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Ein Hannoveraner in der Höhle der Löwen

Eintracht Braunschweig Ein Hannoveraner in der Höhle der Löwen

Braunschweig. Vollsperrung an der Hamburger Straße. Das Gebiet ums Eintracht-Stadion wird zum Derby am Sonntag zur Sicherheitszone erklärt. Gestern war die Höhle der Braunschweiger Löwen unbewacht. Unser Kollege von der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung wagte sich ins "Feindesland", sah sich dort um und lernte Braunschweiger Originale kennen. Dabei traf er…

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Hier lebt Conni weiter: Hähnchen- und Eintracht-Spezialitäten in der Sportbar.

Quelle: Tietenberg

… die Wahre Liebe.

Am Sonntag spielt auch die „Alte Liebe“ (96) bei der „Wahren Liebe“ (Braunschweig). Wahre Liebe zum Detail zeigt die gleichnamige Sportbar. Die Empfehlung: „Conni‘s Vermächtnis“, ein halbes Hähnchen für 6,50 Euro. Helmut „Conni“ Eckleben war eine Stadt-Ikone mit „Hähnchen und Bier“ am Neustadtring. Conni ist tot, aber sein Geist lebt hier weiter. Die Sportbar am Stadion baute eine Conni-Ecke auf, mit Piano, Stammtisch- und Eintracht-Kram. Der Kellner erklärt, dass Connis Witwe ab und zu noch auf dem Piano spielt. Alles klingt, duftet und schmeckt nach Blau-Gelb-Fußball. Sogar die Wände auf dem Weg zum Klo sind mit Kunstrasen tapeziert.

… die 96-Plätze.

Die Ersatzbank hinter dem echten Rasen und der blauen Laufbahn ist abgedeckt. Nebenan auf der Trainerdoppelbank kann man Platz nehmen. Dies wird am Sonntag Daniels Stendels Seite. Die Bänke sind hart, die Reklame des Brauseherstellers wirbt mit „Zero“ für die Gäste. Nichts für Abergläubige. Im Innenraum steht die Tür zur Gästekabine offen, angelehnt an einen Feuerlöscher für den Notfall. Gestern wurde gelüftet und geputzt. Alles sauber.

… zwei Eintracht-Spieler.

Ken Reichel und Kapitän Marcel Correia geben beim Interview-Termin selbstbewusste Derby-Figuren ab. Beide umkurven die Brisanz des Duells. Es wird nur versteckt gefoult. „Wenn wir oben stehen, ist mir egal, wer mit uns aufsteigt“, erklärt Correia. 96 ist Eintracht also egal? So ziemlich. Reichel setzt einen drauf: „Ich persönlich kenne niemanden aus Hannover.“

... die Kurvenmutti.

Christel Neumann (72) kennt in Braunschweig jeder Fan als „Kurvenmutti“. Sie steht stolz neben ihrem blauen Golf 3. Das Auto bekam sie am Sonntag geschenkt, von Eintracht-Fans. Ihr alter Golf 3, auch ein Fan-Geschenk, ist nach einem Unfall Schrott. Warum schenken die Fans ihr Autos? Weil die Christel alles für Club und Fans und Kinder tut. Sie sammelt Becher-Pfand und Geld für bedürftige Kinder. Und hat den engsten Draht zum Trainer: „Torsten ist mein Liebling, es gibt keinen Besseren.“ Sie schreibt Lieberknecht nach jedem Spiel SMS. „Er schreibt immer zurück.“ Auf Platz zwei ihrer Liste: Michael Krüger aus Hannover, 2004 bis 2006 Trainer in Braunschweig. „Ein menschlicher Trainer, ich mochte ihn sehr.“ Seit Jahrzehnten steht sie in der Kurve, ist Derby-Expertin. Was erwartet sie: „Hoffentlich mal wieder Stimmung.“ Wie bitte? „Beim 3:0 war doch keine Stimmung, da wurden die Fans doch ausgesperrt. Ne! Ich brauch Stimmung.“ Ihre Laune ist blendend. Sie hat Stürmer Domi Kumbela gerade ein Trikot abgeschwatzt, das sie für 100 Euro verkauft: „Alles für die Kinder.“ Typisch Kurvenmutti.

von Dirk Tietenberg

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