZ/WAZ: Von welchem Ihrer Trainer haben Sie sich am meisten abgeschaut?
Lieberknecht: Wolfgang Frank hat mich sehr geprägt. Ich habe aber von jedem der Trainer etwas mitgenommen, positiv wie negativ.

AZ/WAZ: Haben Sie sich auch persönlich das Ziel gesetzt, irgendwann eine Bundesliga-Mannschaft zu trainieren?
Lieberknecht: Ich will unbedingt im Trainerbereich arbeiten, habe da auch meine Ziele. Es war aber nicht so, dass ich sofort zu den Profis wollte, ich hätte auch weiter im Jugendbereich gearbeitet. Aber klar ist auch, dass ich den Trainerjob gerne mache – und da ist nach oben hin ja alles offen.

AZ/WAZ: Sie identifizieren sich stark mit der Eintracht. Aber spielt Identifikation heutzutage noch eine große Rolle?
Lieberknecht: Ich beschäftige mich momentan nur mit Eintracht Braunschweig, einem Verein, bei dem Identifikation groß geschrieben wird. Das ist ein Grund, warum die Eintracht so gelebt wird. Die Stadt ist nicht so groß, sodass jeder mitgezogen wird. Die Menschen hier haben den Anspruch zu sagen: Das ist unsere Eintracht. Das spielt eine große Rolle bei der Kaderzusammenstellung, die Spieler müssen damit umgehen können und das vorleben.

AZ/WAZ: Zurück zur 2. Liga, die am Sonntag losgeht: Was ist der größte Unterschied zur 3. Liga?
Lieberknecht: Der größte Unterschied wird sein, sich an die neue Atmosphäre zu gewöhnen, die größere Medienpräsenz, die neuen Stadien. Es ist schon ein Unterschied, ob man in Burghausen spielt oder in der Allianz-Arena.

AZ/WAZ: Wie werden die Zuschauer reagieren, wenn es mal drei, vier Niederlagen am Stück gibt?
Lieberknecht: Schwer zu sagen, darüber denke ich gar nicht nach. Auch die Fans wissen, dass es die eine oder andere Niederlage mehr geben wird. Für uns ist wichtig, dass wir geerdet bleiben und Niederlagen auch nüchtern analysieren.

AZ/WAZ: Bei allem Realismus ist Träumen ja trotzdem erlaubt: Wann ist der Traum von der 1. Liga realistisch?
Lieberknecht: Das ist eine ganz große Vision. Jeder weiß, dass wir klar und nüchtern an die Dinge herangehen. Für mich wäre das der allergrößte Traum, das mit der Eintracht zu erleben. Aber dafür brauchen wir viel Geduld, Arbeit und das eine oder andere Jahr mehr.

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