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Das müssen Sie zum Derby wissen

Hannover 96 gegen Eintracht Braunschweig Das müssen Sie zum Derby wissen

Für viele Fußballfans in Niedersachsen ist es der sportliche Höhepunkt des Jahres: Das Spiel zwischen Hannover 96 und Eintracht Braunschweig am Sonntag. Hier erfahren Sie alles, was Sie über das Derby wissen müssen, in übersichtlichen Fragen und Antworten.

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Das Derby kann beginnen: Hier finden Sie alle wichtigen Fragen und Antworten zum Spiel Hannover 96 gegen Eintracht Braunschweig.

Quelle: HAZ/M

Braunschweig. Das Duell der Fußballmannschaften von Hannover 96 und Eintracht Braunschweig wird von vielen Fans nicht allein als sportliches Aufeinandertreffen gesehen. Beim Derby der Bundesligateams Ende 2013 kam es in Hannover zu erheblichen Ausschreitungen mit Verletzten auf allen Seiten, auch der Polizei. Nach dem Abstieg in die 2. Liga treffen die Teams erneut aufeinander.

Wann und wo wird gespielt? 

Anpfiff ist am Sonntag um 13.30 Uhr im Eintracht-Stadion an der Hamburger Straße in Braunschweig. Das Spiel ist ausverkauft. Hier auf HAZ.de können Sie das Spiel im Liveticker mitverfolgen. Im Fernsehen gibt es Ausschnitte der Partie bei Sport1 (19 Uhr) und im „Sportclub“ vom NDR (22.50 Uhr). Wenn Sie das Spiel gemeinsam mit anderen Fans in Hannover verfolgen wollen, haben Sie dazu in zahlreichen Kneipen und an anderen Orten die Möglichkeit, etwa in der 60er-Jahre-Halle der Faust, in der Nordkurve, der Schateke, dem Bösen Wolf und im Ramberg Eck. 

Worum geht's? 

Sportlich gesehen: es ist das Spitzenspiel der Zweiten Liga, der Tabellenerste (Braunschweig) trifft auf den Tabellenvierten (Hannover). Zwar bliebe der BTSV selbst bei einer Niederlage Erster (es sei denn, Stuttgart schlägt Bielefeld mit mehr als sechs Toren Abstand), doch Heidenheim, Stuttgart und 96 säßen ihnen noch dichter im Nacken. Für Hannover gilt es, den Anschluss an die Aufstiegsplätze nicht zu verlieren. Ungewöhnlich für die "Roten": Zum ersten Mal seit etlichen Jahren geht 96 nicht als Favorit ins Derby mit der Eintracht. Zusätzlich gestiegen ist der Druck, weil viele Dinge bei den „Roten“ bislang nicht nach Plan laufen. Sechs Siege nach elf Spielen sind keine zufriedenstellende Ausbeute für den Aufstiegsfavoriten. Am Sonnabendabend gab es zumindest eine hoffungsfrohe Nachricht: Der zuletzt verletzte Spielmacher Manuel Schmiedebach kehrte wider Erwarten ins Absschlusstraining zurück und wird in der Startelf stehen.

Abseits der sportlichen Situation: Natürlich geht es bei dem Derby auch um die lokalpatriotische Ehre. Über die Rivalität wurde in den vergangenen Wochen viel gesprochen und geschrieben (siehe dazu die folgende Frage). Um so besonderer ist der Derby-Charakter, weil es so selten Spiele zwischen den beiden Teams gibt: In den vergangenen 20 Jahre trafen die Teams lediglich sieben Mal aufeinander. Die Ergebnisse sahen übrigens so aus:

2013/2014 Braunschweig – 96 3:0
  96 – Braunschweig 0:0 
2003/2004 Braunschweig – 96 2:0
1997/1998 Braunschweig – 96 0:1
  96 – Braunschweig 1:1
1996/1997 96 – Braunschweig 4:0
  Braunschweig – 96 3:2

Wie der Tabelle zu entnehmen ist, ist der jüngste Sieg von 96 gegen die Eintracht rund 18 Jahre her. Damals spielten beide Mannschaften noch in der Regionalliga Nord - und es ging um alles oder nichts. Wie das damals ablief, sehen Sie im HAZ-Sportbuzzer in Videos.

Woher kommt die Rivalität?

Hannover und Braunschweig sind die größten Städte in Niedersachsen. Diese Konstellation allein birgt eine gewisse Rivalität, allzumal bei einer Entfernung von knapp 70 Kilometern. Weitere Anhaltspunkte liefern die Geschichtsbücher: Braunschweig war im Mittelalter die weitaus bedeutendere Residenz, von 1700 an verschoben sich aber die politischen und wirtschaftlichen Zentren in Richtung Hannover. Zudem ging nach dem zweiten Weltkrieg das bis dahin selbstständige Land Braunschweig in Niedersachsen auf – mit der Hauptstadt Hannover. Im Fußball verlief die Entwicklung ähnlich: Konrad Koch und August Hermann aus Braunschweig gelten als Initiatoren des ersten Fußballspiels in Deutschland im Jahr 1874. Die Erfolge, sprich deutsche Meistertitel, aber wanderten nach Hannover (1938 und 1954), erst 1967 holten auch die Braunschweiger die Schale. Ein erbittertes Duell zwischen 96 und dem BTSV Eintracht gab es 1963 um den Bundesliga-Startplatz: In der ursprünglich vom Deutschen Fußball-Bund erstellten Zwölfjahreswertung lag Hannover mit 309 Punkten vor Braunschweig (276). Die Eintracht durfte aber als dritter Nordclub neben dem Hamburger SV und Werder Bremen in der Bundesliga-Premierensaison mitwirken. Die Gründe dafür wurden nie transparent gemacht. 96 stieg 1964 auf und sicherte sich 1973 mit einem 4:0-Sieg in Wuppertal den Klassenerhalt. Absteigen mussten stattdessen – die Braunschweiger.

Wie steht es um die Sicherheit?

Im Stadion wird die Zahl der Ordner am Sonntag von üblicherweise 400 auf 550 aufgestockt. Auch die Polizei hat vor dem Hochrisikospiel massiv aufgerüstet. Mehrere Hundert potenziell gewaltbereite Anhängern von Hannover 96 und Eintracht Braunschweig könnten laut Polizei die Stimmung stören. „Wer von denen im Stadion sein wird, können wir nicht sagen“, sagte Roger Fladung, Vizepräsident der Braunschweiger Polizei, bei der Vorstellung des Sicherheitskonzepts. Wo sich die Problemfans aufhalten werden, die keine der insgesamt 23.000 Tickets ergattern konnten, ist ebenfalls unklar. „Wir wissen nicht wann und wir wissen nicht wo“, sagte Fladung. Deshalb werden deutlich mehr Einsatzkräfte vor Ort sein als an gewöhnlichen Spieltagen. Zur Verstärkung der örtlichen Einsatzkräfte würden auch Hundertschaften aus anderen Bundesländern hinzugezogen. Genaue Zahlen nannte Fladung nicht. Schon Wochen vor dem Vorverkaufsstart hatten  440 Problemfans Aufenthalts- und Betretungsverbote für das Eintracht-Stadion erhalten. 

Was hat das für Auswirkungen am und im Stadion?

Anders als beim vorigen Derby zwischen den beiden Teams am 6. April 2014 können die Hannover-Fans diesmal individuell anreisen. Damals mussten sie in bereitgestellten Bussen des Vereins nach Braunschweig fahren, wenn sie ins Stadion wollten. Trotzdem gilt: Alle mit der Bahn anreisenden Fans müssen sich vor und nach der Partie auf besondere Regeln einstellen.  Jeder Besucher soll kontrolliert werden. Im Stadion wird kein Alkohol ausgeschenkt. Rund um die Arena an der Hamburger Straße herrscht ein striktes Glasflaschenverbot. Den Fans von Hannover 96 steht ein Parkplatz an der Ecke Christian-Pommer-Straße/Pillmannstraße zur Verfügung. Von dort fahren Busse direkt zum Stadion. Anhänger der „Roten“ die mit dem Zug kommen möchten, können am Hauptbahnhof ebenfalls in kostenlose Busse zum Stadion steigen.  Weitere Infos zur Sicherheit und zu den Kontrollen gibt es hier.

Was ist im Vorfeld passiert? 

Unschöne Vorfälle vor dem Derby gab es in der Vergangenheit viele - doch die geplante Massenschlägerei von Freitag, die die Polizei offenbar in letzter Minute verhindern konnte, stellt wohl alles in den Schatten. 170 Fußball-Chaoten hatten sich am Freitagabend gegen 21 Uhr auf dem Parkplatz eines Baumarktes im Hildesheimer Stadtteil Barienrode versammelt. Offenbar war eine Massenschlägerei geplant. Doch noch vor Eintreffen der Braunschweiger Kontrahenten griff die Polizei ein. 170 Rowdys wurden vorläufig festgenommen, mehrere Dutzend müssen bis zum Ende des Derbys hinter Gittern ausharren. Mehr zu dem Vorfall lesen Sie hier.

Die Stimmung ist vor dem lange erwarteten Niedersachsen-Derbyaufgeheizt. Bereits am Freitagmorgen hatten Zeugen  zwei Puppen mit schwarz-roten 96-Schals entdeckt, die von zwei Brücken im hannoverschen Stadtgebiet baumelten. An der Clausewitzstraße wurde zudem das frühere Vereinsheim von 96 beschmiert. Die Polizei ermittelt wegen Sachbeschädigung.

Sind denn jetzt alle verrückt geworden?

Nein, nicht alle. Die Mehrzahl der Fans will mit den gewaltbereiten Chaoten nichts zu tun haben und wünscht sich ein friedliches, fröhliches Fußballfest - trotz aller Rivalität.  Wie das geht, berichteten der HAZ ein 96-Anhänger und ein Braunschweig-Fan im Interview.  

mic

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